Bakterielle Überwucherung des Dünndarms

Die bakterielle Übersiedlung des Dünndarms ist gelegentlich Ursache von unbestimmten Bauchbeschwerden und Durchfällen. Es handelt sich um eine unnormal hohe bakterielle Besiedlung des Dünndarms mit Bakterien von >100000 pro Milliliter Dünndarmflüssigkeit.

Ätiopathogenese

Der Dünndarm ist normalerweise sehr keimarm.

  • Bedingung eines Blind-Loop-Syndroms: Wenn durch eine Operation eine Schlinge ausgeschaltet wird und blind endet (beispielsweise um eine Drainage des Gallengangs zu gewährleisten), können sich dort Bakterienkolonien ansiedeln, die bei mangelnder Darmpropulsion dort verharren und durch ihre Stoffwechselaktivität zu Beschwerden eines Blind-Loop-Syndroms führen.
  • Bedingung einer Dünndarmdyskinesie: Bei mangelhafter Propulsion des Dünndarminhalts kann es bei verlängerter Verweildauer zu einer bakteriellen Überwucherung kommen, die in gleicher Weise wie beim Blind-Loop-Syndrom zu Symptomen führen kann. Ursachen können beispielsweise neurogene Störungen der Darmmotilität oder eine Obstruktion mit Subileus / Ileus sein.
  • Weitere prädisponierende Faktoren: Unterdrückung der Magensäure (z. B. durch PPI; Folge Wegfall der bakteriziden Umgebung im Magen), Immunschwäche bei schweren Krankheiten oder Erkrankungen des Immunsystems

Symptomatik

Die Symptomatik kann sehr variieren: Übelkeit und Brechreiz, geblähtes Abdomen, Bauchschmerzen, Diarrhö. Es kann sich in seltenen Fällen eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut entwickeln, die zu einer Malabsorption mit Gewichtsverlust und Mangelzuständen (z. B. von Vitaminen) führt. Über eine Mangelernährung kann sich auch eine NASH entwickeln. Es kann jedoch auch völlige Symptomlosigkeit vorliegen.

Diagnostik

Die Anamnese weist bereits auf mögliche Vorbedingungen (s.o.) hin. Der H2-Atemtest mit Glukose zeigt eine gegenüber dem mit Laktulose einen deutlich früheren Anstieg des H2 in der Atemluft.

Therapie

Therapeutische Optionen: Behandlung der Ursache (ggf. operativ), Prokinetika, Antibiotika (z. B. Ciprofloxacin, Metronidazol, Rifaximin)

Verweise