Bakterielle Cholangitis

Eine bakterielle Cholangitis ist eine Entzündung der Gallenwege, die durch Bakterien ausgelöst und unterhalten wird. Auslöser ist häufig ein Gallestau, bei dem Bakterien die Gallenwege vom Zwölffingerdarm her leicht hoch in die Leber wandern können. Es kommt zu einer rasch aufflammenden, hoch fieberhaften Entzündung mit stark schmerzhafter Leberschwellung, die lebensbedrohlich ist und einer raschen Therapie bedarf.


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Ätiologie und Pathogenese

Um die Diagnose einer bakterielle Cholangitis zu stellen, müssen zusammenkommen:

  • Infektion der Galle:
    Aerobier: E. coli, Klebsiellen, Streptococcus faecalis; Anaerobier: Pseudomonas , Bacteroides fragilis.

Mögliche Infektionswege:

  • Aszension aus dem Duodenum in den Ductus choledochus (am häufigsten)
  • Durchtritt aus dem Pfortaderblut durch die Leberzellen in die Galle
  • Übertritt aus dem Duodenum über die Lymphgefäße in die Galle
  • Deszension aus chronisch infizierter Gallenblase in den Ductus choledochus
  • Sepsis, bakterielle Infektion über die A. hepatica

Klinik

Die bakterielle Cholangitis ist gekennzeichnet durch die “Charcot-Trias”:

Diagnostik

Labor

-> Mehr zu Laborwerten bei Leberkrankheiten siehe hier.

Sonographie

Zum Nachweis von Gallengangserweiterungen als Hinweis auf ein Abflusshindernis der Galle, zum Nachweis einer Cholelithiasis

-> Mehr zur Sonographie der Leber

ERCP

Die endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP) dient dem Nachweis von Gallengangobstruktionen, die Ursache für eine Galleabflussstörung sein können.

-> Mehr zum ERC

Computertomographie

Sie dient der Beurteilung einer durch Sonographie oder ERCP verdächtigten Raumforderung als Abflusshindernis

-> Mehr zur Computertomographie (CT) der Leber

Diagnosealgorithmus

Die klinische Diagnose steht im Vordergrund. Das Labor unterstützt die Diagnose. Ein Erregernachweis sollte versucht werden (Blutkultur, Galleasservation bei der ERCP), ist aber nicht immer möglich. Sonographie und ERCP dienen zur Klärung der Ursache. Die ERC kann zudem therapeutisch genutzt werden, wenn ein Abflusshindernis der Galle vorliegt. Denn im gleichen Arbeitsgang kann ein mögliches Abflusshindernis behoben werden. Ein in Gang gebrachter Galleabfluss ist die beste Voraussetzung für eine rasche Beschwerdefreiheit.

Differenzialdiagnosen

  • akute Cholezystitis
    Murphy-Zeichen, ausgeprägtere, stärker lokalisierte Oberbauchschmerzen, sonographisch verdickte Gallenblasenwand. Eine akute Cholecystitis kann eine akute Cholangitis komplizieren.

Weitere Differenzialdiagnosen der Oberbauchschmerzen siehe hier.

Komplikationen

Therapie

  • Antibiotika (sofort, ohne das Ergebnis der Blutkulturen abzuwarten), Ureidopenizilline (z.B. Piperazillin oder Mezlozillin 3×2 g/d i.v.), zusätzlich Aminoglykoside (in schweren Fällen; z.B. Tobramycin 3-5mg/kg/d i.v. verteilt auf drei Dosen), zusätzlich (bei Sepsis) Metronidazol 3×500 mg/d i.v. (Dosierungen nicht ungeprüft übernehmen!)
  • Sicherung des Galleabflusses, ggf. endoskopische Papillotomie mit Galledrainage, ggf. Steinextraktion durch ERCP

Verweise