Hypokalzämie

Hypokalzämie bedeutet zu niedrige Kalziumkonzentration im Blut. Sie kann Ursache von Muskelzuckungen, einer erhöhten Krampfbereitschaft und Herzrhythmusstörungen sein.

Allgemeines

Von Bedeutung ist das ionisierte Kalzium, das etwa 50% des Gesamtkalziums ausmacht. Dieser Anteil wird über das Parathormon der Nebenschilddrüse und das D-Hormon (Vitamin D) fein reguliert. Der an Albumin gebundene und der (z. B. an Bikarbonat, Phosphat und Citrat) komplex gebundene Teil, die etwa 45% und 5% ausmachen, spielen für die Wirksamkeit des Kalziums im Stoffwechsel des Körpers keine entscheidende Rolle. Sie wirken sich jedoch auf das gesamt messbare Kalzium aus.

Das Gesamt-Kalzium repräsentiert bei normalen Bluteiweißen in etwa das ionisierte Kalzium, so dass seine Messung in der Routine ausreicht. Bei erniedrigter Albuminkonzentration im Blut (Hypalbuminämie) dagegen sollte das ionisierte Kalzium getrennt gemessen werden.


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!
→ Verstehen und verwalten Sie Ihre Laborwerte mit der Labor-App Blutwerte PRO!


Definition

Sinkt der Kalziumspiegel im Serum bei normaler Albuminkonzentration unter 2,2 mmol/l (entspricht 8,8 mg/dl), so liegt eine Hypokalzämie vor.

Wenn die Albuminkonzentration im Blut außerhalb des Normbereichs liegt, so ist das ionisierte Kalzium ausschlaggebend. Liegt es unter 1.15 mmol/l, so liegt eine funktionell bedeutsame Hypokalzämie vor.

Differenzialdiagnosen

  • Die häufigste Ursache einer Hypokalzämie ist eine Erniedrigung des an Albumin gebundenen Kalzium-Anteils durch eine Hypalbuminämie. Sie entsteht durch
  • Alkalose: bei Anhebung des Blut-pH-Werts sinken die Kalziumwerte.
  • Hypoparathyreoidismus (Unterfunktion der Nebenschilddrüsen): ein erniedrigter Parathormonspiegel entsteht (heute selten) als Komplikation einer Schilddrüsenoperation,
  • akute Pankreatitis, hierbei kann Kalzium mit den durch Selbstverdauung der Bauchspeicheldrüse frei werdenden Fettsäuren als Kalkseifen ausfallen; das Pankreas verkalkt, was in der Sonographie und auf Röntgenbildern erkennbar ist.
  • Nierenversagen mit Phosphatstau im Blut (Hyperphosphatämie), wegen des Löslichkeitsprodukts, das nicht überschritten werden kann, sinkt bei Phosphatanstieg im Blut die Kalziumkonzentration.
  • Massentransfusion von Blutkonserven, die Citrat zur Gerinnungshemmung enthalten; Citrat bindet Kalzium.

Symptome und Folgen

Eine leichte Hypokalzämie bleibt meist lange Zeit symptomlos. Ist sie ausgeprägter, finden sich folgende Symptome und Komplikationen:

  • eine erhöhte muskuläre und nervale Erregbarkeit: Eine Hypokalzämie macht sich durch eine erhöhte Bereitschaft zu Zuckungen der Muskulatur, die sich über Muskelkrämpfe bis zur Tetanie steigern kann, bemerkbar. Klinisch prüft man
    • das Chvostek-Zeichen: beklopft man die Backe im ohrnahen Bereich, so zuckt der gleichseitige Mundwinkel bzw. die Gesichtsmuskulatur (Erregbarkeit des Nervus facialis),
    • das Trousseau-Zeichen: durch Abbindung der Blutzufuhr eines Unterarms kommt es zur Pfötchenstellung (Erregbarkeit der Armnerven).
  • Zeichen einer leichten Enzephalopathie bis hin zu psychotischem Verhalten, Depressionen oder einer Demenz,
  • Herzrhythmusstörungen: es kommt im EKG zu einer Verlängerung der ST-Strecke und des QT-Intervalls mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen. Es kann zu Synkopen kommen,
  • Ausbildung einer Katarakt (Linsentrübung).

Diagnostik

Oft führt eine Routineuntersuchung der Elektrolyte zu eher zufälligen Diagnose einer Hypokalzämie. Es folgen Untersuchungen zur Ursachenklärung:

Diagnostik möglicher Risiken und Folgen

Am wichtigsten ist es, Herzrhythmusstörungen zu erkennen. Dazu dienen das EKG und das Speicher-EKG.

Therapie

Bei einer akuten nervalen Übererregbarkeit mit z. B. Tetanie werden Kalzium-Infusionen verabreicht, die relativ rasch zur Symptombesserung führen. Wenn der Patient unter einer Therapie mit Digitalis-Präparaten steht, sollte die Infusion besonders vorsichtig und unter EKG-Kontrolle erfolgen.

Bei chronischer Hypokalzämie wird meist eine orale Therapie mit Kalzium und Vitamin D eingeleitet.

Ansonsten wird die Grundkrankheit behandelt.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).