Normale Funktionen der Leber

Artikel aktualisiert am 29. Februar 2024

Die Leber ist das größte solide innere Organ des Menschen und erfüllt wesentliche Funktionen für den Körper. Sie beziehen sich auf den Aufbau- und Energiestoffwechsel und die Bildung körpereigener Stoffe, sowie auf die Entgiftung toxischer Substanzen.

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Die Funktionen der Leber sind außerordentlich vielfältig und fein aufeinander abgestimmt. Ihre Änderung wirkt sich auf andere Organe und letztlich auf den gesamten Organismus aus. Umgekehrt beeinflussen die Funktionszustände und Krankheiten anderer Organe die Leber. Daher ist es bei praktisch allen inneren Erkrankungen erforderlich, die Leber in die Diagnostik einzubeziehen.

Leberhistologie: verschiedene, funktionell eng miteinander interagierende Zelltypen

Die Leber sieht zwar makroskopisch sehr uniform aus, sie ist mikroskopisch und funktionell jedoch außerordentlich differenziert aufgebaut. Das große zentral gelegene Organ, das früher so rätselhaft gewesen war (siehe „Leberschau“ alter Priester), ist zwar inzwischen weitgehend bekannt, hält aber immer noch erstaunliche Überraschungen bereit. (1)Clin Liver Dis (Hoboken). 2021 Oct 29;18(Suppl 1):28-48. doi: 10.1002/cld.1100.

Überblick über die Funktionen der Leber

Im Einzelnen handelt es sich bei den Leberfunktionen

  • um den auf- und abbauenden Stoffwechsel (Metabolisierung) von Fetten, Eiweißen (Proteinen) und Kohlenhydraten,
  • um die Entfernung und Entgiftung toxischer Substanzen aus dem Blutkreislauf, die anschließend von der Leber über die Galle in den Darm ausgeschieden werden oder über für die Nieren ausscheidungsfähig gemacht werden, und
  • um die Bildung von Galle, die für die Verdauung erforderlich ist und mit der Giftstoffe abtransportiert werden.

Entsprechend ihrer Hauptfunktionen ist die Leber damit

  • ein zentrales Stoffwechselorgan:
    • Stoffwechselprozesse im Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydrathaushalt des Körpers,
    • Energiebereitstellung (durch Abbau von Glykogen) und Energiespeicherung (durch Aufbau von Glykogen),
    • Bildung von Blutbestandteilen, wie von Albumin und von Transportproteinen für Hormone, Fette, Fremdstoffe (z. B. Medikamente) etc.
  • ein zentrales Entgiftungsorgan:
    • Aufnahme von Giftstoffen und von Infektionserregern aus dem Blut,
    • Ausscheidung von höhermolekularen Giftstoffen mit der Galle (niedermolekulare werden überwiegend mit dem Urin ausgeschieden),
    • Löslichmachung niedermolekularer Substanzen, damit sie mit den Nieren ausgeschieden werden können.
  • eine Verdauungsdrüse: Produktion von Galle für die Fettverdauung und -resorption im Darm.
  • ein endokrines Organ: Regulation des Energieverbrauchs des Körpers über die hormonelle Aktivität von Ketonkörpern und Gallensäuren.

Stoffwechselfunktionen

Die Funktion der Leber als Stoffwechselorgan umfasst eine Vielzahl von Leistungen, die für den übrigen Körper entscheidend sind. Dazu gehören:

  • die Verarbeitung der vom Darm aufgenommenen Nahrungsstoffe (Aminosäuren, Zucker, Fettsäuren etc.) zu körpereigenen Substanzen, die von anderen Organen weiter verwendet werden,
  • die Bildung von Gerinnungsfaktoren, die dafür sorgen, dass sich das Blutgefäßsystem bei Verletzung abdichtet,
  • die Bildung von Albumin, welches dafür sorgt,
    • dass Blutflüssigkeit nicht ins Gewebe übertritt, sondern in der Blutbahn bleibt, und
    • dass schlecht lösliche Substanzen im Blut (in Bindung an Albumin) transportiert werden können, was beispielsweise für einige Hormone, Fette und auch Medikamente erforderlich ist,
  • die Bildung von Apolipoproteinen für den Transport von Cholesterin, Fettsäuren und anderen lipophilen und hydrophoben Stoffen im Blut,
  • die Bildung von Energiereserven (Glykogen, Fette), die im Bedarfsfall rasch nutzbar gemacht werden können,
  • Speicherung lebenswichtiger Substanzen (Vitamine, z. B. A oder B12),
  • die Aktivierung und Deaktivierung von Hormonen (z. B. von Geschlechts- und Nebennierenhormonen oder dem D-Hormon),
  • die Bildung und Bereitstellung von Kreatin für die Muskulatur.

