Vergiftungen

Vergiftungen sind mehr oder weniger ausgeprägte gesundheitliche Beeinträchtigungen der Körperfunktion durch schädigende Agenzien (Noxen). Schädigen können chemische Substanzen, so auch Medikamente und auch pflanzliche und tierische Gifte.

Viele Erkrankungen werden durch chronische Belastung von schädlichen Mitteln am Arbeitsplatz hervorgerufen. Besteht ein kausaler Zusammenhang zwischen beruflicher Exposition und Krankheitsgeschehen nach arbeitsmedizinischen Richtlinien, kann eine Berufserkrankung mit Rentenanspruch beantragt werden.

Vergiftungen durch chemische Noxen

Methanol

Wirkung: Bei Methanolvergiftung kommt es zunächst zu lokalen Haut- und Schleimhautreizungen und Rauschzustand. Nach einem symptomfreien Intervall treten Gangunsicherheit, Erregtheit, Zuckungen, Bewusstseinsstörungen und als Ausdruck einer Optikusneuropathie Sehstörungen bis zur Erblindung auf.

Nickel

Wirkung: Plattenepithelkarzinom der Nase.

Mangan

Wirkung: Parkinson-Syndrom mit Rigor, Tremor und Akinese.

Cadmium

Exposition: Zigarettenrauch, Metalle, Galvanik, Batterien (NiCd).

Wirkung: Reizung der Atemwege bis hin zum Lungenödem und Lungenkrebs. Bei chronischer Cadmiumvergiftung Nierenschäden bis zum Nierenkarzinom. Trägt zur Emphysementstehung bei Rauchern bei. Nachweis Vollblut oder Urin.

Quecksilber

Exposition: Thermometer, chemische Industrie, Amalgam-Zahnfüllung.

Wirkung: bei akuter Quecksilbervergiftung: Bronchopneumonien, Gastroenteritis, Nierenversagen. Symptome bei chronischer Quecksilbervergiftung: Ulzerationen der Mundschleimhaut, ZNS- und Nierenbeteiligung. Nachweis im Blut oder Urin.

Blei

Exposition: Blei kommt vor z. B. in Autobatterien, Farben, Rostschutzanstrichen, Rohrleitungen, Metalllegierungen.

Wirkung:Symptom-Trias bei Bleivergiftung: Anämie (Erythrozyten mit Heinz-Körpern), Darmkoliken, Lähmungen (v.a. Nervus radialis mit Fallhand). Tüpfelzellen im Blutaustrich (basophile Tüpfelung der Erythrozyten). Blei wird als Phosphat fest in den Knochen eingebaut und hat so eine hohe Halbwertszeit von ca. 10 Jahren. Organische Bleiverbindungen sind aufgrund der Lipophilie v.a. neurotoxisch. Pathogenetisch liegt eine Hemmung der delta-Aminolävulinsäure zugrunde, die zu einer Blockierung der Hämsynthese führt (Anämie, gesteigerte ALA-Ausscheidung im Harn.) Nachweis nur im Vollblut, da es zu 95% an Erythrozyten gebunden vorliegt.

Chrom

Je höher die Oxidationsstufe des Chroms in seiner Verbindung, desto stärkere kanzerogene Eigenschaften.

Exposition: Galvanik, Farbstoffe, Legierungen, Glasindustrie, Zement.

Wirkung: Ulkus der Nasenscheidewand durch Fingerkontamination (starke Ätzwirkung). Inhalativ führt es zur Chromstaublunge und zum Lungenkarzinom. Allergisches Kontaktekzem. Nachweis im Blut oder Urin.

Benzol

Exposition: Benzin enthält Benzol (laut EU-Vorschrift maximal 1%), auch entsteht es bei Verbrennung von Benzin. Zigarettenrauch. Einige Lösungsmittel.

Wirkung: Bei Benzolvergiftungen wird durch Epoxide als Abbauprodukte v.a. das blutbildende System geschädigt. Es führt zu Leukämien (besonders die akute myeloische Leukämie AML, auch CML). Agranulozytose.

Arsen

Exposition: bis zu den 50er Jahren Pestizid. Grundwasser.

Wirkung: Stark hepatotoxisch: Leberverfettung, Leberzirrhose, hepatozelluläre Karzinome, Hyperkeratosen der Hand- und Fussflächen bis zu Hautkrebs.

Tetrachlormethan

Exposition: Lösungsmittel in Ölen und Harzen.

Wirkung: stark Leberschädigend.

Aromatische Amine

Wirkung: Krebs der harnableitenden Wege.

Trichlorethylen

Wirkung: Humankanzerogen: Nierenzellkarzinome

Styrol

Wirkung: irritativ-toxische Reizung der oberen Atemwege. Toxische Enzephalopathie. Reversible narkotische Effekte.

Nitrobenzol

Wirkung: Durch Metabolisierung von Nitrobenzol entsteht Methämoglobin, was aufgrund des dreiwertigen Eisens den gebundenen Sauerstoff nicht mehr im Gewebe abgeben kann. Es führt zu blauschwärzlichen Zyanose, ab ca. 60% MetHb Konzentration kommt es zum Kollaps und Tod.

Cyanide

Wirkung: Bei der Cyanidvergiftung kommt es durch Wirkung der Blausäure zu Reizerscheinungen der oberen Luftwege, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot. Bittermandelgeruch und rosige Hautfarbe typisch!

Teer

Wirkung: Spinozelluläre Karzinome der Haut (Spinaliome), Basaliome

Vergiftungen durch schädliche Stäube

Hartholzstaub

Wirkung: Adenokarzinom (maligner Tumor von Drüsen ausgehend) der Nasenhöhle und Nasennebenhöhlen.

Asbest

Wirkung: Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose). Mesotheliom des Peritoneums, des Pericards oder der Pleura. Lungenkarzinom. Larynxkarzinom.

Feinstaub

Quarzstaub

Wirkung: tubuläre und glomeruläre Nierenschädigung mit Niereninsuffizienz.

Vergiftungen durch biologische Substanzen

Pflanzliche und tierische Gifte können zu akuten und chronischen Gesundheitsstörungen führen. Sie führen zu toxischen Organschäden und Funktionseinbußen, die mehr oder weniger ausgeprägt oder gar lebensbedrohlich sein können.

Beispiele für pflanzliche Gifte sind die verschiedenen Pilzgifte. Beispiele für tierische Gifte sind Insektengifte und Schlangengifte.

Verweise