Morbus Crohn – einfach erklärt

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft
Der Morbus Crohn ist eine seltene chronisch entzündliche Darmkrankheit, die im gesamten Magendarmtrakt, vor allem aber im unteren Dünndarm auftritt und zu Komplikationen auch an anderen Organen führt. Die Seite „Morbus Crohn – einfach erklärt“ macht diese Darmkrankheit verständlich.

INHALT:  Allgemeines  –  Erkrankungsalter  –  Entstehung  –  Genetik  –  Auslöser  –  Beschwerden  –  Diagnostik  –  Verlaufsformen  –  Komplikationen  –  Extraintestinale Manifestationen  –  Schwangerschaft  –  Behandlung

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Allgemeines

Röntgen-Darstellung des Dünndarms bei Morbus Crohn
Röntgen-Darstellung des Dünndarms. Das Kontrastmittel (weiß) passiert den Dünndarm, kann aber eine lange, sehr enge Stelle im rechten Mittelbauch (im Bild links) kaum überwinden. Sie ist durch eine chronische Entzündung verschwollen. Vor der Verengung staut sich der Darminhalt, so dass sich der Darm erweitert (prästenotische Dilatation).

Die Erkrankung beginnt zumeist im unteren Bereich des Dünndarms, im „terminalen Ileum“. Sie kann aber überall im Magendarmkanal auftreten. Besonders gefürchtet sind die Komplikationen, unter denen eine Darmverengung, die zum Darmverschluss (Ileus) führen kann, besonders dramatisch werden kann. Komplikationen an anderen Organen, wie der Haut, den Gelenken oder den Augen können ebenfalls auftreten. Beide Geschlechter sind etwa gleich betroffen.

Es gibt verschiedene Verlaufsformen von leicht bis schwer und komplikationsreich. Die Erfahrungen des einen Patienten stimmen daher oft nicht mit denen eines anderen überein. Jeder Schweregrad und jede Komplikation bedarf einer anderen, angepassten Therapie.

Neuere Erkenntnisse besagen, dass das Immunsystem und die Darmflora (das Mikrobiom des Darms) entscheidende Rollen für die Entstehung und für die heutigen therapeutischen Überlegungen spielen.

Erkrankungsalter

Das Erkrankungsalter liegt in etwa der Hälfte der Fälle unter 35 Jahren. Ein zweiter kleiner Erkrankungsgipfel liegt bei etwa 60 Jahren.

Entstehung

Die genaue Ursache des Morbus Crohn ist nicht bekannt. Zwei Hauptfaktoren kristallisieren sich heraus: Genetik und Darmbakterien.

Es handelt sich um eine gestörte Auseinandersetzung

  • der Darmschleimhaut, die über ihr Abwehrsystem abnorm entzündlich reagiert,
  • mit Bakterien des Darmlumens (Darmflora), deren Zusammensetzung abnorm verändert ist.

Es entwickelt sich eine erhöhte Entzündungsreaktion, die zu einer Verdickung der Darmwand und zur Bildung von kleinen Eiterbeulen (Abszesse) und von Fistelgängen führt. Die krankhaft übersteigerte Reaktionsbereitschaft ist genetisch verankert. Inzwischen sind Veränderungen an verschiedenen Stellen des Erbguts bekannt geworden.

Die Zusammensetzung der Bakterienflora des Darms (Mikrobiom) spielt eine bedeutende Rolle bei der Entstehung der Crohn-Krankheit, denn sie beeinflusst die atypische Reaktion der Darmschleimhaut entscheidend mit. Das Mikrobiom im Darm wiederum wird durch die Art der Ernährung mitbestimmt. Die Ernährung tritt daher bei Überlegungen zur Behandlung des Morbus Crohn (s. u.) in den Vordergrund. Auch Antibiotika beeinflussen die Darmflora. So ist es nicht verwunderlich, dass sie das Risiko für die Entwicklung eines Morbus Crohn deutlich erhöhen.

Genetik

Da die Bereitschaft für eine Crohn-Krankheit genetisch verankert ist, steigt das Risiko für die Entstehung eines Morbus Crohn deutlich, wenn ein naher Blutsverwandter ebenfalls an dieser Krankheit oder an der Colitis ulcerosa, einer verwandten chronisch entzündlichen Darmkrankheit, leidet.

Auslöser

Bei entsprechender genetischer Veranlagung kann die Crohn-Krankheit ausgelöst werden durch:

Beschwerden

Der Morbus Crohn beginnt meist schleichend. Viele Symptome wie vermehrte Müdigkeit und Blähungen (Flatulenz) sind sehr unspezifisch und veranlassen noch nicht die für notwendige Diagnostik.

Die Art und Ausprägung der Symptome hängt von der Lokalisation und Ausdehnung der Entzündung ab.

Folgende Symptome im jungen Alter lassen an eine Crohn-Krankheit denken, speziell wenn Familienmitglieder ebenfalls Darmprobleme haben.