Entgiftungsfunktion

Die Entgiftungsfunktion beinhaltet das Herausfiltern von Schadstoffen, Bakterien und bakteriellen Giften aus dem Darm. Sie betrifft den Abbau von toxischen Substanzen inklusive von Alkohol, Umweltgiften und Medikamenten (siehe unter Medikamentenstoffwechsel und Toxischer Leberschaden). Durch einen Stoffwechselprozess werden primär wasserunlösliche Verbindungen wasserlöslich und damit für die Nieren ausscheidungsfähig gemacht. Große, von den Nieren nicht filtrierbare Moleküle werden von der Leber selbst über die Galle ausgeschieden. An der Entgiftungsfunktion sind verschiedene Zelltypen der Leber beteiligt, so vor allem die Hepatozyten und die Kupffer’schen Sternzellen. (siehe hier).

Gallebildung

Die Bildung von Galle ist für die Verdauung von Fetten notwendig. Die Galle hat die Fähigkeit, Fette in feinste Tröpfchen zu zerteilen und damit für die Verdauungsenzyme aus Darm und Bauchspeicheldrüse angreifbar zu machen; sie ist durch die in ihr konzentriert vorhandenen Gallensäuren ein biologischer Emulgator. Sie fördert zudem die Aufnahme der bei der Fettverdauung entstehenden Spaltprodukte und der fettlöslichen Vitamine (dies sind die Vitamine A, D, E und K) durch die Darmwand.

Darm-Leber-Achse

Vom Darm aus gibt es zu den einzelnen Organen des Körpers eine Reihe besonderer regulatorischer Verbindungen, die als „Achsen“ bezeichnet werden, so eine zum Gehirn und zu den Nieren, der Bauchspeicheldrüse oder dem Immunsystem. Eine besonders bedeutsame ist die Darm-Leber-Achse: Die Leber stellt einerseits eine Drüse dar, die für Verdauungsprozesse erforderlich ist, andererseits nimmt sie Nahrungsbestandteile aus dem Pfortaderblut auf, verarbeitet und speichert sie und macht sie dem Körper nutzbar. Sie schützt den Körper zudem vor Bakterien, die durch die Schleimhautbarriere in den Körper eindringen und vor ihren Giftstoffen (Toxine).

Eine besondere Kooperation mit dem Darm besteht darin, dass bestimmte Darmbakterien über eine Beeinflussung der Gallensäurezusammensetzung und Mediatorstoffe aus der Darmwand den Leberstoffwechsel tiefgreifend verändern können (dazu siehe hier).

Funktionsreserve

Um die verschiedenen Aufgaben erfüllen zu können, muss die Leber eine hohe Kapazität für ihre Funktionen besitzen und sehr gut durchblutet sein. Die Kapazität ist für Spitzenleistungen ausgelegt, wie sie nach großen Mahlzeiten und bei körperlicher Anstrengung erforderlich werden. Sie übertrifft den Ruhebedarf derart, dass (ohne Belastungsspitzen) auf etwa die Hälfte des Organs verzichtet werden kann. Daher ist beispielsweise eine ausgedehnte operative Resektion z. B. zur Entfernung eines Lebertumors möglich.

Funktionsstörungen bei Leberkrankheiten

Wenn die Leber erkrankt ist, kann es zu erheblichen Funktionsstörungen kommen, die sich auf den gesamten Körper auswirken. Beispiele:

  • Eine Störung der Gallebildung oder die Behinderung des Gallenflusses in den Darm, wie sie bei einer Cholestase vorliegt, hat komplexe Auswirkungen auf den Körper. Es kann zu einer Gelbsucht mit Ansammlung toxischer Produkte im Körper und zu einer Verdauungsstörung, insbesondere bei der Fettverdauung, kommen.
  • Eine unzureichende Entgiftungsfunktion von Medikamenten hat Auswirkungen auf ihre Konzentration und Wirkdauer. Medikamente, die in der Leber entgiftet werden, müssen bei einer ausgeprägten Funktionsstörung geringer dosiert oder abgesetzt werden (Beispiel: dekompensierte Leberzirrhose). Siehe auch hier.

Störungen der Leberfunktion

Zu den krankheitsbedingten Störungen der Leberfunktion siehe hier.


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Verweise

Fachinfos

Patienteninfos

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