Chronische Nierenkrankheiten

Chronische Nierenkrankheiten (chronic kidney disease, CKD) sind dadurch definiert, dass sie mehr als 3 Monate anhalten, und dass organische bzw. histologische Veränderungen und eine Fehlfunktion nachweisbar sind 1)World J Nephrol. 2016 May 6; 5(3): 233–257. Die Häufigkeit (Prävalenz) in der westlichen Bevölkerung hat zusammen mit dem Diabetes Typ 2 und der Adipositas erheblich zugenommen; die Prävalenz in den USA lag 2008 bei 13% 2)Postgrad Med. 2008 Jul 31;120(2):E01-6. doi: 10.3810/pgm.2008.07.1798..


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Ursachen einer chronischen Nierenkrankheit

Zu den chronischen Nierenkrankheiten gehören

  • die chronische Glomerulonephritis inkl. der autoimmunologische bedingten Nierenkrankheiten beim Morbus Wegener und dem Lupus erythematodes,
  • die chronische Pyelonephritis,
  • die Amyloidose der Nieren,
  • seltene angeborene Erkrankungen der Nieren, wie
    • Zystennieren bzw. polyzystische Nierenkrankheit,
    • das Alport-Syndrom,
    • seltene Stoffwechselkrankheiten, die sich an den Nieren manifestieren, wie das De-Toni-Fanconi-Syndrom oder der Phosphatdiabetes mit Nephrokalzinose.

Die häufigsten Ursachen sind

Komplikationen einer chronischen Nierenkrankheit

Chronische Nierenkrankheiten führen zu einer renalen Funktionsstörung und in der Regel zur Niereninsuffizienz und Dialysepflichtigkeit. Sie sind zudem mit einer Dyslipidämie (speziell einer Hypertriglyceridämie, nicht einer Hypercholesterinämie 3)Med Arch. 2016 Jun; 70(3): 191–192. ) und einem erhöhten Risiko einer Hypertonie und einer koronaren Herzkrankheit verbunden. Insofern sollten chronische Nierenkrankheiten frühzeitig diagnostiziert, behandelt und regelmäßig kontrolliert werden.

Stadien

Die Stadien der chronischen Nierenkrankheiten werden unabhängig von ihrer Ursache durch die glomeruläre Filtrationsrate (GFR, z. B. gemessen als Kreatinin-Clearance) festgelegt 4)Clin Pharmacol. 2016; 8: 61–81.

Stadium der
chronischen
Nierenkrankheit
Glomeruläre
Filtrationsrate
(GFR  in ml/min/1.73 m2)
Beurteilung der
Filtrationsrate
1 ≥90 Normal oder hoch
2 60–89 Gering erniedrigt
3a 45–59 gering bis mäßig erniedrigt
3b 30–44 mäßig bis stark erniedrigt
4 15–29 stark erniedrigt
5 <15 Nierenversagen

Diagnostik

Chronische Nierenkrankheiten werden meist erkannt durch eine

  • Urinuntersuchung: Entdeckung einer Proteinurie (vermehrte Ausscheidung von Eiweiß) z. B. im Rahmen einer Routineuntersuchung des Urins, durch eine Nachkontrolle des Urins nach akutem Harmwegsinfekt, oder durch auffällig schäumenden Urin, der daraufhin gezielt untersucht wird,
  • Sonographie (Ultraschalluntersuchung) der Nieren: z. B. im Rahmen einer Routineuntersuchung, zur Abklärung eines auffälligen Urinbefundes oder von Flankenschmerzen oder bei einer Tumorsuche etc: Nachweis einer Verschmälerung des Nierenparenchyms und/oder einer Verkleinerung der Nieren.

Die Differenzierung der chronischen Nierenkrankheit erfolgt durch Spezialuntersuchungen (siehe hier).

