Blähungen

Blähungen (Flatulenz) sind Gasansammlungen im Darmkanal, vorzugsweise im Dickdarm. Sie werden medizinisch als Meteorismus bezeichnet. Die häufigste Ursache ist die Ernährung mit blähenden Nahrungsmittel; die am häufigsten wirksame Behandlung besteht in einer Umstellung der Ernährung. Daneben gibt es eine Reihe von Stoffwechselanomalien und krankhafter Bedingungen, die dann zu diagnostischen Anstrengungen führen, wenn eine Ernärungsumstellung keinen ausreichenden Erfolg zeitigt. 1)Am Fam Physician. 2019 Mar 1;99(5):301-309. PMID: 30811160.


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Nachweis

Gase im Dickdarm lassen sich sonographisch leicht nachweisen. Hier ein ausgeprägter Meteorismus, der zu Beschwerden führte.

Wenn Bauchbeschwerden nach Abgang von Darmgasen nachlassen, sind sie zumindest zum Teil auf Meteorismus zurückzuführen. Durch eine klinische Untersuchung lassen sich Darmgase direkt nachweisen und grob lokalisieren: bei der Perkussion des Bauchs wird ein hohler (tympanitischer) Ton hervorgerufen. Eine genauere Zuordnung zu bestimmten Darmschlingen erfolgt meist durch eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie), bei der die Totalreflexion an der Oberfläche zum Gas hin eine Beurteilung der darunter liegenden Strukturen jedoch unmöglich macht. Ist eine exakte Diagnostik der anatomischen Verhältnisse erforderlich, wird dazu meist eine Computertomographie durchgeführt.

Wie Blähungen entstehen

Darmgase entstehen im Dickdarm durch die Stoffwechselaktivität von Bakterien: sie bauen die im Dünndarm nicht verdauten und nicht resorbierten Nahrungsbestandteile weiter ab und produzieren dabei Gase.

Blähungen sind daher immer von mehreren Faktoren abhängig, nämlich von der Zeit, die zur Verdauung unserer Nahrung im Dünndarm zur Verfügung steht, und von der Menge der produzierten Verdauungsenzyme. Im Einzelnen kann eine unzureichende Verdauung durch folgende Faktoren zustande kommen:

  • Die Geschwindigkeit der Dünndarmpassage des Nahrungsbreis ist zu schnell; die Dünndarmpassage ist zu rasch für eine ausreichende Verdauung, auch wenn die Menge der Verdauungsenzyme nicht vermindert ist.
  • Die Verdauungs- und Resorptionskapazität des Dünndarms ist geringer als normal: hierbei kann auch bei normaler Verweilzeit die Nahrung nicht genügend aufgeschlossen und resorbiert werden.
  • Die Funktionsfähigkeit von Leber und Bauchspeicheldrüse ist krankhaft eingeschränkt.
  • Die Ernährung enthält zu viel von nicht verdaubaren Nahrungsbestandteilen, z. B. einige bestimmte Ballaststoffe oder Zuckerverbindungen.
  • Die Darmflora ist abnormal und produziert über ihre Stoffwechselwege vermehrt Darmgase.

Bedeutung von Schaum im Dickdarm: Bei Blähungen muss immer berücksichtigt werden, dass eine gewisse Menge von Darmgasen im Dickdarm immer entsteht und normal ist, dass sie jedoch über die Darmschleimhaut soweit resorbiert werden, dass kein krankhafter und übermäßig störender Meteorismus entsteht. Wenn die Resorption vermindert ist, z. B. weil die Gase in Schaumbläschen gefangen sind und nicht an die Darmwand gelangen können, dann vermindert sich die Resorption durch die Darmwand so dass sich das Verhältnis von Gasbildung und -resorption so verschiebt, dass sich Darmgase vermehrt ansammeln. Liegt solch eine Ursache für Meteorismus vor, so helfen „Entschäumer“.

Gase im Dünndarm: Normalerweise ist der Dünndarm Arm an Bakterien und damit frei von Darmgasen. Wenn sich im Dünndarm Gase nachweisen lassen, spricht dies für eine bakterielle Überwucherung. Sie steht in der Regel im Zusammenhang mit einer schwerwiegenden Erkrankung. Eine bakterielle Überwucherung kann zu einem Mangel an lebenswichtigen Nahrungsbestandteilen führen und bedarf einer besonderen Diagnostik und Therapie. 2)Nutr Clin Pract. 2013 Jun;28(3):289-99. doi: 10.1177/0884533613485882. Epub 2013 Apr 24. PMID: ...weiter lesen Siehe hier.

Welche Ursachen von Blähungsbeschwerden häufiger vorkommen

  • Eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz): bei ihr tritt nicht resorbierte Laktose aus Milchprodukten in den Dickdarm über und verursacht über die Bakterien eine Gasbildung. Ähnlich ist es bei einer Fruchtzuckerunverträglichkeit (Fruktoseintoleranz), die bei Genuss von Früchten und Marmelade o. ä. zu Blähungsbeschwerden führt.
  • Das Reizdarmsyndrom: Wenn Blähungen mit einem Reizdarmsyndrom zusammentreffen, können sie wegen der bei ihm erhöhten Dehnungsempfindlichkeit der Darmwand und Motilitätsstörung zu erheblichen Beschwerden führen (siehe hier).
  • Erkrankungen des Dickdarms: Sie sind meist mit einer abnormalen Bakterienflora (Mikrobiom) assoziiert, durch die vermehrt Darmgase entstehen, und mit Wandveränderungen und einer Motilitätsstörung, die eine Resorption der Darmgase beeinträchtigen. Dazu siehe hier.
  • Schwer verdaubare Kohlenhydrate: Eine wichtige Ursache von Blähungen sind Zucker, die im Dünndarm nicht abgebaut und daher auch nicht resorbiert werden können, weil die dafür notwendigen Enzyme fehlen. Dazu gehören Stachyose und Raffinose, die in manchen Pflanzen vorkommen. Diese Zucker gelangen immer unverdaut in den Dickdarm und werden dort von den Bakterien unter Bildung von Gasen abgebaut.
    • Bohnen verursachen aus diesem Grunde auch bei „normalen“ Menschen Blähungen.
    • Vermehrte Zufuhr von Obst und Gemüse, die schwer verdaubare Kohlenhydrate enthalten, können ebenfalls zu Blähungsbeschwerden führen.

