Die Lunge

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft

Die Lunge ist das zentrale Organ für die Atmung. Sie liegt paarig im Brustraum und wird über die Tätigkeit der Zwischenrippenmuskeln und des Zwerchfells (wie ein Blasebalg) belüftet. In ihren Lungenbläschen erfolgt dabei ein Gasaustausch, die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von CO2 (Kohlendioxyd). Der aufgenommene Sauerstoff dient den Körperzellen zur Aufrechterhaltung energieliefernder Stoffwechselprozesse. Besonders sauerstoffabhängig sind Gehirn, Herz und Niere. Zusammen mit der Niere spielt die Lunge bei der Aufrechterhaltung des pH-Werts von Blut und Körperflüssigkeiten (im Säure-Basen-Haushalt) des Menschen die zentrale Rolle. Die Lungenfunktion wird vom Herzen unterstützt, indem es für den Zu- und Abtransport des Bluts sorgt. Eine Funktionsstörung der Lungen kann daher durch eine Lungenkrankheit und auch durch eine Herzkrankheit bedingt sein.


→ Auf facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!
→ Verstehen und verwalten Sie Ihre Laborwerte mit der
Labor-App Blutwerte PRO!



Anatomie

Die Lunge schematisch
Lunge mit beiden Lungenflügel, die über die Trachea (Luftröhre) miteinander verbunden sind. Jeder Lungenflügel ist entsprechend der Aufzweigung der Hauptbronchien in Lungenlappen unterteilt. Die feinsten Aufzweigungen gelangen in die Lungenbläschen, dem Ort des Gasaustauschs. Die Lunge wird durch das rechte Herz (die rechte Herzkammer) mit Blut versorgt. (shutterstock)

Die Lunge ist ein paariges Organ im Brustraum, das dem Gasaustausch dient und zudem den Säure-Basen-Haushalt des Körpers wesentlich beeinflusst. Sie besteht aus einem rechten und einem linken Lungenflügel, die beide durch die großen Hauptbronchien mit der Luftröhre (Trachea) verbunden sind. Trachea und Bronchien stellen zusammengenommen die Atemwege dar. Durch sie strömt die Atemluft in die und aus den Lungenbläschen (Alveolen). Bis zu ihnen hin verzweigen sich die Bronchien in immer feinere Äste und Ästchen (Bronchiolen). In den Alveolen findet der eigentliche Gasaustausch statt. Um die Lungenflügel herum zieht sich das zarte Lungenfell (Pleura), das eine Verschiebung der Lungen bei der Atmung gegenüber der Brustwand ermöglicht.

Die Hauptbronchien verzweigen sich zunächst in der rechten Lunge (dem rechten Lungenflügel) in den Oberlappen, Mittellappen und Unterlappen und in der linken Lunge zunächst in den Oberlappen und den Unterlappen. Einen Mittellappen gibt es links nicht. Die Lungenlappen sind grobe anatomische Grenzen, die für die Ausbreitung eine Bronchopneumonie (von den Bronchien ausgehende Lungenentzündung) und für Operationen an der Lunge von Bedeutung sind.

Durchblutung

Die Durchblutung der Lungen mit sauerstoffarmen Blut wird durch das rechte Herz (den rechten Ventrikel) getrieben. Ähnlich wie sich die Atemwege zur Peripherie hin immer weiter und feiner aufzweigen, zweigt sich auch die große Ader, die vom Herzen zur Lunge zieht (Pulmonalarterie), auf: zunächst in die beiden Lungenflügel, dann immer weiter bis in kleine Kapillaren, die an den Lungenbläschen vorbei ziehen. Sie verlaufen in den dünnen Häutchen, die die Alveolen voneinander trennen (Alveolarsepten), in denen der Gasaustausch stattfindet. Beim Lungenemphysem verschwinden die Trennmembranen allmählich, und die Alveolen verschmelzen miteinander zu größeren Bläschen oder gar Blasen (Emphysemblasen). Ganz entsprechend verschwindet auch eine große Zahl von Kapillaren, und der Gasaustausch wird eingeschränkt. Da damit auch die Zahl der für den Blutfluss zur Verfügung stehenden Kapillaren abnimmt, muss der rechte Herzteil (rechter Ventrikel) das Blut gegen einen zunehmend höheren Widerstand pumpen, was die mit dem Emphysem eintretende Rechtsherzbelastung verursacht (siehe hier).

Atmung

Der Gasaustausch besteht in der Aufnahme von frischem Sauerstoff aus den Alveolen, der beim Einatmen zugeführt wird, und in der Abgabe von Kohlendioxid aus dem Blut in die Alveolen hinein. Damit ist die Ausatemluft sauerstoffärmer und CO2-reicher als die Einatemluft.

Die Atmung geschieht durch Heben und Senken des Brustkorbs (Brustatmung) und durch Kontraktion des Zwerchfells (Bauchatmung). Bei zunehmendem Alter wird der knöcherne Brustkorb jedoch starrer und kann immer weniger zur Atmung beitragen. Kompensatorisch wird die Bauchatmung mehr beansprucht. Bei einer Lungenüberblähung allerdings, dem Lungenemphysem, hat auch das Zwerchfell keine große Möglichkeit mehr, sich weiter zu senken. Damit fällt die Bauchatmung als Ausgleich ebenfalls weitgehend weg. In diesen Fällen kann die Atmung unzureichend werden, es kommt zur Ateminsuffizienz mit Störung des Gasaustauschs und subjektiv zur Atemnot.

