Die Nieren

Was die Niere ist

Die Nieren sind ein paariges Organ, das Urin produziert und der Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten und Giftstoffen dient. Die beiden Nieren liegen hinter der Bauchhöhle rechts und links der Wirbelsäule in der Lendengegend und können dort bei akuten Erkrankungen schmerzen.

Sie sind jeweils 11-12 cm lang und lassen sich grob in Nierenrinde, Nierenmark und  Nierenbecken unterteilen. Vom Nierenbecken geht der Harnleiter (Ureter) zur Blase ab. Die Niere lassen sich heute leicht mit Hilfe von Laborwerten des Bluts und des Urins sowie durch Ultraschall auf krankhafte Veränderungen hin untersuchen.


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Welche Funktionen die Nieren haben

Niere: Außen die breite Rinde (rot), in der die Glomerula und die Tubuli liegen, in welchen der Primärharn gebildet und modifiziert wird, und mit dem Nierenhilus, in welchem das Nierenbecken (hell-beige) liegt, in das der Harn aus den Sammelrohren des harnbildenden Systems gelangt und aus dem er als Urin über den Harnleiter (Ureter) zur Blase abgeleitet wird. Im Nierenhilus sind auch die zuführende Nierenarterie (dunkelrot) und die abführende Nierenvene (dunkelblau) zu sehen.

Filtration des Blut und Nachbearbeitung des Primärharns: Die Nieren haben die Aufgabe, das Blut zu filtern. Abgepresst wird der Primärharn (pro Minute etwa 130 ml Ultrafiltrat); zurück behalten werden alle Blutkörperchen und die Bluteiweiße.

Die Filtrierung des Bluts findet in den Nierenkörperchen (Glomerula) statt. Das Ultrafiltrat wird von der Niere in den nachfolgenden Nierentubuli noch erheblich verändert: dort wird es vor allem konzentriert, bevor es schließlich als Urin ausgeschieden wird. Funktioniert die tubuläre Nachbearbeitung des Primärharns nicht ausreichend, kann dies an einer Harnflut von vielen Litern pro Tag erkennbar werden.

Diuretika zur Beeinflussung der Nierenfunktion: Die Funktion der Nierentubuli kann medikamentös durch sogenannte Diuretika beeinflusst werden. Dies nutzt man therapeutisch zur Ausschwemmung von Wassereinlagerungen in den Körper aus, so von Ödemen beispielsweise bei einer Herzinsuffizienz oder von Bauchwasser (Aszites) bei einer Leberzirrhose.

Nierendurchblutung in Abhängigkeit vom Blutdruck: Die Nierendurchblutung ist sehr hoch, damit das Blut genügend von Schlackenstoffen gereinigt werden kann. Sinkt der Blutdruck, sinkt damit auch der für die Primärharnbildung erforderliche Filtrationsdruck. Um dies zu verhindern, überprüft die Niere ständig den Blutdruck; und ist er zu gering für eine ausreichende Filterfunktion, so setzt sie Maßnahmen in Gang, die den Blutdruck wieder anheben. Zentral dabei ist die Bildung von „Renin„. (Fachinfos: siehe unter RAAS)

Nieren und Blutbildung: In den Nieren wird EPO (Erythropoetin) gebildet. Dies ist ein Hormon, welches das Knochenmark anregt, rote Blutkörperchen (Erythrozyten, verantwortlich für den Sauerstofftransport) zu bilden. Auslöser für die Bildung von EPO ist Sauerstoffmangel, wie er z. B. bei chronischen Lungenkrankheiten auftreten kann. EPO wird bei chronischen Nierenkrankheiten nicht ausreichend gebildet, so dass Blutarmut (Anämie) die Folge ist. EPO wird bekannterweise zum Doping von Sportlern verwendet. Bei ihnen kann das Blut durch die erhöhte Zahl von Blutkörperchen sogar eindicken und zu gefährlichen Gerinnseln im Blut führen; die Gefahr eines Schlaganfalls ist dadurch erhöht.

Welche Folgen eine Nierenerkrankung hat

Ultraschallbild der rechten Niere. Sie hebt sich hier durch besonderen Flüssigkeitsreichtum von der darüber liegenden Leber dunkel ab. Es kann der Verdacht auf eine akute Nierenentzündung (Nephritis) entstehen. In diesem Fall wären erwartbar: erhöhte Entzündungswerte und Nierenwerte und ein pathologischer Urinbefund sowie das klinische Bild eines klopfschmerzhaften Nierenlagers.

