Alkoholpankreatitis

Die Alkoholpankreatitis ist eine durch Alkoholgenuss hervorgerufene Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Sie ist die häufigste Form einer akuten Pankreatitis und heilt häufig nicht vollständig aus. Typisch ist ein chronisch rezidivierender oder chronisch schwelender Verlauf 1)JOP. 2009 Jul 6;10(4):387-92. Diese Form wird auch als chronische alkoholtoxische Pankreatitis (CAP) bezeichnet.

Ursache, Entstehung und Verlauf

Alkohol ist zusammen mit Gallensteinen die häufigste Ursache für eine akute Pankreatitis. Im Gegensatz zur Gallensteinpankreatitis, die praktisch immer ausheilt, geht die Alkoholpankreatitis meist in einen chronisch schleichenden Verlauf mit dem hohen Risiko neuerlicher akuter Schübe (Exacerbation) über. Damit besteht auch das Risiko einer am Ende der Entwicklung stehenden chronischen Pankreasinsuffizienz, eines durch die Pankreaszerstörung entstehenden Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und eines Pankreaskarzinoms. Besonders “binge drinking” (Alkoholkonsum im Rahmen von “Saufereien”) führt zu einem erhöhten Karzinomrisiko 2)Cancer Causes Control. 2010 Jul;21(7):1047-59.

Folge von Wärmflaschenanwendungen bei chronischer alkoholbedingter Bauchspeicheldrüsenentzündung. Eingezeichnet ist die Lage der Bauchspeicheldrüse in der Tiefe. Fettarme Haut bei Gewichtsabnahme durch häufige Vermeidung von Nahrungsaufnahme.

Wegen des chronischen Verlaufs der Entzündung kommt es zu einer Verkleinerung des Organs mit Verkalkungen. Es treten wiederholt Bauchschmerzen auf, die teilweise vom Organ und einer Mitbeteiligung des Solarplexus herrühren, teilweise aber auch von Blähungen bei zunehmender Verdauungsinsuffizienz. Die Bauchschmerzen können so stark sein, dass ständig nach Linderung gesucht wird, beispielsweise auch durch Wärmflaschen. Folge ist eine Vermeidung von Nahrungsaufnahme und Gewichtsverlust.

Genetische Prädisposition

Nur etwa 3% der Menschen mit chronischem Alkoholabusus entwickeln eine Alkoholpankreatitis 3)Pancreas. 2007 May; 34(4):390-8. Unter den Menschen mit chronischer Pankreatitis ist jedoch Alkohol der Hauptrisikofaktor. Daher wurde schon lange eine genetische Prädisposition angenommen, die für Alkohol als Auslöser empfänglich macht.

Bei annähernd der Hälfte der Fälle einer Alkoholpankreatitis findet man eine genetische Grundlage im Nachweis einer pathologischen Variante der Gens CLDN2. Es kodiert für ein Protein (Claudin), welches an den Tight-junctions der Ductuluszellen der Ausführgänge der Bauchspeicheldrüse für Dichtigkeit sorgt 4)Nat Genet. 2012 Dec;44(12):1349-54. Ist die Dichtigkeit vermindert, kommt es zu einer Eindickung des Pankreassekrets und zu Proteinpfröpfen, so dass die Drainage des Verdauungssekrets in den Zwölffingerdarm gestört ist. Damit kommt es zu einer Aktivierung der Verdauungsenzyme, speziell des Trypsins, bereits im Pankreas. Da das CLDN2-Gen auf dem X-Chromosom liegt, braucht es für seine Wirksamkeit beim Mann (XY) nur 1x vorhanden zu sein, bei der Frau (XX) zweimal. Dies soll erklären, dass Männer sehr viel häufiger eine Alkoholpankreatitis bekommen als Frauen.

Behandlung

Die Prinzipien der Behandlung einer Alkoholpankreatitis entsprechen denen einer chronischen Pankreatitis mit akuten Schüben (siehe hier).

Vorbeugung

Wenn in der nahen Blutverwandtschaft jemand mit einer Alkoholpankreatitis zu finden ist, die bereits bei relativ geringen Alkoholmengen zur neuen Schüben (Exacerbation) führt, oder wenn in der Familie eine Pankreatitis mit genetischer Grundlage vorkommt, so sollte dies Anlass sein, auf Alkohol vollständig zu verzichten.

Vorbeugung eines Pankreaskarzinoms

Besteht bereits eine durch Alkohol bedingte Pankreatitis, so sollte ine regelmäßige Überprüfung durch Sonographie der Bauchspeicheldrüse und der Tumormarker Ca19-9 und CEA durchgeführt werden. Dies soll helfen, ein Pankreaskarzinom, für das ein hohes Risiko besteht, frühzeitig zu entdecken.Es ist im Einzelfall sogar zu prüfen, ob in schweren Fällen mit starken Schmerzen und Gewichtsabnahme (siehe Bild oben) eine prophylaktische Pankreatektomie (operative Entfernung der Bauchspeicheldrüse) durchgeführt werden sollte. 5) 2017 Dec 28. pii: S1072-7515(17)32181-6. doi: 10.1016/j.jamcollsurg.2017.12.018 Eine Inselzell-Autotransplantation kann eine postoperative Zuckerkankheit entsteht; sie hat wegen hoher postoperativer Betazell-Apoptose jedoch nur eine beschränkte Wirksamkeit. 6) 2013 Jul;43(7):715-9. doi: 10.1007/s00595-012-0382-7 7) 2017 Feb;17(2):443-450. doi: 10.1111/ajt.13979

Verweise

Fachinfos

Patienteninfos

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur   [ + ]

1. JOP. 2009 Jul 6;10(4):387-92
2. Cancer Causes Control. 2010 Jul;21(7):1047-59
3. Pancreas. 2007 May; 34(4):390-8
4. Nat Genet. 2012 Dec;44(12):1349-54
5. 2017 Dec 28. pii: S1072-7515(17)32181-6. doi: 10.1016/j.jamcollsurg.2017.12.018
6. 2013 Jul;43(7):715-9. doi: 10.1007/s00595-012-0382-7
7. 2017 Feb;17(2):443-450. doi: 10.1111/ajt.13979