Dyspepsie

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft

Dyspepsie (auch: „funktionelle Dyspepsie“) bezeichnet Missempfindungen, die ihre Ursache im oberen Gastrointestinaltrakt haben und vorwiegend auf einer Motilitätsstörung (funktionelle Bewegungsstörung) des Magens und oberen Dünndarms beruhen. Eine organische Krankheit lässt sich als Ursache nicht ausmachen. 1) 2017 Nov 3;3:17081. doi: 10.1038/nrdp.2017.81.

Das Wichtigste verständlich

Kurzgefasst
Die Dyspepsie gehört zu den häufigsten Beschwerden im Bauchraum, bei denen keine organische Ursache gefunden wird. Sie stellt eine Funktionsstörung dar, bei der Beschwerden im Oberbauch, meist nach Mahlzeiten, auftreten. Zugrunde können Bewegungsstörungen des Magens liegen, so beispielsweise eine

  • Entleerungsstörung zum Dünndarm hin, was ein Völlegefühl zur Folge hat, oder eine
  • Störung des Verschlusses zur Speiseröhre hin, was eine Refluxsymptomatik zur Folge hat.

Die Dyspepsie ist mit dem Reizdarmsyndrom verwandt; und es gibt Überlappungen. Auch eine Gallengangsdyskinesie beruht auf ähnlichen Entstehungsmechanismen.

Die Diagnostik sollte organische Krankheiten des Magens, des Dünndarms und der Oberbauchorgane (Leber mit Gallenwegen, Bauchspeicheldrüse) und eine Refluxkrankheit ausschließen.

Die Behandlung stützt sich meist auf Medikamente,

bewirken sollen. Eine psychische Überlagerung kann die Beschwerden verstärken; in einem solchen Fall sollte eine begleitende psychotherapeutische Unterstützung empfohlen werden.


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Symptomatik

Der Magen: Die Muskulatur in der Magenwand wird durch ein Netzwerk von Magennerven reguliert. Der Mageneingang wird bei ankommender Nahrung geöffnet, bleibt aber sonst geschlossen, damit sich der Mageninhalt nicht nach oben entleert. Die Muskulatur in der Magenwand durchwalkt den Speisebrei. Der Schließmuskel am Magenausgang öffnet immer nur kurz und lässt kleine flüssige Portionen zum Zwölffingerdarm durch. Bei Störungen der Koordination dieser muskulären Bewegungen kommen dyspeptische Beschwerden zustande.

Das Spektrum der Missempfindungen ist breit. Die Unterscheidung, ob die Symptome funktionell oder organisch bedingt sind, kann außerordentlich schwierig sein und zu einer ausgedehnten Diagnostik veranlassen.

Folgende Klassifizierung der Beschwerden hat sich bewährt :

  • Ulkusartige Beschwerden: gut lokalisierbare, oft periodisch auftretende Beschwerden im Oberbauch, meist abhängig von der Nahrungsaufnahme (Besserung oder Verschlechterung).
  • Beschwerden durch Motilitätsstörungen des Magens oder Dünndarms: schlecht lokalisierbare, meist einige Zeit nach Nahrungsaufnahme auftretende Beschwerden, frühes Sättigungsgefühl, Völlegefühl, Gefühl eines geschwollenen oder geblähten Oberbauchs, Übelkeit.
  • Unspezifische dyspeptische Beschwerden: nicht in die vorigen Kategorien einzuordnen.

Differentialdiagnosen

Dyspeptische Beschwerden können denen einer Magengeschwürs, aber auch denen einer Gastritis, von Blähungen oder einem Reflux von Mageninhalt in die Speiseröhre (siehe hier) entsprechen, also sehr vielfältig sein. Die meisten Differenzialdiagnosen betreffen die Ursachen von Beschwerden im Oberbauch (siehe dort).

Eine Gastroparese, wie sie bei einer Zuckerkrankheit auftreten kann (siehe hier), ist eine organische Erkrankung, die abzugrenzen ist und eine spezielle Behandlung erfordert. 2) 2018 Dec 3. doi: 10.5056/jnm18162.

