Colitis ulcerosa – einfach erklärt

Die Colitis ulcerosa ist eine Entzündung des Dickdarms, die meist im jugendlichen oder frühen Erwachsenenalter auftritt und in Schüben verläuft. Meist wechseln sich längere Phasen von Durchfällen, die schleimig oder blutig sein können, mit Phasen normalen Stuhlgangs ab. Die Verlaufsformen sind individuell sehr unterschiedlich. Leichte und schwere Verläufe werden entsprechend unterschiedlich behandelt.  Erfahrungen von Betroffenen lassen sich nicht ohne weiteres auf andere übertragen. Welche Risiken und Komplikationen individuell drohen oder zu beachten sind, sollte mit dem kompetenten behandelnden Arzt besprochen werden.


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Wodurch die Colitis ulcerosa ausgelöst wird

Genetische Grundlage: Die Veranlagung zu einer Colitis ulcerosa liegt in Veränderungen des Erbguts, in genetischen Mutationen. Offenbar gibt es eine Reihe genetischer Faktoren, die zur Bereitschaft für eine Schleimhautentzündung des Dickdarms führen. Die Vielfalt der beteiligten Gene (es sind über 160 bekannt) erklärt auch die unterschiedlichen Ausprägungen und Verläufe.

Dichtigkeit der Darmwand: In jedem Fall scheint die Dichtigkeit und Regenerationsfähigkeit der Dickdarmschleimhaut (Mukosa) im Zentrum des Geschehens zu stehen. Sie wehrt das Eindringen von Darmbakterien ab. Ihre Undichtigkeit bedeutet ein leichteres Eindringen solcher Keime.

Bakterienflora des Darms: Bei Patienten mit Colitis ulcerosa findet man zudem eine etwas andere Zusammensetzung der Bakterienflora (Mikrobiom) des Dickdarms, vor allen der Bakterien, die sich direkt im Schleim auf der Schleimhaut befinden. Und deren Auswirkung auf die Schleimhaut selbst ist sehr ungünstig. Offenbar beeinflussen sich die Mikroflora im Schleim und die Abwehrkräfte der Schleimhaut gegenseitig; und diese Wechselbeziehung ist bei Colitis-ulcerosa-Patienten gestört.

Ernährung: Ausschlaggebend für die Entwicklung der Krankheit sind i.d.R. äußere Einflüsse und Anlässe. So ist offenbar eine Veränderung unserer Ernährung ein bedeutsamer Faktor. Die zunehmende Verarmung der Kost an Ballaststoffen sowie die Anreicherung an Zucker, Stärke und tierischem Fett wird dafür verantwortlich gemacht, dass die Colitis ulcerosa in den letzten Jahrzehnten häufiger geworden ist, auch in Entwicklungsländern.

Auslöser: Aus welchen Gründen Menschen sehr frühzeitig oder erst sehr spät im Leben an der Colitis ulcerosa erkranken, ist noch nicht ganz geklärt. Offenbar gibt es Auslöser, die umweltbedingt sind. So spielt offenbar die Ernährung (s. o.) eine Rolle und erhöht das Erkrankungsrisiko; eine gerade durchgemachte Infektionskrankheit des Darms kann als Auslöser fungieren. Jedenfalls treffen exogene Faktoren auf eine genetisch verankerte Bereitschaft des Darms, krankhaft mit einer Colitis ulcerosa oder einem Morbus Crohn zu reagieren.

Was die Überlegungen zur Colitis-Entstehung für die Therapie bedeuten

Akute Colitis ulcerosa im endoskopischen Bild.

Diese Erkenntnisse haben eine Bedeutung für Überlegungen zur Behandlung der Colitis. Sie fokussieren auf

  • eine Stärkung der Abwehr eingedrungener Bakterien,
  • eine Dämpfung der überschießenden Entzündungsreaktion und
  • eine “Normalisierung” der Zusammensetzung der Bakterienflora des Darms.

Die neuen Erkenntnisse erklären zudem, dass der beste Kangzeiterfolg einer Therapie dann zu erwarten ist, wenn die Dichtigkeit der Schleimhaut wiederhergestellt ist – was nur zu erreichen ist, wenn die Schleimhaut bei der direkten endoskopischen Besichtigung als geheilt aussieht und histologisch keine Entzündung mehr nachweisbar ist. Aber zugleich besagen sie, dass mit einer Normalisierung der Schleimhaut die Veranlagung zu einem neuen Entzündungsschub nicht beseitigt ist; sie bleibt genetisch bestehen.

Welche Verlaufsformen möglich sind

Es gibt viele verschiedene Verlaufsformen der Colitis ulcerosa. Sie liegen zwischen einem schweren und einem milden Verlauf und können sich in ihrer Ausprägung ändern:

Milder Verlauf

Milde Verläufe sind durch eine Beschränkung auf den Enddarm, wenige nur schleimige Stühle, seltenere Schübe und das Fehlen einer Mitbeteiligung anderer Organe, also von “extraintestinalen Manifestationen”, gekennzeichnet. Viele solch leichter Schübe sind anfangs endoskopisch lediglich als samtartige Rötung der Enddarmschleimhaut erkennbar und werden erst im späteren Verlauf, oft erst nach Jahren im Nachhinein mit einer Colitis ulcerosa in Verbindung gebracht, wenn sie sich endoskopisch und histologisch besser manifestiert.

Mittelschwere Verläufe

Sie liegen zwischen leichtem und schwerem Verlauf (s.u.) und können jeden Ausprägungsgrad einnehmen.

Schwerer Verlauf

Eine Colitis ulcerosa mit schwerer Verlaufsform beginnt oft bereits in der Jugend und neigt zu einer Ausdehnung über den gesamten Dickdarm und zu häufigen Krankheitsschüben (Rezidiven). Unzureichend behandelt kommt es zu einer narbigen Umwandlung des Darmrohrs; es wird rigide, kann sich nicht mehr ausreichend bewegen und verkürzt sich. Die für den Dickdarm typischen ringförmigen Schleimhauteinziehungen verschwinden. Bei einer Spiegelung findet man polypenähnliche Schleimhautvorwölbungen, die als falsche Polypen (Pseudopolypen) bezeichnet werden. Die Gefahr, dass sich in einer solchen Schleimhaut Darmkrebs bildet, steigt nach einer 10-15-jährigen Laufzeit der Colitis stark an. Schwere Verlaufsformen werden häufig von “extraintestinalen Manifestationen”, Mitbeteiligungen anderer Organe und Strukturen, begleitet, die jeweils eigene Komplikationen mit sich bringen können (s. o.).

Was eine Backwash-Ileitis ist

Wenn der gesamte Dickdarm entzündet ist, kann auch die Klappenstruktur an der Einmündung des Dünndarms in den Dickdarm (Bauhinsche Klappe) entzündlich geschwollen sein und undicht werden. Es kommt dann zu einem erheblichen Rückfluss von Dickdarminhalt mit seinem massiven Bakteriengehalt in den ansonsten keimarmen Dünndarm und dadurch zu einer Entzündung in seinem Endbereich, dem terminalen Ileum. Eine Besserung kann nur durch Abklingen der Entzündung erreicht werden, oft werden zu den antientzündlichen Maßnahmen (s. u.) Antibiotika verabreicht (z. B. Metronidazol).


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