Gastrinom

Entstehung, Beschwerden, Diagnostik, Therapie

Das Gastrinom ist ein Gastrin produzierender neuroendokriner Tumor, der für das Zollinger-Ellison-Syndrom (ZES) verantwortlich ist.

Häufigkeit

Die Inzidenz des Gastrinoms ist sehr gering; sie ist nicht genau bekannt. Das Zollinger-Ellison-Syndrom soll für weniger als 1% der Duodenalulzera verantwortlich sein.

Pathophysiologie

Gastrin ist ein Hormon der Magenschleimhaut, das wird hauptsächlich im Antrum gebildet wird. Es trägt wesentlich zur Säurestimulation des Magens bei und ist ein Wachstumsfaktor für die Schleimhaut. Beim Gastrinom erhöht sich daher die Masse der Parietalzellen und damit die Kapazität zur Säurebildung erheblich. Die übermäßige und ständige Säurebildung führt zur rezidivierenden Entstehung von Ulzera ventrikuli und duodeni, manchmal auch jejuni. Tiefsitzende Ulzera kommen zustande, wenn die Neutralisationskapazität des Duodenums nicht ausreicht. Die mangelhafte Neutralisation des in den Dünndarm gelangenden Mageninhalts führt zu einer verschlechterten Verdauung und Resorption der Nahrung. Osmotisch wirksame Produkte des unvollständigen Nahrungsabbaus kommen in das Kolon und verursachen eine Diarrhö. Zudem kann die Säure die Pankreasenzyme inaktivieren, was zu einer Steatorrhö führt. Die unzureichende Ausnutzung der Speisen führt in einigen Fällen zur Malnutrition und zu Vitaminmangelzuständen.

In Gastrinomen werden auch andere Hormone wie Parathormon, ADH (antidiuretisches Hormon), VIP (vasoaktives intestinales Polypeptid) oder Glukagon gebildet. In 30% findet man eine ACTH-Sekretion (adrenocortikotropes Hormon). Dies sind Hormone, die man in neuroendokrinen Tumoren häufig findet.

Lokalisation

Gastrinome sind meistens in der Duodenalwand (> 50%, Submukosa) und im Pankreaskopf und lokalisiert (Gastrinomdreieck) und häufig multifokal. Sie können sehr klein sein, so daß sie mit bildgebenden Verfahren nicht erkannt werden. Wenn sie diagnostiziert werden, sind sie bereits in ca 2/3 der Fälle maligne. In 1/4 der Fälle bestehen Lebermetastasen.

Klinik

Die klinische Erscheinungsform des Gastrinoms ist das Zollinger-Ellison-Syndrom (ZES). Folgende Symptome können sich finden :

  • peptische Geschwüre (95%), häufig multipel und schlecht heilend, häufig besonders tief im Duodenum oder Jejunum lokalisiert, häufig besonders groß,
  • saurer gastroösophagealer Reflux mit Dysphagie (60%),
  • Malnutrition und Vitaminmangel und ihre Folgen

Das Gastrinom kann im Rahmen einer multiplen endokrinen Neoplasie auftreten (MEN Typ 1). Es muß daher auch nach anderen endokrin aktiven Tumoren (Tumore der Nebenschilddrüse mit HPT und Hypophysen-Prolaktinome) gesucht werden.

Diagnostik

An ein Zollinger-Ellison-Syndrom muß gedacht werden

  • bei rezidivierenden, multiplen, besonders großen oder schlecht heilenden Geschwüren, besonders wenn sie tief im Duodenum oder Jejunum lokalisiert sind,
  • bei gastroskopisch erkennbarer erheblicher Hypersekretion.

Gastrinbestimmung: die Gastrinbestimmung erfolgt in einer PPI-Pause. Die Werte beim Gastrinom liegen typischerweise weit über 1000 pg/ml. (Neben hormonell aktiven Formen des Gastrins werden beim Gastrinom große Mengen inaktiver Formen sezerniert, die immunreaktiv sind und beim Gastrin-Test mitbestimmt werden.)

Provokationstest bei Patienten ohne starke Hypergastrinämie: Eine Sekretin-Injektion führt beim ZES zu einer dramatischen Erhöhung des Serum-Gastrins, nicht dagegen beim Gesunden.

Lokalisationsdiagnostik: Sonographie, Endosonographie, CT, MRT zur Diagnostik des Primärtumors und von Metastasen

Therapie

Wenn keine Metastasierung vorliegt, sollte eine gezielte Resektion des Tumors oder – wenn eine Lokalisation nicht gelingt (10%) – des Gastrinomdreiecks erwogen werden, da dort > 95% der Gastrinome lokalisiert sind. Ziel ist die Verhinderung einer Malignomentstehung. Gleichzeitig wird die Gastrinproduktion normalisiert.

Wenn keine Operabilität vorliegt, kann mit ausreichend hoher Medikation von Protonenpumpenblockern (PPI) die Säuresekretion und damit die Symptomatik effektiv unterdrückt werden.

Prognose

Die Überlebenswahrscheinlichkeit ist abhängig von der Metastasierung. Metastasen in Lymphknoten scheinen keinen wesentlichen Einfluss auf das Überleben zu haben (5-Jahresüberlebensrate von 90%). Lebermetastasen bedeuten eine Verschlechterung der Prognose (5-Jahresüberlebensrate von 25%).

Verweise

Patienteninfos

Literatur

  • Dtsch Med Wochenschr 2003; 128: S81-S83