Leberparenchym

Als Leberparenchym wird der Teil der Leber bezeichnet, der die Leberzellen (Hepatozyten) enthält. Es wird aus verschiedenen Gründen oft getrennt von den in den Portalfeldern verlaufenden Versorgungsstrukturen betrachtet:

  • Das Leberparenchym ist für die eigentliche Stoffwechselleistung der Leber verantwortlich.
  • Lebererkrankungen können ganz überwiegend im Leberparenchym ablaufen und die anderen Strukturen der Leber nur wenig oder gar nicht betreffen. Umgekehrt können andere Leberkrankheiten ganz überwiegend in den Portalfeldern lokalisiert sein und das Leberparenchym nicht oder kaum betreffen.

Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Funktionen des Leberparenchyms

Im Leberparenchym liegen vor allem die Leberzellen (Hepatozyten), zudem Zellen der kleinsten Blutgefäße, die die Leberzellen umspülen und die sog. Kupffer-Zellen (von Kupffersche Sternzellen). Daneben gibt es einige weitere Zelltypen, die aber quantitativ unbedeutend sind, wie hepatische natürliche Killerzellen und HS-Zellen (hepatic stellate cells, ITO-Zellen). Diese Zelltypen werden vielfach nicht zum eigentlichen Leberparenchym gezählt. Werden sie abgerechnet, so machen die Hepatozyten etwa 80% des Lebergewebes aus.

Hepatozyten

Die Funktionen der im Leberparenchym liegenden Leberzellen (Hepatozyten) betreffen

  • die Bildung körpereigener Eiweißstoffe wie Albumin, Fett transportierende Eiweiße (Apolipoproteine) und Gerinnungsfaktoren des Bluts,
  • die Aufrechterhaltung der Energiezufuhr der Körperzellen mit Energie durch Glukose: Speicherung in Form von Glykogen in Zeiten des Überflusses und Abbau zu Glukose und Abgabe an das Blut im Bedarfsfall,
  • zentrale Stoffwechselfunktion für Fette,
  • die Entgiftung von Stoffwechselprodukten, wie beispielsweise von Ammoniumionen aus dem Eiweißabbau und Bildung von Harnstoff,
  • die Ausscheidung von Gallensäuren oder Bilirubin in die Galle,
  • die Entgiftung und biliären Ausscheidung (Ausscheidung in die Galle) von im Blut gelösten Fremdstoffen inklusive von Medikamenten,
  • die Bildung und Sekretion von Galle.

Kupffersche Sternzellen

Die Funktion der in den Sinusoiden des Leberparenchyms liegenden Kupffer-Zellen betreffen die Entsorgung partikulärer Teilchen, die sie phagozytieren (fressen), so beispielsweise gut erkennbar, wenn Tuschepartikel in das Pfortaderblut injiziert werden. Auf diese Weise “fressen” sie auch Bakterien. Daher werden sie auch als Lebermakrophagen (Fresszellen der Leber) bezeichnet. Sie reagieren auf toxische und entzündungsauslösende Stoffe, die mit dem Darmblut ankommen, und helfen entscheidend bei ihrer Entgiftung.

Durchblutung des Leberparenchyms

Um diese vielfältigen Aufgaben erfüllen zu können, ist die Leber außerordentlich gut durchblutet. Einerseits erhält die Leber sauerstoffreiches Blut von der großen Körperschlagader (Aorta) über die Leberarterie (Arteria hepatica), andererseits nährstoffreiches Blut vom Darm über die Pfortader. Über die Pfortader erhält sie auch Blut der Milzvene, und mit ihm die Blutzucker regulierenden Hormone der Bauchspeicheldrüse, das Insulin und das Glukagon, so dass die Leber rasch auf hormonelle Befehle zur Blutzuckerregulation reagieren kann.

Das sowohl von der Leberarterie als auch von der Pfortader herein strömende Blut verteilt sich über die Abzweigungen in den Portalfeldern in das Leberparenchym zwischen die Leberzellen (Hepatozyten), die von allen Seiten umspült werden. Damit können sie sehr effektiv Substanzen aus dem Blut aufnehmen und Stoffwechselprodukte in das Blut entlassen. Die ungewöhnlich verzweigten kleinen Blutgefäße im Leberparenchym, die “Sinusoide”, enthalten im Gegensatz zu fast allen anderen kleinen Blutgefäßen des Körpers keine “Basalmembran”, so dass dieses sonst vorhandene Diffusionshindernis hier wegfällt. Die Sinusoide vereinen sich in Zentren des Leberparenchyms wieder zur kleinen Venen, den Zentralvenen, die sich zu größeren Venen und schließlich zu den drei großen Lebervenen zusammenfinden, die das Blut in die untere Hohlvene und dann direkt ins rechte Herz leiten.

Gallenkapillaren

Zwischen den in Reihe liegenden Leberzellen befinden sich kleine Kapillaren von kaum 1 ?m Durchmesser, die netzartig miteinander verbunden sind und die von ihnen gebildete Gallenflüssigkeit aufnehmen. Die Gallenkapillaren vereinen sich am Rand der Portalfelder und führen die Galle in die dort befindlichen kleinen Gallengänge ab, die sich wiederum mit anderen vereinigen und schließlich im Hauptgallengang (Ductus choledochus) in den Zwölffingerdarm münden.

Krankheiten des Leberparenchyms

Eine Reihe von Leberkrankheiten betreffen hauptsächlich oder ausschließlich das Leberparenchym und nicht oder kaum die Portalfelder:

  • Die Leberentzündung (Hepatitis) ist primär eine Krankheit des Leberparenchyms. Unter dem Mikroskop erkennt man im histologischen Schnitt Entzündungszellen und Leberzelluntergänge.
  • Die Leberzellverfettung ist bei Übergewichtigen und Adipösen häufig und tendiert dazu, eine Entzündungsreaktion im Leberparenchym hervorzurufen (Fettleberhepatitis, Steatohepatitis).
  • Eine toxische Schädigung der Leber spielt sich häufig vorwiegend im Leberparenchym ab. Bestimmte Bereiche können funktionsbeeinträchtigt sein oder ganz zugrunde gehen. Tetrachlorkohlenstoff zerstört sehr rasch und wirksam das Leberparenchym. Ein drastisches Beispiel ist auch die Knollenblätterpilzvergiftung.
  • Medikamente können die Leber auf verschiedene Weisen schädigen; dies geschieht über toxische oder über allergisch-hypererge Mechanismen (siehe hier). Dies kann schließlich in eine Vernarbung der Leber (Leberzirrhose) münden.
  • Bestimmte angeborene Speicherkrankheiten, so beispielsweise für Glykogen oder bestimmte Fettstoffe, betreffen das Leberparenchym; sie sind sehr selten.

Verweise