Diagnostik bei Bauchschmerzen

Die Diagnostik bei Bauchschmerzen dient dazu, eine ursachengerechte Therapie zu finden. Bauchschmerzen sind oft vieldeutig. Die Behandlung hängt von der treffenden Diagnose ab. Welche Untersuchungen in der Lage sind, die Differenzialdiagnosen von Bauchschmerzen einzuengen oder ihre Ursache aufzuzeigen, wird im Folgenden beschrieben.

Fachinfos zu Bauchschmerzen


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Gang der Diagnostik

Um die Ursache von Bauchschmerzen herauszufinden, sind viele Informationen notwendig: Wann treten sie auf und wie lange halten sie an, wo im Bauchraum sind sie lokalisiert, wie heftig sind sie, welche Beschwerden begleiten sie, was führt zu ihrer Besserung, kommen sie wieder …? Diese Angaben aus einer sorgfältigen Anamnese (ärztliche Befragung) führen oft schon zu einer Hypothese.

Der körperliche Untersuchungsbefund engt die Möglichkeiten manchmal weiter ein, so dass sich eine Diagnose als Favorit herausschält. Sie bestimmt dann die entscheidende Untersuchung, die sie beweisen kann. Oft genug jedoch bleiben immer noch eine Reihe wichtiger Differenzialdiagnosen offen. Dann wird die Diagnostik durch technische Untersuchungen sehr aufwändig.

Die Krankheitsgeschichte (Anamnese)

Die Krankheitsgeschichte zielt auf die Beschreibung der Beschwerden, wobei häufig sehr differenziert gefragt werden muss, um zu einer Hypothese zu kommen oder sie wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher werden zu lassen. Beispiele sind

Ausführliches zur Anamnese und den Symptomen siehe hier.

Die körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung weist bereits auf wichtige Ursachen von Bauchschmerzen hin.

  • Ist der Bauch aufgetrieben und klingt er beim Beklopfen „hohl“, so sind viele Darmgase in ihm enthalten. Es kann sich um schmerzhafte Blähungen (Meteorismus) handeln.
  • Sind die Bauchschmerzen durch Druck auf die Bauchdecke auslösbar, so kann ihre Lokalisation wichtige Hinweise auf die Ursache geben:
    • rechter Oberbauch: es kommt eine Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) oder – perforation in Betracht; nach einer Schmerzattacke durch Gallensteine (Gallenkolik) kann sich die Gallenblase bei schlanken Menschen im rechten Oberbauch erkennbar vorwölben, und die Augen können gelb werden (Ikterus); auch können versetzte Winde im rechten Teil des Querdarms zu mehr oder weniger heftigen Bauchschmerzen dort führen,
    • rechter Unterbauch: es kommt eine Blinddarmentzündung oder – perforation und – bei Frauen – eine Adnexitis in Betracht,
    • linker Oberbauch: es kommt eine Magenerkrankung, so z. B. eine akute Magenschleimhautentzündung (akute Gastritis), ein Geschwür (Ulkus) des Magens oder Zwölffingerdarms), ein Magendurchbruch (Perforation) oder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) in Betracht,
    • linker Unterbauch: es kommt eine Divertikulitis (Entzündung von Darmtaschen) oder – bei Frauen – eine Adnexitis in Betracht,
    • oberer Mittelbauch: es kommt eine Erkrankung des Magens, Zwölffingerdarms oder der Bauchspeicheldrüse in Betracht,
    • mittlerer Oberbauch, unter dem Brustbein: es kommt eine Entzündung der unteren Speiseröhre bei Reflux von Magensaft (Refluxkrankheit) in Betracht.
  • Erkennt man einen Bruch in der Bauchwand (Hernie) z. B. am Nabel (Nabelbruch) oder in einer Leiste (Leistenbruch), so kann es sich, wenn er schmerzhaft ist, um eine eingeklemmte Hernie handeln.
  • Ist der Bauch angespannt, und lässt er sich vor Schmerzen nicht oder kaum eindrücken, so liegt wahrscheinlich eine Bauchfellreizung oder Bauchfellentzündung (Peritonitis) vor. Ursache ist meist eine starke Entzündung oder Perforation eines Organs (Gallenblase, Magen, Blinddarm, Dickdarm bei Divertikeln) oder eine Verletzung (z. B. der Leber oder Milz nach einem Unfall).
  • Spuren eines Heizkissens auf dem Mitteloberbauch sind oft hinweisend auf eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung.
  • Der Druck- und Loslassschmerz im rechten Unterbauch kann durch eine Blinddarmentzündung (Appendizitis) hervorgerufen sein.
  • Beim Abhören kann der Arzt feststellen, ob der Darm sehr stark arbeitet, oder ob er sich nicht oder kaum bewegt. So kann er feststellen, ob ein Darmverschluss droht oder vorliegt. Spritzende Darmgeräusche beispielsweise weisen auf eine Darmverengung hin (siehe hier), plätschernde Geräusche auf nachlassende Darmbewegungen (Subileus). Völlige Stille über mehrere Minuten ist für eine Darmlähmung (Ileus) typisch.
  • Beim Beklopfen des Bauchs kann der Arzt feststellen, ob versetzte Winde (Meteorismus) vorliegen, die für die Bauchbeschwerden verantwortlich sein können.
  • Manche Erkrankungen, die mit Bauchschmerzen einhergehen, können sich durch Symptome zu erkennen geben, wie die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) mit ihrem manchmal ihrer Harnflut oder den Spätkomplikationen oder die Porphyrie mit ihren Hauterscheinungen an den von der Sonne belichteten Stellen, auch Bauchschmerzen verursachen.

Bauchschmerzen ohne krankhaften klinischen Untersuchungsbefund

Manche Krankheiten mit Bauschmerzen als Hauptsymptom verursachen keine klinisch erkennbaren Symptome. So sind z. B. eine akute Magenschleimhautentzündung (Gastritis), eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz), eine Fruchtzuckerunverträglichkeit (Fruktoseintoleranz) oder eine Darmischämie durch klinische Untersuchung nicht erkennbar.