Cholangitis

Cholangitis bedeutet Entzündung der Gallenwege. Sie kann bakteriell verursacht sein und akut, hoch fiebrig und lebensbedrohlich verlaufen, sie kann aber auch ohne infektiösen Auslöser durch autoimmunologische Vorgänge entstehen und chronisch verlaufen. Die Therapie ist entsprechend unterschiedlich und setzt eine ausführliche Diagnostik voraus.


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Das Wichtigste

Kurzgefasst
Cholangitis bedeutet Gallenwegsentzündung. Sie wird in eine bakteriell ausgelöste und eine nicht bakteriell ausgelöste Form unterschieden.

Bakterielle Cholangitis: Sie wird durch akuten Beginn, hohes Fieber und starke Schmerzen in rechten Oberbauch auffällig und kann lebensbedrohlich verlaufen. Auslöser ist meist ein Abflusshindernis der Galle durch einen Gallenstein, einen Tumor der Gallenwege oder einen unzureichenden Verschluss der Gallenwege zum Dünndarm hin (z. B. nach einer Papillotomie). Typischerweise sind die Werte der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Blut sowie die Cholestaseparameter stark erhöht, die Transaminasen reagieren deutlich geringer mit. Sie muss antibiotisch behandelt und der Abfluss der Galle wieder hergestellt werden, z. B. durch Beseitigung des Abflusshindernisses oder durch eine Galledrainage nach innen (über eine ERCP) oder außen (perkutane transhepatische Drainage)).

Nichtbakterielle Cholangitis: Hierbei sind die Leukozytenwerte im Blut nicht erhöht. Es kommen Viren als Auslöser in Betracht, so u.a.  CMV oder HIV. Relativ häufige Ursachen sind Autoimmunkrankheiten, bei denen der Körper die Gallenwege durch das eigene Immunsystem angreift. Hierzu gehören die primär sklerosierende Cholangitis (PSC) und die primär biliäre Cholangitis (PBC). Ihre Diagnostik beinhaltet serologische Untersuchungen und bei der PSC eine Darstellung der Gallenwege (z. B. durch MRCP). Zur Behandlung siehe jeweils dort.

 

Einteilung

Klinik

1. Eitrige Cholangitiden: Charcot-Trias

  • Fieber >38 Grad C, manchmal mit Schüttelfrost (65%),
  • Schmerzen am rechten Rippenbogen (Differentialdiagnosen: siehe unter Bauchschmerzen)

2. Nichteitrige Cholangitiden verursachen meist keine oder nur unspezifische Beschwerden (z. B. Abgeschlagenheit, Mattigkeit) und werden erst spät durch Ikterus auffällig.

Diagnostik

Labor

Bei eitrigen Cholangitiden Leukozytose (ca. 15.000/mm3, aber auch stärker ausgeprägt), Bilirubin i.S. meist nur leichte (2-5 mg%), gelegentlich stark erhöht, alkalische Phosphatase und gamma-Glutamyltranspeptidase i.S. deutlich erhöht, GOT (ASAT) und GPT (ALAT) gering erhöht (oft ASAT > ALAT), Amylase i. S. normal (2/3 der Fälle) oder erhöht (1/3 der Fälle).

→ Mehr zu Laborparametern bei Cholestase

Mikrobiologie

Zum Nachweis der auslösenden bakteriellen Erreger dienen Blutkulturen und ggf. eine Kultur aus (bei ERCP) aspirierter Galle.

Sonographie

Sonographisch werden nach folgenden Kriterien gesucht:

→ Mehr zur Sonographie.

ERCP

Die ERCP (bildliche Darstellung der Gallenwege mit Hilfe endoskopischer Techniken) kann der Diagnostik dienen, wenn ein Abflusshindernis als Ursache angenommen wird; dann ggf. endoskopische Therapie durch z. B. Steinentfernunf oder Stenteinlage in den Gallengang.

→ Mehr zum ERCP.

Indikationen einer ERCP bei Cholangitis:

  • zur Sicherung des Galleflusses (z. B. durch Papillotomie und Steinextraktion oder Überbrückung einer Stenose in den Gallenwegen mit einem Stent) wenn die Gallenwege im Sonogramm oder CT erweitert sind
  • zur Erweiterung von Strikturen bei bekannter PSC
  • zum Nachweis der Ursache für eine Keimaszension aus dem Darm (Z. n. Papillotomie, Z. n. Choledochojejunostomie, Z. n. Steinpenetration aus den Gallenwegen in den Darm).

Computertomographie (CT)

Indikationen:

  • zur Diagnostik der Ursache (Gallestauung? Lokalisation des Galleverschlusses? Tumor?)
  • bei unklarer Ursache

→ Mehr zur Computertomographie (CT) der Leber.

Diagnosealgorithmus

Akuter Beginn

Schleichender Beginn

  • Bei nichteitrigen Cholangitiden dominieren erhöhte Cholestaseenzyme; die Leukozytenwerte sind i.d.R. nicht erhöht; bei dieser Konstellation sind Bakterien als Auslöser unwahrscheinlich; dann kommen autoimmune Ursachen in Betracht.
  • Eine Klärung kann durch serologische Untersuchungen zustande kommen (AMA, ANCA, ANA).
  • Oft wird eine Leberpunktion zur histologischen Klärung notwendig.

Differentialdiagnosen der aktuen Cholangitis

Folgende Erkrankungen sind differenzialdiagnostisch zu berücksichtigen:

Komplikationen

Bei einer bakteriellen Cholangitis können sich ein intrahepatischer Abszess (Mikroabszesse sind oft sonographisch nicht nachzuweisen), eine Sepsis sowie ein akutes Nierenversagen entwickeln.

Sonderformen

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).