Tachykardie

Tachykardie bedeutet schneller Herzschlag. Ein schneller und zudem völlig unrhythmischer Herzschlag wird als Tachyarrhythmie bezeichnet (siehe hier).

Das Wichtigste

Kurzgefasst
Tachykardie (rascher Herzschlag) ist keine per se krankhafte Herzfunktion. Vielmehr ist sie die natürliche Reaktion auf eine körperliche Belastung. Bereits bei einer erwartbaren körperlichen Höchstleistung kommt durch die eintretende Aufregung eine Tachykardie zustande. Maßgeblich daran beteiligt ist der „Sympathicus“. Ist dagegen die Ruhefrequenz deutlich erhöht oder kommt es unter Belastung zu einer inadäquaten Herzbeschleunigung, so muss nach einer Krankheitsursache gesucht werden. Da es viele sehr unterschiedliche Ursachen gibt, ist die Diagnostik u. U. umfangreich und reicht von einer genauen Herzdiagnostik über die Suche nach einer Infektionskrankheit, einem Tumor oder einer Hormonkrankheit bis hin zur Abklärung eine psychischen Ursache oder einer Angstkrankheit.

Patienteninfos dazu siehe hier.


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Definition

Was als Tachykardie angesehen werden muss, ist individuell sehr unterschiedlich. In der Regel werden Herzfrequenzen über 90/Minute als tachykard bezeichnet. Menschen, die jedoch einen Ruhepuls von 50-60/Minute haben, empfinden eine Ruhefrequenz von 70 bereits als unnormal schnell.

Physiologie und Pathophysiologie

Die Herzfrequenz wird unter normalen Bedingungen durch den Sinusknoten im rechten Vorhof des Herzens vorgegeben. Er generiert rhythmische elektrische Impulse, die über die Muskulatur der Vorhöfe zum Reizleitungssystem geleitet werden, von wo sie sich in den Herzkammern ausbreiten und eine Kontraktion auslösen. Der Sinusknoten fungiert damit als endogener Schrittmacher. Er wird zentral (über das Stammhirn) moduliert; die Psyche hat einen Einfluss.

Adrenalin und eine erhöhte Aktivität des Nervus sympathicus (kurz Sympathicus) erhöhen die Frequenz des Sinusknotens. Zudem haben die Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 einen beschleunigenden Einfluss auf die Herzfrequenz. Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ist nicht zu selten Ursache einer unangemessenen Tachykardie.

Wenn die Herzfrequenz 160/Minute überschreitet, wird die Diastole (Zeit für die Füllung des Herzens mit Blut) zu kurz und die Auswurfleistung beginnt zu sinken, bei Erkrankungen der Herzmuskulatur bereits früher. Ab etwa 180/Minute kommt es zur Herzinsuffizienz. Der periphere Puls ist fadenförmig und kaum noch zu tasten.

Wenn das Herz zu schnell und zudem absolut arrhythmisch schlägt, wird dies als Tachyarrhythmie bezeichnet.

Bei Kammerflimmern zeigt das EKG keine geordneten Erregungsabläufe mehr, die Erregungswogen laufen mit Frequenzen von über 300/Minute über das Myokard. Die Zeit zur neuerlichen Herzfüllung nach einer Systole ist unzureichend; eine kreislaufwirksame Auswurfleistung kommt nicht mehr zustande. Entsprechend besteht peripher Pulslosigkeit. Kammerflimmern bedeutet in diesem Sinn Herzstillstand; es wird nicht unter Tachykardie eingeordnet.

Ursachen

Eine Tachykardie kommt durch verschiedene Ursachen zustande.

Unter nicht krankhaften Bedingungen tritt eine Tachykardie bei körperlicher Belastung auf und befähigt den Körper einen erhöhten Sauerstoffbedarf in der Peripherie, insbesondere der Muskulatur, zu decken. Auch psychischer Stress führt zu schnellerem Herzschlag.

Unter krankhaften Bedingungen kommt eine Tachykardie beispielsweise zustande durch:

Therapie

Zur Behandlung einer Tachykardie kommen verschiedene Maßnahmen in Betracht.

  • Bei der paroxysmalen Tachykardie kann ein Valsalva-Versuch (Einatmen und Luft zusammenpressen, am besten in Hockstellung) zum Durchbrechen einer kreislaufwirksamen Tachykardiephase führen.
  • Medikamente, die die Herzfrequenz verlangsamen, können sowohl zur akuten Therapie wie zur Vorbeugung verwendet werde. Beispiele: Amiodarone, Digitalis-Präparate, Betablocker, der Kalziumantagonist Verapamil.
  • Kardioversion: die elektrische Kardioversion kann eine lebensgefährliche Tachykardie z. B. bei Kammerflattern durchbrechen.
  • Eine Tachykradie aus extrakardialen Ursachen (z. B. als Gegenregulation bei einem Kreislaufschock oder bei einer Hyperthyreose) wird durch entsprechende Maßnahmen (z. B. Infusion von Flüssigkeit bzw. Blut zur Volumenanhebung oder durch Hemmung der Schilddrüsenhormone) behandelt.

Verweise

Patienteninfos