Pankreatitis – einfach erklärt

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft

Pankreatitis bedeutet Entzündung der Bauchspeicheldrüse. „Pankreatitis – einfach erklärt“ macht verständlich, wie es zu der Erkrankung kommt, und wie man sie vermeiden, aufhalten und behandeln kann.

Zu Sonderformen, wie einer hereditäre (erbliche), eosinophilen und autoimmunen Pankreatitis, siehe jeweils dort.

→ Fachinfos zur Pankreatitis siehe hier.
→ Infos zur Bauchspeicheldrüse siehe hier.


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Allgemeines zur Pankreatitis

Selbstverdauung: Die Bauchspeicheldrüse ist eine zentrale Verdauungsdrüse, die dem Nahrungsbrei, der aus dem Magen in den Dünndarm gelangt, Verdauungsenzyme zumischt. Wenn sie sich entzündet, beginnen diese Enzyme bereits im Organ selbst aktiv zu werden. Durch die Selbstverdauungsprozesse entstehen entzündungsfördernde Produkte, die einen Teufelskreis in Richtung eines chronischen Verlaufs einleiten. Die Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) ist damit eine sehr schwerwiegende Erkrankung, die die Gefahr in sich birgt, dass selbst dann, wenn ein akuter Beginn wieder abschwillt, dennoch ein chronischer Verlauf entsteht und sogar erneute akute Verschlimmerungen mit lebensbedrohlichen Komplikationen auftreten können.

→ Zur Bauchspeicheldrüse und ihrer Funktion siehe hier.

Verlaufsformen: Es gibt verschiedensten Verlaufsformen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung. Sie kann plötzlich und heftig (akut), stetig schleichend oder schleichend mit akuten Verschlimmerungen (Exacerbationen) verlaufen. Jede chronische Entzündung des Organs kann plötzlich in einem frischen Entzündungsschub aufflammen („akuter Schub einer chronischen Pankreatitis“, „chronisch rezidivierende Pankreatitis“). Jeder Schub bedeutet eine Verschlechterung der Funktion der Bauchspeicheldrüse. In der Regel erholt sie sich nicht wieder vollständig.

Komplikationen: Jede Bauchspeicheldrüsenentzündung kann heftige Beschwerden und Komplikationen hervorrufen. Dazu gehören:

Akute Pankreatitis

Die wichtigsten Ursachen

Eine akute Pankreatitis wird am häufigsten ausgelöst durch

Akute Schübe können bei vorbestehender chronischer Pankreatitis immer wieder auftreten. Dabei können Teile der Bauchspeicheldrüse selbst verdaut werden und zystische Räume auftreten (Pankreaspseudozysten). Sie können so groß werden, dass sie andere Organe und Strukturen verdrängen oder einengen, so können sie den Gallengang abdrücken und eine Gelbsucht (Cholestase) bedingen.

Seltenere Ursachen

Es gibt eine Reihe seltener Ursachen, an die der Arzt denkt, wenn Alkohol und Gallensteine für ihn als Ursachen unwahrscheinlich sind. Dazu gehören

Gallensteinpankreatitis

Eine durch Gallensteine ausgelöste Bauchspeicheldrüsenentzündung beginnt meist mit einer heftigen Kolik im mittleren und rechten Oberbauch. Der Schmerz ändert seinen Charakter, wenn sich eine Bauchspeicheldrüsenentzündung entwickelt. Er wird dann dumpfer und verlagert sich zur Mitte und in den linken Obermittelbauch. Manchmal wird die erste kolikartige Schmerzphase nicht gesondert wahrgenommen. In der Regel heilt die durch Gallensteine ausgelöste Pankreatitis aus und wird nicht chronisch.

Manchmal ist ein Gallenstein nicht nachweisbar, obwohl die anfängliche Kolik auf ihn hindeutet. Er ist möglicherweise bereits abgegangen, oder es hat sich um Mikrosteinchen gehandelt (Mikrolithiasis). Solche kleinsten Steinchen werden häufig nur mit der innerlichen Sonographie (Endosonographie, durchgeführt über eine Spiegelung) erkennbar. Wenn die Gallenblase Steine enthält, sollte sie herausoperiert werden (Cholezystektomie), um weitere Komplikationen zu vermeiden. Steine aus dem Gallengang (Choledocholithiasis) können endoskopisch (durch eine ERC) entfernt werden. Dazu siehe hier.

