Bauchschmerzen

Bauchschmerzen gehören zu den vieldeutigen Symptomen. Sie sind ein potenzielles Alarmsymptom und sollten rasch abgeklärt werden, auch wenn ihnen in vielen Fällen eine harmlose Ursache zugrunde liegt.


→ Auf facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!
→ Verstehen und verwalten Sie Ihre Laborwerte mit der
Labor-App Blutwerte PRO!


Das Wichtigste

Kurzgefasst
Bauchschmerzen sind außerordentlich vieldeutig. Als Ursachen kommen in Frage:

  • die akute Anschwellung eines Organs im Bauchraum durch eine Entzündung (Leber, Nieren, Milz, Bauchspeicheldrüse) oder durch einen Blutstau (Leber, Niere, Milz),
  • die Verkrampfung der Muskulatur z. B. des Darms, eines Harnleiters oder der Gallenwege (bis hin zur Kolik),
  • eine Dehnung des Darms durch gefangene Winde,
  • eine psychosomatische Störung.

Zu den einzelnen Schmerzursachen siehe hier.

Wegen der Vielfalt der Ursachen, muss sind bei der Ursachensuche eine Reihe von Hinweisen zu berücksichtigen. Dazu gehören

  • der Schmerztyp,
  • die Lokalisation der Schmerzen,
  • ihre Abhängigkeit von der Körperlage, der Nahrungsaufnahme und dem Stuhlgang,
  • Voroperationen,
  • Schwangerschaft,
  • begleitende Symptome wie Durchfall oder Übelkeit.

Technische Untersuchungen helfen, die Ursachen einzugrenzen, wobei endoskopische und bildgebende Verfahren von besonderer Bedeutung sind (siehe hier).

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache.

Magenschmerzen
Diagnostik bei Bauchschmerzen

Schmerztypen

  • Viszeraler Schmerz: krampf- oder kolikartig, schlecht lokalisierbar, weiche Bauchdecken, keine Abwehrspannung, ausgehend von Hohlorgan durch rasche Dehnung oder durch muskuläre Verkrampfung bzw. Kontraktionen (Gallenblase, Darm), Versuch der Schmerzlinderung durch Lageänderung (Herumwälzen)
  • Parietaler Schmerz (somatischer Schmerz): lang anhaltend, relativ gut lokalisierbar, Abwehr bei Beklopfen der Bauchdecke, Loslassschmerz, ausgehend vom Peritoneum (lokale oder diffuse Peritonitis), bewegungslose Schonhaltung

Schmerzursachen

Akute Abdominalschmerzen

Heftigste akute Schmerzen im Bauchraum werden dann oft als „akutes Abdomen“ bezeichnet, wenn eine chirurgische Intervention zur Klärung mit der Möglichkeit einer Behandlung zur Diskussion steht. Ein großer Teil der Ursachen ist jedoch „nicht chirurgisch“. Um einerseits eine Operationsindikation nicht zu übersehen und andererseits unnötige Operationen (wie bei einer akuten Porphyrie oder der Pseudoperitonitis diabetica) zu vermeiden, wird in der Regel ein interdisziplinäres Konsil angestrebt.

Wichtige Ursachen nach Häufigkeit:

Seltenere Ursachen (Auswahl):

Chronische rezidivierende Schmerzen

Wichtige Ursachen (nach Organzuordnung):

  • Dünndarm (Stenose durch Tumor oder bei Morbus Crohn, Durchblutungsstörung bei Mesenterialarteriensklerose)
  • Gynäkologische Ursachen (Dysmenorrhoe, Extrauteringravidität, Adnexitis, Endometritis, Zystitis)
  • Urologische Ursachen (Steinleiden, Infektionen)
  • Bauchdeckenschmerz (Einblutung, Abszess, Hernie)

Diagnostik

Führend sind Anamnese und körperlicher Untersuchungsbefund.

Anamnese

Zu klären ist: wann, wo, wie lange, wie stark, wobei aufgetreten, wodurch gelindert, Abhängigkeit von Nahrungsaufnahme bzw. von bestimmten Nahrungsmitteln, vom Stuhlgang, von Winden oder von der Körperlage.

Körperlicher Untersuchungsbefund

Zu klären ist: akute Notfallsituation, Heftigkeit, Zeichen eines parietalen oder visceralen Schmerzes, Lokalisation und Ausstrahlung, Resistenz im Bauchraum bei Palpation, Darmgeräusche, Gefäßgeräusche, Hernien

Zusätzliche technische Untersuchungen

Technische Untersuchungen umfassen je nach Verdachtsdiagnose: Laborwerte, Sonographie des Bauchraums, Endoskopie, Röntgenuntersuchungen, Computertomographie (CT) der Leber, ERCP, MRCP, Laparoskopie, Angiographie

Therapie

Für die unterschiedlichen Ursachen von Bauchschmerzen sind ganz unterschiedliche Behandlungsmethoden zu wählen. Grundlage ist daher eine genaue Diagnostik.

Schmerzmittel (Analgetika) sollten erst nach bewusster Registrierung von Lokalisation und Stärke der Schmerzen und des Schmerztyps (viszeraler oder parietaler Schmerz?) angewendet werden. Ihre Wirkung kann eine spätere Diagnostik behindern und die Dringlichkeit einer eventuellen Intervention (z. B. Operation) falsch einschätzen lassen.

Zu beachten: Bei heftigsten Bauchschmerzen, die zu einer stationären Einweisung führen, kann eine parenterale Flüssigkeitszufuhr für erforderlich gehalten werden. Wenn sie Fruktose enthält, können im Fall, dass eine hereditäre Fruktoseintoleranz zugrunde liegt, die Bauchschmerzen sich unerträglich steigern und Unterzuckerungen mit Krämpfen und Bewusstlosigkeit ausgelöst werden! Also bei ungeklärten heftigen Bauchschmerzen solange keine fruktosehaltigen Lösungen verabreichen, bis eine hereditäre Fruktoseintoleranz ausgeschlossen ist.

Zur Therapie im Einzelnen siehe unter den Schmerzursachen.
Zu den Schmerzmitteln siehe hier.

 


→ Auf facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!
→ Verstehen und verwalten Sie Ihre Laborwerte mit der
Labor-App Blutwerte PRO!


Verweise

Medizinische Fachinformationen:

Patienteninfos

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).