Biliäre Pankreatitis

Definition

Bauchspeicheldrüsenentzündung, die durch Gallensteine ausgelöst wird.

Diagnostik

Gallensteine in der Gallenblase (Cholezystolithiasis) werden durch die Sonographie relativ sicher nachgewiesen. Gallensteine im Gallengang (Choledocholithiasis) werden durch den Ultraschalluntersuchung des Bauchraums sehr häufig, aber nicht empfindlich genug nachgewiesen. Im negativen Fall kann eine MRCP durchgeführt werden. Am empfindlichsten zu Nachweis auch kleinster Konkremente im Gallengang ist die Endosonographie. Eine ERCP nur zu diagnostischen Zwecken wird heute wegen dem Risiko einer Post-ERCP-Pankreatitis nicht mehr überall favorisiert. Sie erfolgt jedoch aus therapeutische Gründen bei positivem Steinnachweis (s.u.).

Verlauf

Meist lässt sich eine anfängliche Kolik eruieren, die sekundär in einen Dauerschmerz im mittleren und linken Oberbauch mündet. Oft steigt die Lipase stark und rasch an und fällt anschließend auch innerhalb weniger Tage wieder ab, meist deutlich schneller als bei einer Pankreatitis aus anderer Ursache.

Komplikation

Eine biliäre Pankreatitis heilt in der Regel folgenlos aus. Bei sehr heftigen Verläufen kann es jedoch zu einer akuten nekrotisierenden und damit lebensbedrohlichen Pankreatitis kommen.

Therapie

Eine ERC mit Steinextraktion ist im akuten Stadium nur dann erforderlich, wenn man ein eingeklemmtes Konkrement vermutet oder nachweisen kann. Oft finden sich nur Mikrolithen (kleinste Konkremente), die zuvor mit keiner der üblichen bildgebenden Methoden erkennbar gewesen sind.

Nach Abklingen der Pankreatitis sollte im freien Intervall eine Cholezystektomie erfolgen. Wenn eine Choledocholithiasis besteht (Nachweis durch Sonographie oder MRCP) wird zuvor Papillotomie und Steinextraktion (therapeutisches Splitting) durchgeführt.

Bei mehrfacher typischem Ablauf einer akuten Pankreatitis, bei der sonstige Ursachen (z. B. Alkohol, fette Speisen, chronische Pankreatitis) nicht wahrscheinlich sind, bei der zusätzlich eine Kolik eruiert werden kann, und bei der sich die Lipasewerte besonders schnell wieder normalisieren, wird gelegentlich auch ohne Steinnachweis eine subtotale Papillotomie durchgeführt, damit die vermuteten Mikrolithen demnächst problemlos abgehen können.

Wenn eine Papillotomie nicht in Frage kommt, kann die Lithogenität der Galle durch Ursodesoxycholsäure herabgesetzt werden, was das Risiko neuerlicher Koliken bei einer Mikrolithiasis und neuerlicher biliärer Pankreatitiden reduziert.

Verweise