Alkoholpankreatitis

Alkohol kann zu einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Alkoholpankreatitis) führen, die akut beginnen kann, aber praktisch immer nach ihrem Abklingen weiterschwelt. Er ist die häufigste Ursache einer chronischen Pankreatitis (s. u.). Die Frage, warum sich bei manchen Menschen bereits nach relativ wenig Alkohol eine schwere Pankreatitis entwickelt und bei anderen nicht, scheint sich zu klären. Es gibt offenbar eine genetische Grundlage, die zu einer besonderen Empfindlichkeit gegenüber Alkohol bezüglich einer Bauchspeicheldrüsenentzündung führt. Diese Menschen sollten unbedingt jegliche Art und Menge von Alkohol meiden! Am besten sie tun dies bereits vorbeugend, wenn in der nahen Blutsverwandtschaft jemand mit einer Alkoholpankreatitis zu finden ist.

Chronische Pankreatitis

Ursachen: Eine chronische Pankreatitis ist meist durch Alkohol bedingt. Aber auch andere Ursachen führen zu chronischen Verläufen, so z. B. Pankreatitiden aus genetischer (hereditäre Pankreatitis oder autoimmunologischer Ursache (Autoimmunpankreatitis).

Melanose durch Wärmflaschen bei chronischer Pankreatitis
Patient mit heftigsten andauernden Oberbauchschmerzen. Er hat sich über Monate selbst mit einer Wärmeflasche geholfen (Wärmemelanose der Haut), was eine geringe Erleichterung brachte. Hier ist als Abhilfe eine Verödung des Plexus solaris zu diskutieren. Auffällig ist auch die geringe Fettschicht unter der Haut: Sie ist erklärlich durch die Angst vor jeder Nahrungsaufnahme, die regelmäßig zu Bauchschmerzen führte.

Beschwerden: Die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung braucht anfangs nicht durch besondere Beschwerden aufzufallen und verläuft oft unerkannt schleichend. Sie kann jedoch unerwartet (z. B. durch eine vielleicht etwas fettreichere Mahlzeit) aufflammen. Anfangs sind die Bauschmerzen meist bedingt durch eine unzureichende Verdauung, die zu Blähungen führt. Später kommen Schmerzen durch Einbeziehung der Nerven des Plexus solaris (Sonnengeflecht) hinzu. Sie sind schwierig therapierbar und können gelegentlich Anlass für eine operative Entfernung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatektomie) sein.

Symptome durch Funktionsverlust: Die Funktionen der Bauchspeicheldrüse nehmen allmählich und besonders bei jedem Schub ab bis sie schließlich unzureichend geworden sind. Dann kann das Organ seinen Verdauungsaufgaben und der Aufgabe im Zuckerstoffwechsel des Körpers nicht mehr nachkommen. Folgen einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung mit Zersetzung des Organs sind daher

Verkalkungen im Organ: Durch Selbstverdauung beginnt die Bauchspeicheldrüse zu verkalken. Dies ist im Röntgenbild, oft auch im Ultraschallbild gut zu erkennen. Umgekehrt besagt der Befund von Verkalkungen im Organ, dass bereits Zerstörungen durch die Entzündung abgelaufen sind und dass eine chronische Form der Pankreatitis vorliegt („chronisch kalzifizierende Pankreatitis“).

Pseudozysten: Die Bauchspeicheldrüse produziert Verdauungsenzyme, die erst im Darm wirksam werden. Bei einer Entzündung werden sie jedoch schon im Organ selbst aktiviert. Folge ist eine Selbstverdauung des Organs. Dadurch können sich flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Pankreaspseudozysten) bilden, die oft harmlos sind und sich zurückbilden können. Sie können jedoch auch groß werden, platzen, sich infizieren oder einbluten.

Gewichtsabnahme: Wenn die Funktion der Bauchspeicheldrüse soweit abgenommen hat, dass nicht mehr genügend Verdauungsenzyme in den Darm abgegeben werden, entwickeln sich Verdauungsprobleme, Stuhlunregelmäßigkeiten und eine Unterversorgung des Körpers mit Nährstoffen (Malnutrition). Hinzu kommen Schmerzen nach jeder Mahlzeit, die teilweise durch Blähungen, aber auch durch Einbeziehung des Solarplexus in den Entzündungsprozess (s. o.) zustande kommen können. Die Betroffenen entwickeln eine Angst vor jeder Mahlzeit und nehmen an Gewicht ab. Eine ungewöhnliche Gewichtsabnahme kann jedoch auch auf Krebs hindeuten.

Krebsgefahr: Je länger eine Bauchspeicheldrüsenentzündung dauert, desto höher steigt das Krebsrisiko. Wenn erst einmal Bauchspeicheldrüsenkrebs erkennbar geworden ist, kommt in der Mehrzahl der Fälle eine Operation für die Heilung zu spät. Das bedeutet, dass bei einer chronischen Pankreatitis Kontrolluntersuchungen immer auch die Suche nach Krebs beinhalten (Ultraschall des Oberbauchs, ggf. MRT, Tumormarker Ca19-9).

