Gallenkolik

Eine Gallenkolik ist durch plötzlich eintretende, aber selbst nach einigen Minuten vorübergehende heftigste Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen charakterisiert, die manchmal zirkulär in den Rücken, in das rechte Schulterblatt oder zur rechten Schulter ausstrahlen. Die Dauer beträgt etwa 15-30 Minuten; der Schmerz klingt meist spontan ab. Während der Schmerzen ist der Bauch weich eindrückbar. Koliken „kommen und gehen“. Wenn sie nicht wiederkommen, ist wahrscheinlich ein Konkrement abgegangen. Insofern verhalten sich Gallenkoliken wie Nieren- oder Harnleiterkoliken. 1)JAMA. 2018 Oct 16;320(15):1612. DOI: 10.1001/jama.2018.11868. PMID: 30326127.


→ Auf facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!
→ Verstehen und verwalten Sie Ihre Laborwerte mit der
Labor-App Blutwerte PRO!


Ursache

Kolikartige Beschwerden sind ein klinisches Zeichen für einen eingeklemmten Gallenstein. Die Einklemmung erfolgt durch eine muskuläre Verkrampfung des Gallengangs oder der Schließmuskels der Papilla Vateri (Mündung des Gallengangs in den Zwölffingerdarm) um den Stein, die sich selbst wieder auflöst und wiederkommen („kommen und gehen“) kann. Wenn krampflösende Mittel helfen, dann ist dies ein Zeichen dafür, dass solch ein Mechanismus und damit eine Kolik vorgelegen hat. Gelegentlich lässt sich eruieren, dass anschließend der Urin etwas dunkler als normal und der nächste Stuhl heller gewesen ist, was für einen vorübergehenden Gallestau (obstruktive Cholestase) spricht.  Bleibt der Verschluss bestehen, kommt es zu einer Gelbsucht (Verschlussikterus).

Auslöser von Gallenkoliken sind häufig fetthaltige Speisen, bei denen die Galleproduktion, eine Kontraktion der Gallenblase und melkartige Kontraktionen der Gallenwegsmuskulatur angeregt werden. Da sich Gallensteine meist in der Gallenblase bilden, können sie durch die Gallenblasenentleerung in die Ausführgänge gelangen und dort steckenbleiben. Koliken lösen insbesondere kleine und kleinste Konkremente (Mikrokonkremente) aus.

Da das Gallensteinrisiko besonders bei Frauen, Schwangeren, Übergewichtigen und Menschen erhöht ist, die an Gewicht abnehmen, ist bei diesen Gruppen auch das Risiko einer Gallenkolik erhöht.

Komplikationen einer Gallenkolik

In der Folge einer Gallenkolik kommt es gelegentlich zu Komplikationen, wie

Bei diesen Komplikationen geht der kolikartige in einen kontinulierlichen Schmerz über. Schmerzen, die über eine halbe Stunde anhalten, sind verdächtig auf solch eine Komplikation. Bei einer bakteriellen Cholangitis treten Fieber und Schüttelfröste auf. Bei einer biliären Pankreatitis breiten sich die Schmerzen von rechts und mittig nach mittig und links aus. In diesen Fällen helfen krampflösende Medikamente (Spasmolytika) nicht mehr.

Diagnostik

ERCP: Nachweis von multiplen große und kleineren Gallensteinen in der Gallenblase sowie von Konkrementen im Gallengang (Ductus choledochus). Hier wird eine Papillotomie zur Steinextraktion durchgeführt. Dies ist die Vorbereitung auf eine laparoskopische Gallenblasenentfernung, so dass während der Operation nicht die auch noch schwierige Steinentfernung aus dem tief liegenden Gallengang durchgeführt werden muss.

Wenn Heftigste Schmerzen im rechten bis mittleren Oberbauch auftreten, die kommen und gehen, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Gallenkolik ausgegangen werden. Die Schmerzen werden oft als

  • Sonographie: Nachweis einer Cholezystolithiasis (Gallenstein in der Gallenblase) oder Choledocholithiasis (Gallenstein im Ausführgang der Galle),
  • MRCP: sie wird eingesetzt, wenn die Sonographie keine eindeutigen Aussagen zulässt.
  • Wenn Gallensteine nicht nachweisbar sind, kommen Mikrolithe (kristalline Kleinstkonkremente) als Auslöser der Kolik in Betracht. Sie können oft durch Endosonographie nachgewiesen werden.
  • Die ERCP ist heute nicht immer die erste Wahl der Diagnostik. Sie wird eingesetzt, wenn ein Gallenstein durch die Sonographie im Gallengang wahrscheinlich gemacht worden ist und dies über eine ERCP mit der Möglichkeit einer sofortigen Steinextraktion bestätigt werden soll.

Therapie

  • medikamentös: Spasmolytika oder Analgetika (außer Morphinen) als Sofortmaßnahme; NSAR können die Progression zu einer Cholangitis verhindern,
  • Behandlung einer evtl. nachweisbaren Choledocholithiasis durch ERCP mit Papillotomie und Steinextraktion. Diese Prozedur kommt auch in Frage, wenn ursächlich eine Mikrolithiasis angenommen werden muss.
  • Eine Cholezystektomie (operative Entfernung der Gallenblase, meist laparoskopisch) entfernt den Ort der Gallensteinentstehung und stellt die beste Vorbeugung dar.

Schmerzen, die nicht innerhalb einer halben Stunde verschwinden oder mit Fieber und/oder Gelbsucht einhergehen, sollten klinisch umgehend untersucht werden.

Eine laparoskopische  Cholezystektomie innerhalb von 24 Stunden nach einer biliären Kolik senkt nach einer Studie das Risiko einer Komplikation während der Wartezeit, die Konversionsrate zu einer offenen Cholezystektomie und die stationäre Aufenthaltsdauer. 2)Cochrane Database Syst Rev. 2008 Oct 8;(4):CD007196. DOI: 10.1002/14651858.CD007196.pub2. Update … Continue reading Auch bei einer milden Pankreatitis ist eine frühe Gallenblasenoperation günstiger. 3)Cochrane Database Syst Rev. 2013 Sep 2;(9):CD010326. DOI: 10.1002/14651858.CD010326.pub2. PMID: … Continue reading Auch bei einer beginnenden akuten Cholezystitis ist sie nicht mit einem erhöhten Komplikationsrisiko verbunden und kann die Zeit des stationären Krankenhausaufenthalts verkürzen. 4)Cochrane Database Syst Rev. 2013 Jun 30;(6):CD005440. DOI: 10.1002/14651858.CD005440.pub3. PMID: … Continue reading

Verweise



Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 

 

Literatur

Literatur
1 JAMA. 2018 Oct 16;320(15):1612. DOI: 10.1001/jama.2018.11868. PMID: 30326127.
2 Cochrane Database Syst Rev. 2008 Oct 8;(4):CD007196. DOI: 10.1002/14651858.CD007196.pub2. Update in: Cochrane Database Syst Rev. 2013;6:CD007196. PMID: 18843746.
3 Cochrane Database Syst Rev. 2013 Sep 2;(9):CD010326. DOI: 10.1002/14651858.CD010326.pub2. PMID: 23996398.
4 Cochrane Database Syst Rev. 2013 Jun 30;(6):CD005440. DOI: 10.1002/14651858.CD005440.pub3. PMID: 23813477.