Diarrhö

Diarrhö bedeutet Durchfall, Durchfallerkrankung. Von Diarrhö wird gesprochen, wenn der Stuhl zu schnell kommt und zu häufig und zu flüssig ist. Eine Durchfallkrankheit ist durch mehr als 3 dünnflüssige Stühle pro Tag und einem Stuhlgewicht meist von mehr als 200 g chrakterisiert. Die Diarrhö ist abzugrenzen von der Pseudodiarrhö (s. u.) und der Stuhlinkontinenz (unfreiwilliger Stuhlabgang).


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Einteilung

Akuter und chronischer Durchfall

Die akute Durchfallkrankheit verläuft selbstlimitierend und dauert weniger als 3 Wochen, meist nur 1-3 Tage; die chronische dauert länger als 3 Wochen.

Pseudodiarrhö

Die Pseudodiarrhö lässt sich von der echten abgrenzen, wenn zwar häufige Stühle, aber ohne Konsistenzminderung engegeben werden. Sie kommt beispielsweise beim Colon irritabile (Reizdarm) und bei anorektalen Erkrankungen vor.

Steatorrhö

Als Steatorrhö wird schmieriger, fettiger Stuhl bezeichnet. Das Stuhlfett liegt > 7 g pro Tag. Sie kommt bei einer Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse vor, wie sie bei einer schweren Entzündung mit exokriner Pankreasinsuffizienz auftritt.

Osmotischer Durchfall

Die osmotische Durchfallkrankheit entsteht durch Übertritt osmotisch wirksamer Substanzen aus dem Dünndarm in den Dickdarm.

  • Beispiele: magnesiumhaltige Magenschutzpräparate oder Abführmittel, Polyäthylenglykol, Laktulose, Sorbit, Xylit, Acarbose.

Unzureichend verdaute Nahrungsbestandteile gelangen unresorbiert in den Dickdarm und nehmen ihr Lösungswasser mit, was ebenfalls zu Durchfällen führt.

Der osmotische Durchfall sistiert (stoppt) bei Nahrungskarenz. Die Natriumkonzentration im Stuhl ist gering (ca 30 mval/l).

Sekretorischer Durchfall

Sie sistiert nicht bei Nahrungskarenz. Die Natriumkonzentration im Stuhl liegt mit etwa 100 mval/l sehr viel höher, als bei der osmotischen Diarrhö.

Ursachen:

Differenzialdiagnostische Hinweise

Hinweise auf die Ursache oder die Einordnung der Diarrhö ergeben sich aus folgenden Informationen :

  • Stuhldrang aus dem Schlaf heraus spricht gegen eine funktionelle Ursache (das Reizdarmsyndrom kommt kaum noch in Frage).
  • Übel riechende Stühle sprechen für eine mangelhafte Eiweißverdauung und eine osmotische Diarrhö.
  • Persistierende Durchfälle unter Nahrungskarenz sprechen für eine sekretorische Komponente.
  • Sistieren der Durchfälle unter Nahrungskarenz spricht für eine rein osmotische Diarrhö.
  • Diarrhö nach potentiell verdorbener Nahrung (schlecht aufgetaute Tiefkühlkost, nicht abgekochtes Wasser, nicht gewaschenes Gemüse etc.) spricht für eine infektiöse Diarrhö (infektiöse Enteritis).
  • Durchfälle, die zusammen mit Zittrigkeit vorkommen, können durch eine Hyperthyreose bedingt sein.
  • Durchfälle, die unter antibiotischer Therapie auftreten, können als eine „Antibiotika-assoziierte Diarrhö“ einzuordnen sein, wozu auch die „Pseudomembranöse Kolitis“ gehört.
  • Durchfälle im Rahmen einer Reise sind meist selbstlimitierend, können jedoch zu gefählichem Flüssigkeits- und Elektrolytverlust führen. 1) 2015 Jan 6;313(1):71-80. doi: 10.1001/jama.2014.17006. Siehe hier.
  • Eine Clostridium-assoziierte Diarrhö ist deutet auf eine Abwehrschwäche (siehe hier). 2) 2019 Mar;8(1):87-103. doi: 10.1007/s40121-019-0231-8.

Differenzialdiagnostik

Folgende diagnostische Methoden können in Zweifelsfällen zur Klärung der Ursache einer Diarrhö beitragen:

  • Stuhlkultur auf pathogene Keime: sie wird bei einer akuten Diarrhö durchgeführt. Bei einer akuten Exacerbation einer chronisch entzündlichen Darmkrankheit können pathogene Darmbakterien eine akute Enteritis und zudem einen neuen Schub der Darmkrankheit auslösen.
  • Virusserologie auf Enteritis-auslösende Viren (z. B. Rotaviren, Noroviren): sie wird bei einer akuten Diarrhö durchgeführt.
  • Darmsonographie: sie kann Darmwandverdickungen erkennen lassen, die eher für eine chronische als für eine akute Darmerkrankung ohne chronische Vorerkrankung spricht.
  • Bestimmung des Clostridientoxins insbesondere wenn in der jüngeren Vorgeschichte eine antibiotische Therapie durchgeführt wurde (Diagnostik einer Clostridien-bedingten Enteritis)
  • Koloskopie: sie lässt Entzündungen am besten erkennen (Goldstandard), wird aber bei einer wahrscheinlich infektiösen akuten Diarrhö vermieden. Vorteil der Koloskopie ist die Möglichkeit einer Gewebeprobenentnahme (Biopsie der Darmschleimhaut).

Schwer behandelbare Diarrhö

Tumorbedingte Diarrhö:

  • Durchfall im Zusammenhang mit Chemotherapie, Strahlentherapie,
  • neuroendokrine Tumore,
  • Karzinoidsyndrom,
  • VIP-produzierende Tumore (vasoaktives intestinales Pplypeptid)

Nicht krebsbedingter Durchfall:

  • Kurzdarmsyndrom,
  • Ileo- und Jejunostomie,
  • Dumping-Syndrom,
  • Graft-versus-Host Krankheit (nach Knochenmarktransplantation)
  • AIDS-bedingter Durchfall

Bei diesen Durchfällen sind Therapieversuche mit Somatostatin, Oktreotid und anderen Analoga oft hilfreich. 3)Digestion. 1996;57 Suppl 1:107-13. DOI: 10.1159/000201412. PMID: 8813486.

Verweise

Fachinfos

Patienteninfos

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur

Literatur
1 2015 Jan 6;313(1):71-80. doi: 10.1001/jama.2014.17006.
2 2019 Mar;8(1):87-103. doi: 10.1007/s40121-019-0231-8.
3 Digestion. 1996;57 Suppl 1:107-13. DOI: 10.1159/000201412. PMID: 8813486.