Juckreiz bei Cholestase

Generalisierter Juckreiz bei Cholestase (Gallestau im Körper) ist ein häufiges und oft äußerst belastendes Symptom. Unter ihm klagen besonders Patienten mit einer


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Therapeutische Ansätze

Als Ursache von generalisiertem Juckreiz (Pruritus) wurden lange Zeit Gallensäuren vermutet; dies wurde aber später in Zweifel gezogen. Dennoch wirken bei einigen Erkrankungen mit Juckreiz Behandlungen günstg, die auf eine veränderte Gallensäurezusammensetzung gerichtet sind. Auch endogene Opioide wurden als pathogenetische Faktoren des Juckreizes diskutiert [2], was die positive Wirkung von Naltrexon und Gabapentin bei bestimmten Krankheiten erklärt.

Cholestyramin hat sich als nicht sehr effektiv herausgestellt.

Ursodesoxycholsäure (Urso) führt bei der intrahepatischen Schwangerschaftscholestase dagegen in etwa 2/3 der Fälle zu einer Verminderung des Juckreizes [1].

Naltrexon ist ein Opioid-Rezeptor-Antagonist, der bei Patienten mit cholestatischer Lebererkrankung bereits 1997 untersucht wurde. In einer Doppelblindstudie wurde mit einer relativ hohen Dosis von 50 mg eine signifikante Besserung des Juckreizes festgestellt, allerdings gab es auch deutliche Nebenwirkungen [4]. Ein positiver Effekt hat sich seither immer wieder bestätigt [5]. Bei anderen Indikationen wurden low-dose-Medikationen erfolgreich gegen Juckreiz verwendet. [3]

Gabapentin gehört zu den Antikonvulsiva und wird auch zur Therapie des neuropathischen Schmerzes eingesetzt. Es erhöht den Schwellenwert für Schmerz im Zentralnervensystem. In einer Studie an Patienten mit chronisch cholestatischen Leberkrankheiten und Juckreiz, in der geprüft wurde, ob auch der Schwellenwert für Juckreiz angehoben wird, fand sich kein therapeutischer Erfolg; im Gegenteil, es erhöhte sich die Kratzaktivität [6].

Plasmapherese als Notfallmaßnahme

Bei schwerstem, sonst nicht behandelbarem Pruritus bei der PBC wurde bei Patientinnen in der frühen Schwangerschaft, in der schädigende Medikamente vermieden werden müssen, erfolgreich eine Plasmapherese durchgeführt [7].

Neue Entwicklungen

Nach neueren Erkenntnissen scheint eine erhöhte Konzentration von Lysophosphatidylsäure LPA (lysophosphatidic acid) im Serum von Patienten mit Cholestase eine Rolle zu spielen. Sie wird über LPA-Rezeptoren in neuronale Zellen aufgenommen und ruft im Tierversuch Juckreiz hervor. Ursache ist offenbar eine erhöhte Aktivität von Autotaxin, einem Enzym, welches die Bildung von LPA aus Lysophosphatidylcholine katalysiert. Möglicherweise bietet sich hier ein Ansatz für die Entwicklung einer Therapie [8][9]. Autotaxin-Inhibitoren, die von besonderem Interesse sind, werden von der pharmazeutischen Industrie entwickelt [10]. 1) 2010 Sep;139(3):1008-18, 1018.e1. doi: 10.1053/j.gastro.2010.05.009. 2) 2016 Apr;62(4):530-5. doi: 10.1097/MPG.0000000000001044. Studien müssen abgewartet werden, speziell auch wegen der möglicherweise erwartbaren Nebenwirkungen, da auch andere Systeme wie das Gerinnungssystem [11] durch Autotaxine beeinflusst werden.

Verweise

Literatur

  1. ? Gastroenterology. 2005 Sep;129(3):894-901
  2. ? Clin Res Hepatol Gastroenterol. 2011 Feb;35(2):89-97
  3. ? Int J Rheumatol. 2011;2011:804296. Epub 2011 Sep 12.
  4. ? Gastroenterology. 1997 Oct;113(4):1264-9
  5. ? World J Gastroenterol. 2006 Feb 21;12(7):1125-8
  6. ? Hepatology. 2006 Nov;44(5):1317-23
  7. ? Can J Gastroenterol. 2008 May;22(5):505-7
  8. ? Gastroenterology. 2010 Sep;139(3):1008-18
  9. ? Hepatology. 2012 Apr 2. doi: 10.1002/hep.25748.
  10. ? Chem Rev. 2012 May 9; 112(5): 2593–2603
  11. ? J Biol Chem. 2009 Mar 13;284(11):7385-94


Literatur   [ + ]

1. 2010 Sep;139(3):1008-18, 1018.e1. doi: 10.1053/j.gastro.2010.05.009.
2. 2016 Apr;62(4):530-5. doi: 10.1097/MPG.0000000000001044.