Dekompensierte Leberzirrhose

Artikel aktualisiert am 25. Oktober 2023

Die dekompensierte Leberzirrhose ist eine vernarbende Lebererkrankung im Endstadium, die durch Gelbsucht, Bauchwassersucht (Aszites) oder beides auffällt.


Allgemeines

Eine dekompensierte Leberzirrhose ist durch Aszites, eine hepatische Enzephalopathie, eine Ösophagusvarizenblutung oder bakterielle Infektionen gekennzeichnet. Es besteht ständig die Gefahr einer Verschlechterung, so vor allem die eines hepatorenalen Syndroms. Die Mortalität ist mit 30 % hoch. Ursache einer finalen Verschlechterung sind Funktionsverschlechterungen der inneren Organe und schließlich ein ein Multiorganversagen. Wenn sich ein akutes auf ein chronischem Leberversagen aufpfropft (ACLF), errreicht die Sterblichkeit nach 90 Tagen bis zu 50 %. In einem chronisch dekompensierten Stadium der Leberzirrhose lässt sich die ihr zugrunde liegende Krankheit und damit das Fortschreiten kaum noch beeinflussen. (1) J Hepatol. 2021 Jul;75 Suppl 1(Suppl 1):S49-S66

Der Grad der Dekompensation wird in den Child-Pugh-Kriterien erfasst. Die Dekompensation macht sich zudem durch eine Niereninsuffizienz, bakterielle Infektionen und geistige Fehlfunktionen (Enzephalopathie) bemerkbar. Die Mortalität von stationär eingewiesenen Patienten ist mit 10-20% ungewöhnlich hoch. (2)Clin Med (Lond). 2018 Apr 1;18(Suppl 2):s60-s65. DOI: 10.7861/clinmedicine.18-2-s60. PMID: … Continue reading

Leberzirrhose – einfach erklärt
Leberzirrhose in Bildern


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Symptome

Die dekompensierte Leberzirrhose macht sich klinisch bemerkbar durch

Labordiagnostik

Unter den Laborwerten kommt es zur Verschlechterung folgender Parameter:

Ursachen einer dekompensierten Leberzirrhose

Als Ursachen kommen prinzipiell alle chronische Leberkrankheiten in Betracht. Häufige Ursachen sind die alkoholische Fettleberhepatitis, die nichtalkoholische Fettleberhepatitis, die chronische Hepatitis B und die chronische Hepatitis C. Seltener finden sich als Ursache die primär biliäre Cholangitis (PBC), die primär sklerosierende Cholangitis (PSC), die durch Medikamente induzierte Hepatitis und die Autoimmunhepatitis.

Entstehung einer Dekompensation

Kritisch für eine Dekompensation sind ein Blutdruckabfall im großen Kreislauf und ein Druckanstieg im Pfortaderkreislauf. Dazu siehe hier. Eine Hypothese besagt, dass eine systemische Entzündungsreaktion eine entscheidende Rolle spielt. Bei ihr handelt es sich um Mediatorsubstanzen, die großenteils von Bakterien des Darmkanals ausgehen, aber auch von Infektionen im Körper. (3)J Hepatol. 2015 Nov;63(5):1272-84. doi: 10.1016/j.jhep.2015.07.004

Risiken

Die dekompensierte Zirrhose birgt ein besonders hohes Risiko für:

Jede Leberzirrhose birgt ein hohes Risiko für die Entwicklung von Leberkrebs (HCC). Dies muss für die Auswahl einer geeigneten Therapie (z. B. einer Lebertransplantation) berücksichtigt werden.

Therapie

Die dekompensierte Leberzirrhose bedarf meist einer Intensivtherapie oder einer Therapie auf einer Spezialstation. Im Prinzip kommen, je nach vorherrschender Symptomatik, folgende Maßnahmen in Betracht: (4)Clin J Am Soc Nephrol. 2019 May 7;14(5):774-781. doi: 10.2215/CJN.12451018. (5)Clin Med (Lond). 2018 Apr 1;18(Suppl 2):s60-s65. doi: 10.7861/clinmedicine.18-2-s60.

  • Albumin-Substitution (Anhebung des onkotischen Drucks im Blut),
  • Terlipressin (Senkung des Pfortaderdrucks bei Gefahr eier Ösophagusvarizenbutung),
  • Antibiotika (bei rezidivierendem spontan bakteriellem Aszites),
  • Vermeidung eines katabolen Zustands (zur Besserung desr Körperkräfte und des Abwehrsystems, z. B. 35-40 kcal/kg/Tag). (6)Clin Med (Lond). 2018 Apr 1;18(Suppl 2):s60-s65. DOI: 10.7861/clinmedicine.18-2-s60. PMID: … Continue reading

Einzelne der Maßnahmen sind ggf. als Dauerbehandlung ambulant weiterzuführen; das ist individuell zu entscheiden.

Therapeutisch kann eine Lebertransplantation in Frage kommen. Die Indikation kann eingeschränkt sein durch die Genese der Leberzirrhose (aktueller Alkoholmissbrauch), eine bakterielle Infektion, ein Tumorleiden. Zur Einschätzung der Transplantationsdringlichkeit wurde der MELD-Score eingeführt.

Verweise

 

Literatur

Literatur
1 J Hepatol. 2021 Jul;75 Suppl 1(Suppl 1):S49-S66
2Clin Med (Lond). 2018 Apr 1;18(Suppl 2):s60-s65. DOI: 10.7861/clinmedicine.18-2-s60. PMID: 29700095; PMCID: PMC6334027.
3J Hepatol. 2015 Nov;63(5):1272-84. doi: 10.1016/j.jhep.2015.07.004
4Clin J Am Soc Nephrol. 2019 May 7;14(5):774-781. doi: 10.2215/CJN.12451018.
5Clin Med (Lond). 2018 Apr 1;18(Suppl 2):s60-s65. doi: 10.7861/clinmedicine.18-2-s60.
6Clin Med (Lond). 2018 Apr 1;18(Suppl 2):s60-s65. DOI: 10.7861/clinmedicine.18-2-s60. PMID: 29700095; PMCID: PMC6334027.