Medikamentöse Beeinflussung des RAAS

Artikel aktualisiert am 27. April 2024

RAAS ist ein hormonelles Regulationssystem des Blutdrucks. Es kann an verschiedenen Stellen durch Medikamente beeinflusst werden. Eine medikamentöse Beeinflussung des RAAS wird zur Entlastung des Herzens bei Herzinsuffizienz eingesetzt.

Allgemeines


Eine medikamentöse Beeinflussung des systemischen Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) kann bei einer Linksherzinsuffizienz helfen, die Belastung der Herzmuskulatur zu senken. Möglichkeiten zu einem medikamentösen Eingriff bestehen an verschiedenen Stellen.

Das RAAS gehört nach neuerer Vorstellung zu einem übergeordneten RAS. Das Renin-Angiotensin-System (RAS) besteht aus dem systemischen RAAS und dem Gehirn-RAS. Eine therapeutische Beeinflussungen des Gehirn-RAS ist offenbar ebenfalls eine vielversprechende Therapieoption bei einer Herzinsuffizienz. (1)Int J Mol Med. 2021 Jun;47(6):95. doi: 10.3892/ijmm.2021.4928. (2)Pharmacol Res. 2022 Jan;175:106035. DOI: 10.1016/j.phrs.2021.106035

Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS)

Das Wichtigste verständlich

Kurzgefasst
Das RAAS ist ein Regulationssystem des Körpers zur Anhebung des Blutdrucks und Verbesserung der Organdurchblutung vor allem von Nieren, Herz und Gehirn mit Hilfe der Spannung der arteriellen Blutgefäße und des Blutvolumens. Verschiedene körpereigene Substanzen mit hormonartiger Wirkung wirken dabei kaskadenartig zusammen.

Medikamente können an verschiedenen Stellen der Kaskade eingreifen und erlauben einen Bluthochdruck sehr differenziert zu behandeln.

Hauptvertreter solcher Medikamente sind

Sie kommen zusammen mit Betablockern therapeutisch in Betracht, wenn das Herz entlastet werden soll, was bei einer Linksherzinsuffizienz eine vordringliche Aufgabe ist. Sie wirken sich ebenfalls günstig bei chronischen Nierenerkrankungen aus, bei denen ein zu hoher Blutdruck eine Rolle spielt.

Neue Entwicklungen fokussieren auch auf ein Renin-Angiotensin-System (RAS) im Gehirn. Sie müssen abgewartet werden. Dazu siehe hier.


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Therapieziele

Die Wirkung eines medikamentösen Eingriffs in das RAAS ist für folgende Indikationen belegt: (3)Hypertens Res. 2006 Apr;29(4):211-6

Resultate von Studien

Beispiel Herzinsuffizienz: Bei einer Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) reagiert das Herzkreislaufsystem mit einer erhöhten Aktivität des RAAS und des Sympathicus, um den Blutdruck aufrechtzuerhalten. Diese herzbelastende Regulation wird medikamentös unterbrochen. Gemäß den Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC, 2021) ist die Basistherapie dabei die Trias aus einem ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Hemmer (ARNI), einem Betablocker und einem Mineralcorticoid-Rezeptor-Antagonisten. Die Behandlung kann dem Bedarf angeglichen werden. Solch ein individuelles Vorgehen in häuslicher Betreuung verbessert laut Studien die Überlebenschancen und reduziert die Klinikeinweisungen. (4)Cochrane Database Syst Rev. 2015 Dec 21;2015(12):CD009889. DOI: 10.1002/14651858.CD009889.pub2

Herzinsuffizienz

Beispiel chronische Nierenkrankheit: RAAS-Hemmer verlangsamen das Fortschreiten chronischer Nierenerkrankungen. Eine dreifache Hemmung durch Aldosteronrezeptorantagonisten, ACE-Hemmer und ARB (AT-1- Rezeptorblocker) wirkt besser nierenschützend als eine Zweifachblockade. (5)Am J Kidney Dis. 2008 Sep;52(3):486-93. doi: 10.1053/j.ajkd.2008.02.297

Chronische Nierenkrankheiten

Beispiel diabetische Kardiomyopathie und Nephropathie: Eine frühzeitige und intensive blutdrucksenkende Behandlung mit RAAS-Hemmern hat gegenüber anderen Blutdruck-senkenden Medikamentenklassen erhebliche Vorteile, da sie anhaltende Wirkungen zeigen. Die Blockade des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) unterbricht die molekularen und zellulären Mechanismen, die zu einem Umbau der Herzmuskulatur und von Gefäßen führt. (6)Curr Hypertens Rep. 2011 Aug;13(4):318-24. Eine duale RAAS-Blockade stellt für bestimmte Patienten eine gute Therapieoption zur Vorbeugung auch einer diabetischen Nephropathie dar. (7)Nat Rev Nephrol. 2014 May;10(5):243. PMID: 24296623. In einer Studie waren ein höheres Alter und eine schlechtere Nierenfunktion bei Patienten, die keine RAAS-Blockade erhielten, mit einer höheren Mortalität verbunden. Ansonsten waren keine wesentlichen Unterschiede zu den Kontrollgruppen zu erkennen. (8)Nefrologia (Engl Ed). 2018 Mar-Apr;38(2):197-206 Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz wirken RAS-Blocker eher schädlich. (9)Nefrologia (Engl Ed). 2020 Jan-Feb;40(1):38-45. English, Spanish. doi: 10.1016/j.nefro.2019.02.013

Kardiomyopathie
Diabetische Nephropathie

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Medikamente

Medikamentengruppen, die in das RAAS eingreifen, sind

Verweise

 

 

Literatur[+]