  • Durchfälle: Wenn die Krankheit den Dickdarm betrifft (Colitis Crohn), können auch bei noch geringem Befall schon frühzeitig Symptome wie Bauchbeschwerden und Durchfälle auftreten.
  • Bauchkrämpfe: Wenn die Krankheit im Dünndarm beginnt, so kann sie lange symptomlos bleiben. Oft kommt es erst dann zu Beschwerden, wenn sich durch die chronische Entzündung eine Verengung (Stenose) bildet, so dass heftige Bauchkrämpfe entstehen.
  • Schmieren am Darmausgang: Eine seltene, aber sehr unangenehme Lokalisation ist der Darmausgang. Hier bilden sich oft Fisteln, die ständig nässen und beim Stuhlgang Schmerzen verursachen.
  • Gelenkschmerzen: Manchmal treten Gelenkbeschwerden oder Kreuzschmerzen sehr früh auf; sie können die Entzündung im Darm schon dann begleiten, wenn der Darm noch keine Beschwerden verursacht.

Diagnostik

Wenn der Verdacht auf einen Morbus Crohn im Raume steht, so wird folgendermaßen vorgegangen:

  • Anamnese (Erfragung der Vorgeschichte): Der Verdacht auf einen Morbus Crohn kommt auf, wenn eine familiäre Belastung vorliegt, der Patient noch jung ist und eine typische Symptomatik, wie häufige Bauchkrämpfe oder Durchfälle, die nicht von selbst wieder verschwinden, auftreten. Für den Verdacht müssen nicht alle Kriterien vorliegen.
  • Körperliche Untersuchung: Eine Untersuchung des Bauchs kann verschiedene Befunde ergeben: in einem frühen Stadium kann der Bauch weich, eindrückbar und ohne Resistenzen sein. Bei Durchfällen, können krankhafte Darmgeräusche hörbar sein. In späteren Stadien können Resistenzen tastbar sein, die auf einen Tumor hindeuten (erst einmal ohne Wertung, ob gut- oder bösartig).
  • Ultraschalluntersuchung des Bauchraums (Sonographie): Sie lässt gegebenenfalls Veränderungen an den großen Bauchorganen und solide Gewebsmassen erkennen. Am Darm werden Segmente mit einer verdickten und vermehrt durchbluteten Darmwand gesucht (siehe unter Darmsonographie). Sind sie zu finden, deuten sie schon recht gut auf einen Morbus Crohn als Ursache.
  • Dickdarmspiegelung (Koloskopie, bzw. Ileokoloskopie): Mit ihr lassen sich die typischerweise vereinzelt liegenden kleinen Entzündungsherde im Dickdarm und im untersten Teil das Dünndarms (terminales Ileum) gut erkennen. Sind die Geschwüre noch sehr flach und klein, können sie mit keiner anderen diagnostischen Methode so gut erkannt werden. Die Koloskopie ermöglicht eine gezielte Entnahme von Gewebeproben für eine mikroskopische Untersuchung, welche die Diagnose meist sichert. In seltenen Fällen bleibt eine Unsicherheit: es handelt sich dann um eine Colitis indeterminata.
    Siehe auch Morbus Crohn in Bildern.
  • Dünndarmuntersuchungen: Zur Untersuchung des Dünndarms auf einen Crohn-Befall kommen primär die Magenspiegelung (Gastroskopie) und die Dickdarmspiegelung (Koloskopie) in Frage. Sind jedoch auch Herde in dem mit diesen Methoden nicht erreichbaren Bereich des Dünndarms zu diagnostizieren, dann kommen weitere Untersuchungsmethoden in Frage, wie die Enteroskopie, Kapselendoskopie, Sellink-Untersuchung oder der MR-Sellink. Die Kapselendoskopie kommt jedoch nur in Betracht, wenn zuvor eine kritische Darmverengung sicher genug ausgeschlossen worden ist, in der die Kapsel stecken bleiben und einen akuten Darmverschluss (Ileus) verursachen kann.
  • Besondere Untersuchungen: Konzentriert sich die Diagnose auf einen Morbus Crohn, so werden auch immunologische Parameter im Blut bestimmt. Zu ihnen gehören ANA und ANCA. Sind weitere Organe mitbeteiligt, wie die Haut, die Leber oder Gelenke, so sind weitere Laborwerte und eventuell bildgebende Untersuchungen und eine konsiliarische Mitbetreuungen durch Ärzte anderer Fachrichtungen angezeigt.

Mikroskopie

Gewebeproben, die bei einer Spiegelung aus dem Magendarmkanal an den entzündeten Stellen entnommen wurden (Biopsie), ergibt eine Untersuchung unter dem Mikroskop (Histologie) typischerweise eine sog. „granulomatöse Entzündung“, wobei die Darmwand in ihrer gesamten Dicke einbezogen ist. Es werden Ansammlungen von Entzündungszellen (Granulome) gesucht, die bestimmte typische Zellen und Zellformationen aufweisen und stark für die Diagnose eines Morbus Crohn sprechen. Sie sind allerdings nicht in jeder Gewebeprobe nachweisbar, so dass eine einzelne Histologie nicht immer zur Klärung beiträgt.

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