Wie behandelt wird

Im akuten Stadium

Im akuten Stadium richtet sich die Behandlung nach der Ausprägung: leichte Verläufe können u. U. rein diätetisch beherrscht werden. Schwerere Verläufe bedürfen je nach Kreislaufstabilität einer Intensivtherapie, u. U. mit Magenablaufsonde, Antibiotika, Magensäureunterdrückung, Ernährung über Venenkatheter und Schmerzbehandlung.

Im chronischen Stadium

Hier sind verschiedene Maßnahmen nützlich:

  • Diät: kleine fettarme und leicht verdauliche Mahlzeiten sollten mehrfach am Tag eingenommen werden, damit die Bauchspeicheldrüse nicht überlastet wird. Mittelkettige Fettsäuren (MCT-Kost) können bei einer Fettverdauungsstörung für eine ausreichende Substitution und eine Resorptionsunterstützung von fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) sorgen. (1)Z Gastroenterol. 2008 Aug;46(8):784-9. German. DOI: 10.1055/s-2008-1027462.
  • Verdauungsenzyme lassen sich als Kapseln einnehmen. Ihre Dosierung sollte so gewählt werden, dass möglichst wenige Blähungen auftreten und der Stuhl geformt ist. Ist er fettig-breiig, reicht die Dosierung nicht aus.
  • Schmerztherapie: Schmerzen sollten gut beherrscht werden. Dazu muss der Arzt ein individuelles Schmerzschema anpassen, das aus einer Basisversorgung und zusätzlichen Maßnahmen besteht, die bei Bedarf genommen werden. Bei nicht beherrschbaren Schmerzen sollte über eine Nervenverödung des Sonnengeflechts (Solarplexus, Plexus solaris) oder eine Entfernung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatektomie) nachgedacht werden. Mit einer Pankreatektomie würde auch gleichzeitig das deutlich erhöhte Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs wegfallen, allerdings auch eine ständige Substitution von Verdauungsenzymen und von Insulin erforderlich werden – sofern das nicht bereits der Fall ist.
  • Risikofaktoren vermeiden: In jedem Fall sollte alles vermieden werden, was einen neuen Schub bzw. eine Verschlechterung auslösen könnte: keine fetten Speisen, nicht rauchen und kein Alkohol! Je früher mit einer Umstellung der Lebensgewohnheiten begonnen wird, desto besser ist die Prognose. Am besten sollten diese Konsequenzen sofort gezogen werden, nachdem die Diagnose einer Pankreatitis gestellt wurde.

Wie Pankreaspseudozysten behandelt werden

Ein durch Selbstverdauung entstandener Hohlraum (Pankreaszyste, genauer: Pseudozyste) kann durch Größenzunahme auf andere Organe drücken. So kann er den Gallengang abdrücken, so dass durch Gallestau eine Gelbsucht entsteht. Solch eine Pseudozyste wird oft operativ behandelt; dazu gibt es verschiedene Methoden. Heute wird der flüssigkeitsgefüllte Zystenraum jedoch vielfach durch einen Spiegelungseingriff (endoskopisch) therapiert. Mit Hilfe eines Endoskops wird ein Röhrchen (Stent, Drainageröhrchen) eingelegt, so dass die Flüssigkeit der Zyste in den Darm abfließen kann. Mit Hilfe der Endosonographie ist dies risikoarm möglich. Die Zyste kann dann „eintrocknen“ (zusammenfallen) und verschwinden.

Dazu wird unter der Wirkung einer Schlafspritze ein Untersuchungsgerät, ein modifiziertes Gastroskop mit einem Ultraschallapplikator an der Spitze, ähnlich wie bei einer Magenspiegelung in den Magen eingeführt. Das Ultraschallbild lässt die der Magenwand anliegende Pseudozyste gut erkennen. Durch das Gerät kann ganz gezielt eine Punktionskanüle vorgeschoben werden, die durch die Magen- und Zystenwand ins Innere der Zyste platziert wird. Über eine besondere Technik lässt sich, geleitet durch diese Sonde, ein kurzes Drainageröhrchen vorschieben, so dass sein eines Ende in die Zyste zu liegen kommt, sein anderes im Mageninneren. Nun kann sich die Zystenflüssigkeit in den Magen entleeren; die Zyste fällt zusammen und verwächst mit der Zeit. Das Drainageröhrchen kann dann endoskopisch entfernt werden.


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Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur

Literatur
1 Z Gastroenterol. 2008 Aug;46(8):784-9. German. DOI: 10.1055/s-2008-1027462.