Pleuritis

Pleuritis bedeutet Entzündung des Lungenfells.

Entstehung

Eine Lungenfellentzündung geht i. d. R. von einem der beiden Blätter des Lungenfells aus (Pleura visceralis, Pleura parietalis, siehe hier) und kann sich anschließend auf das andere Blatt und über die gesamte Lunge ausbreiten. Die entzündliche Reaktion entsteht auf mehreren Wegen:

  • durch eine Infektion mit Bakterien, Mykoplasmen, Viren oder Pilzen.
  • aseptisch (ohne Infektionsursache), z. B.
    • im Rahmen einer Reaktion auf einen krankhaften (pathologischen) Prozess in unmittelbarer Nachbarschaft, wie einen Knochenbruch,
    • durch eine Operation oder
    • durch Krebs
    • durch eine Autoimmunkrankheit: erbliche autoinflammatorische Erkrankungen (HAIDs) mit Lungen- und Pleurabeteiligung: Beispiele sind die Pleuritis bei familiärem Mittelmeerfieber (FMF) und bei TRAPS (mit Tumornekrosefaktor-Rezeptor assoziiertes periodisches Syndrom) 1) 2016 Dec 15;17(12). pii: E2111.DOI:10.3390/ijms17122111

Verlaufsformen

Eine akute Pleuritis tritt meist im Rahmen einer Lungenentzündung (Pneumonie) auf und ist durch Ausschwitzung von Flüsigkeit und Fibrin (fibrinöse Exsudation) gekennzeichnet. Durch die Ausschwitzung von Flüssigkeit entsteht ein mehr oder weniger ausgeprägter Pleuraerguss.

Eine Rippenfellreizung oder -entzündung entsteht ebenfalls in der direkten Nachbarschaft einer Thoraxwanderkrankung, z. B. einer lokalen Entzündung oder einem Rippenbruch.

Eine chronische Pleuritis führt zu einer langsamen Verdickung der Pleurawand (z. B. bei der Tuberkulose). Sie schmerzt in der Regel beim Atmen nicht. Eine Ursachendiagnostik erfolgt

  • durch bildgebende Verfahren, bei denen ein Tumor in der Lunge oder in der Throraxand entdeckt werden kann,
  • durch eine Punktion der Pleura (Pleurabiopsie) und des Pleuraergusses. Die Proben werden histologisch, zytologisch und bakteriologisch untersucht.
    • Eine tuberkulöse Pleuritis wird durch Nachweis von Tuberkelbakterien in einer Gewebeprobe (Pleurabiopsat) oder im Pleuraerguss diagnostiziert.

Eine Pleuritis carcinomatosa tritt bei Tumorerkrankungen auf, meist bei pleuranaher Absiedlung in den Lungen. Tumorzellen können sich dann durch den Pleuraspalt über das gesamte Lungenfell ausbreiten. Der Nachweis von Krebszellen in einem Pleurabiopsat oder im Pleuraerguss sichert die Diagnose. Alle Tumore, die pleuranahe wachsen, können eine lokale Entzündungsreaktion auslösen. Sie ist schmerzlos. Der Tumortyp wird durch Untersuchung einer Gewebeprobe und von Tumorzellen im Pleuraerguss bestimmt.
Zur Tumorsuche siehe hier.

Symptomatik

Eine akute Pleuritis geht anfangs mit teilweise sehr starken atemabhängigen Beschwerden einher. Wenn in einer Folgephase Pleuraexsudat (entzündlicher Pleuraerguss) entsteht, entfernen sich die beiden Pleurablätter durch die Flüssigkeit voneinander, so dass sie nicht mehr aneinander reiben. Das anfänglich bei einer Auskultation hörbare Reibegeräusch verschwindet wieder. Der Erguss kann den Atemraum so einschränken, dass Atemnot entsteht.

Eine chronisch Pleuritis führt zu einer ständigen Ausschwitzung von Flüssigkeit, so dass ein mehr oder weniger ausgeprägter Pleuraerguss vorliegen kann. Es können aber auch die beiden Pleurablätter miteinander verkleben, was zu einer Einschränkung der Lungenbeweglichkeit bei der Atmung führt. In diesem Fall kommt es zu einer Einschränkung der Atemkapazität mit (belastungsabhängiger) Luftnot.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur   [ + ]

1. 2016 Dec 15;17(12). pii: E2111.DOI:10.3390/ijms17122111