Praktische Empfehlung zur Früherkennung

Wegen der Zunahme der Häufigkeit wird empfohlen, in der hausärztlichen Ambulanz Menschen folgender Risikogruppen regelmäßig auf eine chronische Nierenkrankheit hin zu untersuchen 5)Postgrad Med. 2008 Jul 31;120(2):E01-6:

Zum Screening wird empfohlen 6)Postgrad Med. 2008 Jul 31;120(2):E01-6:

Therapie

Chronischen Nierenkrankheit in den Stadien 1-3 profitieren am ehesten von ACE-Hemmern und Angiotensin II-Rezeptor-Blockern 7)Ann Intern Med. 2012 Apr 17;156(8):570-81. Begleitende Komplikationen und Miterkrankungen anderer Organsysteme führen oft zu komplexen Therapieüberlegungen: Beta-Blocker und Statine können beispielsweise die Mortalität und kardiovaskuläre Ereignisse im Verleich zu Placebo reduzieren; die Risiken für Mortalität, Niereninsuffizienz im Endstadium und anderen klinischen Ereignissen unterscheidet sich nicht wesentlich zwischen der üblichen und besonders strenger Blutdruckkontrolle 8)Ann Intern Med. 2012 Apr 17;156(8):570-81. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes verbessert eine besonders intensive Blutzuckereinstellung und Senkung der Blutfette nicht das klinische Outcome (Überleben); ebenfalls ist es nicht bewiesen, dass eine Verbesserung der Albuminurie, die sich therapeutisch erreichen lässt, auch zu einer klinischen Verbesserung und Lebensverlängerung führt 9)Am J Kidney Dis. 2012 Nov;60(5):747-69.

Soja-haltige Kost hat sich in bisherigen Untersuchungen als protektiv bezüglich einer Nierenschädigung bei verschiedenen Nierenkrankheiten erwiesen. Dafür werden Sojaproteine, insbesondere Genistein und andere Isoflavone, verantwortlich gemacht 10)Mediators Inflamm. 2013; 2013: 510212. Published online 2013 Apr 29. doi: 10.1155/2013/510212, die das Plasma-Cholesterin (LDL-Cholesterin) und die Neutralfette (Triglyceride) senken, den Antioxidationsstatus erhöhen und systemische Entzündungsmediatoren hemmen 11)World J Nephrol. 2016 May 6; 5(3): 233–257 12)Eur J Clin Nutr. 2014 Sep; 68(9):987-93. Wenn Fleischprotein durch Protein aus Soja ersetzt wird, reduziert sich die Protein-bedingte Hyperfiltration und die Albuminausscheidung im Urin 13)Asia Pac J Clin Nutr. 2008;17 Suppl 1:324-8. Allerdings zeigen nicht alle Studien einen positiven nephroprotektiven Effekt 14)Am J Clin Nutr. 1998 Dec;68(6 Suppl):1347S-1353S, so dass weitere Untersuchungen klären müssen.

Zur Therapie höhergradiger Stadien von chronischen Nierenkrankheiten siehe unter Niereninsuffizienz. Zur Therapie spezieller chronischer Nierenkrankheiten siehe dort.

→ Zu Nierenersatzverfahren siehe hier.

Verweise


Literatur   [ + ]

1, 11. World J Nephrol. 2016 May 6; 5(3): 233–257
2. Postgrad Med. 2008 Jul 31;120(2):E01-6. doi: 10.3810/pgm.2008.07.1798.
3. Med Arch. 2016 Jun; 70(3): 191–192.
4. Clin Pharmacol. 2016; 8: 61–81
5, 6. Postgrad Med. 2008 Jul 31;120(2):E01-6
7, 8. Ann Intern Med. 2012 Apr 17;156(8):570-81
9. Am J Kidney Dis. 2012 Nov;60(5):747-69
10. Mediators Inflamm. 2013; 2013: 510212. Published online 2013 Apr 29. doi: 10.1155/2013/510212
12. Eur J Clin Nutr. 2014 Sep; 68(9):987-93
13. Asia Pac J Clin Nutr. 2008;17 Suppl 1:324-8
14. Am J Clin Nutr. 1998 Dec;68(6 Suppl):1347S-1353S