Ursachen

Motilitätsstörungen des Magens und des oberen Dünndarms können folgende Ursachen haben:

  • Toxische Substanzen: u. a. Alkohol
  • Extraintestinale Krankheiten: Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz, Schilddrüsenerkrankungen, endokrin aktive Tumore
  • Schwangerschaft
  • mechanische Hindernisse im Abdomen
  • funktionell: funktionelle Dyspepsie im Rahmen des Syndroms des irritablen Darms (irritable bowel syndrom, Reizdarm)

Diagnostik

Die Diagnostik umfasst folgende Schritte:

  • Anamnese: Abhängigkeit der Beschwerden von der Nahrungsaufnahme, von der Körperlage, von der Tageszeit, von Stress? Bisherige Erfahrung mit Medikamenten, mit Wärme, mit bestimmten Nahrungsmitteln? Nahrungsmittelallergie? …
  • körperlicher Untersuchungsbefund: Schmerzauslösung bei Palpation? Resistenz? Zeichen einer Leberzirrhose oder einer Herzinsuffizienz? Darmgeräusche? Gefäßgeräusche? …
  • Funktionelle Diagnostik: H2-Atemtests (Laktose, Laktulose, Glukose)
  • Oberbauchsonographie der Leber: Suche nach Auffälligkeiten von Leber, Gallenwegen, Pankreas, Magen und Darmwand, Gefäßen und Lymphknoten etc.

Die Diagnostik kann in Einzelfällen weitergeführt werden und auch aufwendige Untersuchungen umfassen wie z. B. eine Computertomographie zur Organbeurteilung im Abdomen, die hepatobiliäre Sequenzszintigraphie zur Klärung einer eventuellen funktionellen Störung der Galleentleerung oder die MRCP, ERCP oder Endosonographie zur Klärung eventueller Veränderungen an den größeren Gallengängen.

Eine funktionelle Dyspepsie erfordert Erfahrung und Augenmaß in der Diagnostik, damit nicht unnötigerweise aufwändige, teure, patientenbelastende und risikoreiche Untersuchungen durchgeführt werden.

Folgen

Durch dyspeptische Beschwerden kann es zu einer Veränderung der Essgewohnheiten kommen. Tendenzen zur übertriebenen Selbstbeobachtung können die mit Symptomatik verstärken.

Ein funktioneller Reflux galligen Duodenalsafts in den Magen und Reflux von Magensaft in den Ösophagus können dazu führen, dass sich sekundär eine Typ-C-Gastritis und eine Refluxösophagitis entwickeln.

Therapie

Die Therapie beinhaltet laut einer Zusammenstellung folgende Optionen 3)Aliment Pharmacol Ther. 2019 May;49(9):1134-1172. doi: 10.1111/apt.15191

  • Säureunterdrückung mit Protonenpumpenblockern. Sie soll in 30% – 70% die Beschwerden bessern.
  • Prokinetika: Sie werden hauptsächlich zur Behandlung postprandialer Beschwerden eingesetzt. Die Wirksamkeit der Präparategruppen ist etwas unterschiedlich: 59 % bis 81 % Responderrate für Dopaminrezeptorantagonisten, 32 % bis 91 % für Serotonin-4-Rezeptoragonisten und 31 % bis 80 % für Muskarinrezeptorantagonisten. 4)
  •  Helicobacter-Eradikation: ist in 24% – 82% der Fälle wirksam, in denen ein solcher Befall nachweisbar ist (dazu siehe hier).
  • Weitere Mittel: Pfefferminzöl reduzierte die Symptome bei 66 % bis 91 % und Iberogast bei 20 % bis 95 %.

Kleine verteilte Mahlzeiten sind günstiger als große Mahlzeiten. Alkohol und Rauchen sollten vermieden werden. Wenn Medikamente eingenommen werden, sollte der behandelnde Arzt ihre Verträglichkeit beurteilen.

Eine übertriebene Selbstbeobachtung kann die Symptomatik verstärken, so dass ihr entgegengewirkt werden sollte, ggf. auch durch eine Psychotherapie.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur

Literatur
1 2017 Nov 3;3:17081. doi: 10.1038/nrdp.2017.81.
2 2018 Dec 3. doi: 10.5056/jnm18162.
3 Aliment Pharmacol Ther. 2019 May;49(9):1134-1172. doi: 10.1111/apt.15191