Lungenerkrankungen

Die Atemwege werden ständig durch einen Reinigungsprozess gesund gehalten. Dazu wird von der Schleimhaut der Bronchien Schleim produziert, der durch einen speziellen Mechanismus (durch die Arbeit des Flimmerepithels) allmählich nach oben zum Luftröhreneingang wandert. Er reinigt die Atemwege von Schmutz und Staubpartikeln und schützt zugleich die Schleimhaut mechanisch. Wenn das Flimmerepithel durch Entzündungen, eine dauernde Feinstaubbelastung und Rauch (Rauchen!) oder giftige (toxische) Gase geschädigt wird, kann es sich nicht rasch und gut genug wieder aufbauen (regenerieren). Folge ist eine Abnahme der Schutzfunktion, Schleim bleibt stecken, sammelt sich an und wird eitrig. Es entwickelt sich eine chronische Bronchitis. Auch kann sich schließlich Lungenkrebs entwickeln (das Bronchialkarzinom).

Lungenkrankheiten sind Erkrankungen, welche die Lungen insgesamt oder nur bestimmte Teile von ihr betreffen:

Meist sind in unterschiedlichem Ausmaß alle Teile einbezogen.

Wenn bei einer Lungenkrankheit das Lungengewebe in stärkerem Ausmaß einbezogen ist, kommt es zu einer Abnahme der für den Gasaustausch zur Verfügung stehenden Fläche: es kommt zur „Ateminsuffizienz„. Folgen sind Atemnot und allgemeine Leistungsabnahme. Der Körper versucht, dies durch Erhöhung der Atemfrequenz auszugleichen (siehe unter Tachypnoe). Aus diesem Grund wird bei Lungenkrankheiten (insbesondere infektiöser Ursachen) gleich zu Beginn der Behandlung die Atemfrequenz gemessen.

Pulmonale Hypertonie und Rechtsherzinsuffizienz: Wenn die Lunge krank wird, bedeutet das für das „rechte Herz“, d. h. insbesondere für die rechte Herzkammer (rechter Ventrikel, siehe hier) in der Regel zusätzliche Arbeit. Denn fast jede Lungenkrankheit geht mit einer Erhöhung des Widerstands für die Durchblutung einher. Wenn der Widerstand in den Lungen zunimmt, bedeutet das eine Erhöhung des Drucks im „kleinen Kreislauf“, d. h. in der Lungenarterie (Pulmonalarterie). Solch eine „pulmonale Hypertonie“ bedeutet eine besondere Belastung für das rechte Herz (Rechtsherzbelastung). Diese wiederum kann zu einer Schwäche des rechten Herzens (Rechtsherzinsuffizienz) führen, bei der die notwendige Leistung nicht mehr voll erbracht werden kann. Als Folge staut sich Blut in den Körper zurück; es entstehen Wasseransammlungen (Ödeme) an den Beinen, und das Blut wird nur noch unzureichend mit Sauerstoff gesättigt: Lippen, Backen, Ohrläppchen und Fingernägel werden blau (Zyanose). Darunter leiden alle Organe und Gewebe, die auf Sauerstoff angewiesen sind.

Lungenembolie: Wenn der Druck in der Lungenarterie plötzlich zunimmt, wie dies bei einer Lungenembolie der Fall ist, bei der Blutgefäße der Lunge durch Gerinnsel verstopfen, kommt es zu einer sofortigen hohen Belastung des rechten Herzens. Da es keine Zeit hatte, sich an die plötzlich gestiegene Anforderung anzupassen, kann es umgehend dekompensieren. Wenn die Widerstandserhöhung der Lungengefäße dagegen länger anhält und chronisch wird, kann sich der rechte Ventrikel des Herzens daran anpassen; und es entwickelt sich eine pulmonale Hypertonie.

Lungenkrankheiten mit pulmonaler Hypertonie: Verschiedene Lungenkrankheiten können ebenfalls zu einer Druckerhöhung im kleinen Kreislauf führen. Beispiele sind:

  • Die Pneumonie (Lungenentzündung): Sie ist eine potentiell lebensbedrohliche Erkrankung; als Erreger kommen Viren, Mykoplasmen und Bakterien, bei Abwehrschwäche auch Pilze in Betracht. Sie geht fast immer mit Atemnot und schwerem Krankheitsgefühl einher. Ist sie ausgeprägt, so wird das rechte Herz belastet, und es kommt zu einem Abfall der Sauerstoffsättigung des Bluts (Hypoxämie).
  • Das Lungenemphysem: Es ist durch einen Untergang von Lungenbläschen gekennzeichnet. Die Gasaustauschfläche der Lungen schrumpft. Der Widerstand für die Durchblutung der Lungen steigt. Es kommt zu einer ausgeprägten pulmonalen Hypertonie und Herzbelastung und zu starker Atemnot schon bei geringer Belastung.
  • Die Lungenembolie: Ihre Ursache ist in einer erhöhten Gerinnungsfähigkeit des Bluts, in einer Verletzung oder Stauung venöser Blutgefäße (z. B. Beinvenen- oder Beckenvenenthrombose) und im Herzen (Vorhofflimmern, Herzinfarkt) zu suchen. Die Gerinnsel verstopfen die Lungengefäße.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).