Anämie

Anämie bedeutet Blutarmut. Ihre Ursachen wie auch ihre Auswirkungen sind von erheblicher Bedeutung für den Verlauf und die Therapie vieler körperlicher Krankheiten, wie auch für Leistungsfähigkeit, Aufmerksamkeit und psychisches Befinden. Der Klärung der Ursache einer Blutarmut kommt eine hohe Bedeutung zu.

→ Patienteninfos zur Blutarmut siehe hier.


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Das Wichtigste verständlich

Kurzgefasst
Anämie (Blutarmut) ist durch eine Verminderung der Konzentration der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) bzw. des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) im Blut definiert.

Ursachen können sein

  • eine Verminderung der Neubildung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) und ihres Blutfarbstoffs Hämoglobin,
  • ein beschleunigter Verlust bzw. Abbau der roten Blutkörperchen
  • eine Kombination der verschiedenen Ursachen.

Eine Blutarmut, bei der eine Blutung nicht gleich als Ursache offensichtlich ist, muss an eine verborgene Blutungsquelle, chronische Entzündung, Knochenmarkskrankheit und Krebs denken lassen.

Laborwerte tragen wesentlich zur Erkennung der Ursache bei.

  • Sind die roten Blutkörperchen kleiner als normal, handelt es sich um eine mikrozytäre Anämie (MCV erniedrigt). Die Erythrozyten enthalten meist auch zu wenig roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) (hypochrome mikrozytäre Anämie). Diese Kombination deutet auf einen Eisenmangel. Er ist in der Regel bedingt
    • durch eine Störung der Eisenaufnahme im Darm (z. B. bei einer Coeliakie) oder
    • durch eine Blutung. Ist eine Blutung nicht erkennbar, muss nach einer verborgenen Blutungsgesucht werden (siehe unter okkulte Blutung).
  • Sind die Blutkörperchen größer als normal, handelt es sich um eine makrozytäre Anämie (MCV erhöht). Dies deutet auf einen Vitamin-B12-Mangel, meist im Rahmen einer besonderen Form einer chronischen Magenentzündung (Typ-A-Gastritis). Die Erythrozyten enthalten in der Regel zu viel Hämoglobin (hyperchrome Anämie).

Die Auswirkungen einer Blutarmut hängen von ihrer Ausprägung ab. Je höhergradiger sie ist, desto stärker sind auch Schlappheit, Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und Atemnot ausgeprägt; desto stärker lässt auch die Konzentrationsfähigkeit nach.

Die Diagnostik beginnt mit einer ausführlichen Befragung (Anamnese) und den Laborwerten (speziell dem Blutbild) und kann eine Suche nach einer verborgenen (okkulten) Blutung, einer chronischen Entzündung oder einem Krebs beinhalten (siehe hier).

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache (siehe hier). Bei einer ausgeprägten Blutarmut können Bluttransfusionen erforderlich werden.

→ Patienteninfos zur Blutarmut siehe hier.

Definition

Die Blutarmut ist definiert über den verminderten Hämatokrit oder die verminderte Menge an Hämoglobin im Blut.

Untere Grenzwerte

  • Hämoglobingehalt
    • Männer 13 g/dl
    • Frauen 12 g/dl
  • Hämatokrit
    • Männer 42 %
    • Frauen 38 %

Werte unterhalb dieser Grenzen begründen die Diagnose einer Blutarmut. Allerdings sollte eine vorübergehende Verdünnung des Bluts durch hohe Flüssigkeitszufuhr oder eingeschränkte Ausscheidung berücksichtigt werden, so dass Kontrolluntersuchungen erforderlich werden können.


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Ursachen

Ursache einer Blutarmut ist das Überwiegen von Abbau bzw. Verlust über die Neubildung von Erythrozyten bzw. Hämoglobin. Normalerweise wird täglich soviel an roten Blutkörperchen nachgebildet, dass der normale Verlust durch Alterung und Sequestrierung ausgeglichen wird. Auch ein geringer erhöhter Verlust kann in der Regel durch die Überschusskapazität des Knochenmarks abgefangen werden.

Die Aktivität der Nachbildung roter Blutkörperchen erkennt man an der Zahl der Retikulozyten (junge Erythrozyten mit Resten von Kernmaterial). Die Retikulozytenzahl beträgt bei normaler mittlerer Lebenszeit der Erythrozyten von 100-120 Tagen um 10-12 pro 1000 Erythrozyten (siehe hier).

Eine Bildungsstörung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) ist durch zwei Hauptursachen bedingt:

Eine verkürzte Lebenszeit der Erythrozyten erfordert eine ständig erhöhte Nachproduktion, was die Kapazität des Knochenmarks erschöpfen kann, so dass es auf Dauer zu einer Anämie kommt. Ursachen sind

  • eine Hämolyse, d.h. ein erhöhter Zerfall der Erythrozyten im Blut mit verkürzter Lebenszeit, und
  • ein akuter oder chronischer Blutverlust, gegen den das Knochenmark nicht ankommt. Ein wesentlicher Grund hierbei ist der blutungsbedingte Verlust von Eisen, welches zur Nachproduktion des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin benötigt wird. Mehr dazu siehe unter Blutungsanämie.

Einteilung nach Häufigkeit

Folgende Hauptformen einer Blutarmut lassen sich unterscheiden:

Hyperchrome makrozytäre Anämie

Ursachen können sein

Mehr zur hyperchromen makrozytären Anämie siehe hier.

Hypochrome mikrozytäre Anämie

Ursachen können sein

  • ein Blutverlust (gastrointestinale Blutung, gynäkologische Blutung, sonstige Blutverluste, auch zu häufige Aderlässe),
  • ein Eisenmangel durch Eisenresorptionsstörung (beispielsweise bei einer Dünndarmkrankheit wie der Sprue, dem Morbus Whipple oder dem Kurzdarmsyndrom) oder
  • eine Eisenverwertungsstörung (beispielsweise bei einer Knochenmarkskrankheit oder einem Tumorleiden).

Mehr zur hypochromen mikrozytären Anämie siehe unter Blutungsanämie, Mikrozytäre Anämie und Eisenmangelanämie.

Normochrome normozytäre Anämie

Eine Blutarmut ohne Veränderung der Größe und des Hämoglobingehalts der Erythrozyten kommt kurz nach einer großen Blutung zustande, wenn Flüssigkeit in das Blutgefäßsystem einströmt und das Blut verdünnt oder nach einer Flüssigkeitsinfusion.

Eine Blutarmut mit normochromen normozytären Erythrozyten kann auch durch eine Kombination einer mikrozytären und hypochromen Eisenmangelanämie und einer makrozytären und hyperchromen perniziösen Anämie als Mischbild entstehen.

Zur Diagnostik und Therapie bitte weiterblättern.