Es gibt zwei besonders wichtige Folgen einer Nierenfunktionsstörung, die Niereninsuffizienz (bis hin zur Dialysepflichtigkeit) und die Hypertonie:

  • Niereninsuffizienz: Die normale Reservekapazität der Nierenfunktion ist groß. Selbst der Verlust einer Niere führt noch nicht zum Anstieg der ausscheidungspflichtigen Stoffe im Blut (gemessen durch die Nierenwerte). Die gesunde Niere gleicht den Verlust vollkommen aus. Sind aber beide Nieren so erkrankt, dass die Funktion unter 50% der Norm sinkt, dann steigen die Nierenwerte an. Wenn die Nieren dauerhaft geschädigt sind und sich immer weiter verschlechtern, dann kommt es zu einer zunehmenden Niereninsuffizienz bis hin zur Nierenvergiftung (Urämie). In diesem Fall wird eine Nierenersatztherapie (Dialyse) oder eine Nierentransplantation erforderlich.
  • Großer Eiweißverlust: Normalerweise sind die Glomerula, in denen die Filtration des Bluts stattfindet, dicht für das Bluteiweiß, das so dem Körper erhalten bleibt. Bei Undichtigkeit jedoch kann es zu einem Eiweißverlust kommen. Ist er groß, so kann er die Kapazität zur Nachbildung überschreiten, und es kommt zu einem Eiweißmangel im Blut. Besonders gravierend ist der Mangel an Albumin, da eine Abnahme seiner Konzentration zu Wassereinlagerungen ins Gewebe, zu Ödemen führt. Ein Mangel an anderen Eiweißen kann sich ebenfalls fatal auswirken. So führt eine übermäßige Ausscheidung von Antithrombin 3 (AT3), einem Eiweiß des Gerinnungssystems, zu einem AT3-Mangel im Blut, was mit einer erhöhten Gerinnbarkeit und damit einem erhöhten Risiko einer Thrombose oder Lungenembolie einhergeht.
  • Hypertonie: Die Nieren regeln den Blutdruck über die Bildung von Renin (siehe auch RAAS). Sind die kleinen Blutgefäße, die die Nierenkörperchen (Glomerula) versorgen, zu eng, dann wird die Filtration der Nieren selbst bei normalem Blutdruck eingeschränkt. Aber die Nieren verlangen über eine erhöhte Produktion von Renin eine weitere Blutdrucksteigerung, damit die Ausscheidungsfunktion aufrecht erhalten bleibt, was dann schließlich zu Bluthochdruck (Hypertonie) führt. Dauerhaft zu hoher Blutdruck hat selbst wieder Krankheitsfolgen; er fördert die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) mit Erhöhung des Risikos für Schlaganfall und Herzinfarkt.

Welche Nierenkrankheiten vorkommen

Die häufigste Nierenkrankheit ist die Entzündung des Nierenbeckens (Pyelonephritis), seltener sind Erkrankungen der Nierenkörperchen (Glomerula).

  • Die Erkrankungen der Nierenkörperchen (Glomerula) beinhalten verschiedene Erkrankungen wie eine Glomerulonephritis (Entzündung) oder eine Glomerulosklerose (nicht entzündliche Erkrankung der Nierenkörperchen). In jedem Fall werden die Nierenkörperchen undicht, was beispielsweise durch die Ausscheidung von Eiweiß mit dem Urin erkannt werden kann. Auch kann die Filtrationsleistung abnehmen, bis schließlich die Primärharnbildung versiegt und eine Dialyse erforderlich wird. Solche nicht entzündlichen Schädigungen der Nieren kommen beispielsweise bei der Zuckerkrankheit oder dem Bluthochdruck zustande.
  • Die Pyelonephritis ist eine Entzündung des Nierenbeckens (Nierenbeckenentzündung), die auf die Niere übergreift. Auslöser ist meist ein Harnwegsinfekt, der als Blasenentzündung beginnt und zur Niere hochsteigt. Verantwortlich sind Bakterien, so dass in der Regel eine antibiotische Behandlung erforderlich ist.
  • Nierensteine: Sie bilden sich durch eine zu hohe Konzentration von Substanzen, die im Urin auskristallisieren können. Es gibt verschiedene Steintypen, so z. B. Phosphatsteine (Kalziumphosphat), Oxalatsteine oder Harnsäuresteine (sehr viel seltener Cystin- oder Xanthinsteine). Sie können zu Nierenkoliken führen und Infektionen von Niere und Nierenbecken (Pyelonephritis) begünstigen.

Verweise

Patienteninfos

Fachinfos

 

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).