Monozyten

Monozyten gehören zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und haben eine Bedeutung bei der Abwehr von Infektionserregern und Fremdmaterial. Sie fallen im Blutausstrich durch ihren großen bohnenförmigen Kern bei relativ schmalem Plasmasaum auf. Es sind verschiedene Suptypen bekannt.

Allgemeines

Monozyten sind relativ große rundkernige Zellen (bis 20 µm), die etwa 2-8% der weißen Blutzellen (Leukozyten) ausmachen und aus dem Knochenmark stammen. Es handelt sich um eine Gruppe von Zellen mit großer Heterogenität. Sie zirkulieren für bis zu 3 Tagen im Blut, wandern auf den Reiz von Mediatorstoffen hin zu Entzündungsgeschehen im Gewebe und bilden sich zu Makrophagen (Fresszellen) um. Zusammen mit ihnen bilden sie das „mononukleäre phagozytierende System“ (MPS), welches für die unspezifische Sofortabwehr und für die Triggerung der spezifischen Immunabwehr des Körpers bei einer Infektion eine entscheidende Rolle spielt. Aus der Milz, dem Hauptspeicherort, können bei Bedarf große Mengen an Monozyten freigesetzt werden.

Alle Monozyten stammen von einer Vorläuferzelle (Precursor-Monozyten) ab; sie entwickeln sich zu zwei Hauptzelltypen: inflammatorische und patroullierende Monozyten. Die patroullierenden suchen nach Erregern und Fremdstoffen und bewirken über Zytokine (wie IL-1ß, Il-6 und TNF-alpha) eine Aktivierung der Knochenmarkform zum inflammatorischem Zelltyp. 1)Annu Rev Immunol. 2009;27:669-92. doi: 10.1146/annurev.immunol.021908.132557. PMID: 19132917. 2)Cell Immunol. 2014 Sep-Oct;291(1-2):22-31. doi: 10.1016/j.cellimm.2014.05.010. Epub 2014 Jun 11. … Continue reading

Aufgaben der Monozyten

Aufgabe der Monozyten ist

  • die Umwandlung in Makrophagen zur Phagozytose (Einverleibung in Vesikel, sog. „Phagosomen“ durch Umschließung mit Zytoplasma) von Fremdmaterial (Viren, Bakterien etc.) und abgebautem bzw. zerstörtem Gewebematerial und
  • Präsentation ihrer Antigene auf der Zelloberfläche (zur Anregung einer immunologischen Abwehrreaktion des Körpers).

Die präsentierten Antigene veranlassen die Immunzellen des Körpers zu einer gezielten Abwehr.

Unspezifische Sofortabwehr

Aus Monozyten entstehen durch Aktivierung Makrophagen, die eine zentrale Rolle bei der unspezifischen Abwehr infektiöser Partikel, wie Bakterien oder Viren, spielen. Sie können zu Epitheloidzellen und mehrkernigen Riesenzellen werden, wie sie beispielsweise bei der granulomatösen Hepatitis, der Sarkoidose und der Tuberkulose vorkommen.

Lymphozytenaktivierung

Über die Antigenpräsentation aktivieren sie T-Lymphozyten zur Antikörperproduktion und tragen somit entscheidend zur Immunabwehr des Körpers bei. Eine B-Zell-Antwort wird durch aktivierte Monzyten unterdrückt, was für Virusinfektionen bedeutsam ist, die einer Immunantwort des Körpers entkommen.

Patrouliierende Zellen, die aktiviert werden, gelangen in Lymphknoten und schütten Entzündungsmediatoren aus, welche die im Knochenmark weilenden Monozyten zu Entzündungszellen umformen, die an den Ort der Infektion wandern und eine Abwehrreaktion herbeiführen. 3)Viral Immunol. 2020 May;33(4):327-333. doi: 10.1089/vim.2019.0132. Epub 2020 Feb 6. PMID: 32027238; … Continue reading

Monozyten und Arteriosklerose

Monozyten können LDL aufnehmen und abbauen. Wenn LDL oxidiert ist, ist der Abbauprozess gestört, und es entstehen Lipid-haltige Schaumzellen, die bei der Entstehung einer arteriosklerotischen Gefäßwandschädigung von ursächlicher Bedeutung sind.

Normale Zahl der Monozyten im Blut

Der „steady-state-Level“ von Monozyten im Blut liegt bei 2×105/ml. 4)Immunol Rev. 2014 Nov;262(1):167-78. doi: 10.1111/imr.12219. PMID: 25319334; PMCID: PMC4203415. Sie machen 2-8% der Leukozyten aus.

Erhöhung der Monozytenzahl, Monozytose

Eine Erhöhung der Monozytenzahl kommt in der Rekonvaleszenz von Infektionen vor. Man findet sie auch bei chronischen Entzündungen, wie der rheumatoiden Arthritis oder dem Lupus erythematodes, der Tuberkulose, der Sarkoidose oder auch bei Virusinfektionen wie Mumps, Pfeifferschem Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose), der EBV-Hepatitis oder Masern. Eine Erhöhung findet man auch bei einigen malignen Lymphomen (siehe hier).


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Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 

 


Literatur

Literatur
1 Annu Rev Immunol. 2009;27:669-92. doi: 10.1146/annurev.immunol.021908.132557. PMID: 19132917.
2 Cell Immunol. 2014 Sep-Oct;291(1-2):22-31. doi: 10.1016/j.cellimm.2014.05.010. Epub 2014 Jun 11. PMID: 24962351.
3 Viral Immunol. 2020 May;33(4):327-333. doi: 10.1089/vim.2019.0132. Epub 2020 Feb 6. PMID: 32027238; PMCID: PMC7247028.
4 Immunol Rev. 2014 Nov;262(1):167-78. doi: 10.1111/imr.12219. PMID: 25319334; PMCID: PMC4203415.