Welche Beschwerden Blähungen verursachen können

Blähungen werden häufig nicht als besondere Beschwerden wahrgenommen. Sie können aber auch heftige Schmerzen bereiten. Sie werden z. T. als piekend, stechend und krampfartig empfunden und dauern manchmal nur wenige Sekunden, manchmal auch Stunden an. Sie können den Leib erheblich aufblähen; der Leib schwillt an und der Gürtel spannt sich. Diese Beschwerden nehmen meistens eher zur zweiten Tageshälfte zu, während früh morgens noch wenige Beschwerden vorliegen. Durch Windabgang kommt es oft zur sofortigen Besserung. Darmgase, die in Darmschlaufen gefangen sind, können jedoch manchmal nicht so einfach abgehen und kneifen weiterhin. Solche Ansammlungen von Darmgasen sind dann besonders schmerzhaft, wenn sie im Rahmen eines Darminfekts auftreten, bei dem Darmabschnitte „dyskinetisch“ sind, d. h. sich nicht koordiniert bewegen: der Vorwärtstransport des Gase ist dadurch behindert, und einzelne Schlingen blähen sich besonders stark auf. Dabei hilft oft eine Darmmassage, verbunden mit Wechsel der Körperstellung.

Geruchsbelästigung

Blähungen, die bei Kohlenhydratzersetzung durch Dickdarmbakterien entstehen, sind einigermaßen geruchsneutral. Blähungen, die durch eine mangelhafte Eiweißverdauung entstehen, können dagegen sehr geruchsbelästigend sein und sind damit unter Umständen nicht nur ein gesundheitliches sondern auch ein soziales Problem.

Stark riechende Darmgase weisen damit auf eine mangelnde Eiweißverdauung und -resorption im Dünndarm hin. Als Ursachen kommen in Frage z. B.

  • eine schwere Erkrankung der Bauchspeicheldrüse mit mangelhafter Bildung von Verdauungsenzymen (exokrine Pankreasinsuffizienz bei chronischer Pankreatitis),
  • eine Dünndarmkrankheit (wie die Sprue oder eine Enteritis), die ebenfalls zu einer mangelhaften Verdauung beiträgt und zudem eine Einschränkung der Resorption der aufgeschlossenen Nahrung bewirkt,
  • eine zu rasche Dünndarmpassagezeit (wie bei einer akuten Durchfallkrankheit (Enteritis) oder beim Kurzdarmsyndrom).

Als noch normal ist meist anzusehen, wenn nach einer ungewohnt eiweißhaltigen Mahlzeit (große Fleischmengen z. B. bei einer Grillparty) vorübergehend „übelriechende Stühle“ auftreten.

Wie man Blähungsbeschwerden behandeln kann

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache.

  • Wenn Schaumbildung die Darmgase daran hindern, von der Darmwandung des Dickdarms resorbiert zu werden, helfen oft „Entschäumer“. Bei anderen Menschen mit Blähungsbeschwerden ohne Schaumbildung im Darm sind sie wirkungslos.
  • Treten Blähungen besonders bei Darmträgheit (Verstopfung) auf, können Mittel zur Anregung der Darmtätigkeit (Abführmittel: z. B. Picosulfat, Quellmittel, neuere Darm anregende Mittel (Prokinetika) ) zu einer Besserung führen.
  • Treten Blähungen bei mangelhafter Verdauung im Rahmen einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse oder des Dünndarms auf, so kann eine Unterstützung der Verdauungstätigkeit durch Substitution von Verdauungsenzymen helfen.
  • Ist die Passagezeit der Nahrung durch den Dünndarm zu rasch, so dass aus diesem Grunde nicht genügend Zeit für eine ausreichende Verdauung zur Verfügung steht, so kann eine medikamentöse Verlangsamung der Passagezeit (z. B. durch Loperamid) aussichtsreich sein. Dies ist dann anzunehmen, wenn der Stuhl eher breiig oder dünn ist, keine Bauchspeicheldrüsenkrankheit vorliegt und die Dünndarmpassagezeit, gemessen durch den H2-Atemtest, zu kurz ist.
  • Liegen Verwachsungen im Bauchraum (z. B. nach einer Bauchoperation) vor, die zu einer Behinderung des Transports der Darmgase zum Darmausgang hin führen, so kann eine Lösung der Verwachsungen (Briden) z. B. durch eine Schlüssellochoperation (Laparoskopie) die Beschwerden lindern.

Verweise

Patienteninfos

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur   [ + ]

1. Am Fam Physician. 2019 Mar 1;99(5):301-309. PMID: 30811160.
2. Nutr Clin Pract. 2013 Jun;28(3):289-99. doi: 10.1177/0884533613485882. Epub 2013 Apr 24. PMID: 23614961.