Metabolisches Syndrom

Das metabolische Syndrom, auch Syndrom X genannt, ist eine Zusammenfassung von Risikofaktoren für kardiovaskuläre Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Es hat sich in den letzten Jahrzehnten – bedingt durch zunehmende Bewegungsarmut und falsche Ernährung – weltweit zu einer besonderen Herausforderung für das Gesundheitswesen und die Gesundheitserziehung entwickelt. Metabolisches Syndrom, Diabetes mellitus, Hypertonie, Fettleber, Herzinfarkt und Schlaganfall sind miteinander assoziiert.


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Das Wichtigste

Kurzgefasst
Das metabolische Syndrom wird eher als ein Pathokonzept aufgefasst, als als eigene Krankheit.

Es wird duch Störungen des Zucker- und Fettstoffwechsels bestimmt. So findet man klinisch einen erhöhten Bauchumfang und labochchemisch oft eine erhöhte periphere Insulinresistenz.

Das metabolische Syndrom bedeutet ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus, einer koronaren Herzkrankheit inklusive Herzinfarkt sowie eines Schlaganfalls.

Die Behandlung dient der Vorbeugung dieser Komplikationen und besteht in erster Linie in einer Life-style-Änderung. Medikamentös sind oft Lipidsenker, Blutdrucksenker und Gerinnungshemmer (Thrombozytenaggregationshemmer wie ASS) indiziert.

Definitionen und ihre Entwicklung

Die Definition des metabolischen Syndroms hat sich mehrfach gewandelt.

  • Von der EGIR (European Group for the Study of Insulin Resistance) wurde es in Insulin-Resistenz-Syndrom umbenannt und der Diabetes herausgenommen [2].
  • Das National Cholesterol Education Program (NCEP) Adult Treatment Panel III (ATP III) vertrat die Auffassung, dass das metabolische Syndrom eine Zusammenstellung von Risikofaktoren sein sollte, die für Diabetes mellitus Typ II und kardiovaskuläre Erkrankungen prädisponieren [3][4][5]. Danach war die Insulinresistenz nicht mehr eine Voraussetzung für die Diagnose. Sie konnte gestellt werden, wenn 3 von 5 folgender Kriterien vorlagen: abdominelle Fettsucht (Bauchumfang > 102 cm (m) bzw. >88 cm (f)), erhöhte Triglyzeride, reduziertes HDL-C, erhöhter Blutdruck, erhöhter Nüchternblutzucker. In dieser Definition war der Diabetes wieder in das Syndrom aufgenommen.
  • Die American Association of Clinical Endocrinologists (AACE) stellte die Insulinresistenz wieder in den Mittelpunkt und benannte das Syndrom erneut als Insulin-Resistenz-Syndrom [6].
  • Die International Diabetes Federation (IDF) hat Ende 2004 eine Definition erarbeitet, die weltweit gelten soll [7]. Sie berücksichtigt die Einschätzung, dass Insulinresistenz und Diabetes bisher überbetont waren, und stellt den Bauchumfang in den Mittelpunkt. Er und zwei zusätzliche Symptome aus einer Liste sind für die Diagnose erforderlich (s. u.), die wieder als “metabolisches Syndrom” benannt wird und auch den Diabetes im Spektrum wieder mit enthält (siehe unter Diagnostik).

Je nach Sichtweise werden die einzelnen Faktoren unterschiedlich gewichtet. Eine einheitliche Sicht der Ätiopathogenese und der auf sie gegründeten Therapie fehlt nach wie vor [8][9].

Prädiabetes

Prädiabetes ist nach der Amerikanischen Diabetes Association (ADA) ein Begriff für Bedingungen mit einer mindestens 50%igen Wahrscheinlichkeit, einen Diabetes Typ II zu entwickeln [10] (siehe hier).

Häufige Begleitbedingungen

  • Prothrombotische Bedingung: erhöhte Werte für Fibrinogen und Plasminogenactivator-Inhibitor Typ 1 im Blut (vgl. Thrombose)
  • Abnorme Werte für Fettgewebs-Biomarker (Leptin, Apolipoprotein B und Größe der LDL-Partikel) im Blut

Risikofaktoren

Ein Risiko für die Entwicklung eines metabolischen Syndroms tragen Menschen, bei denen folgende Kriterien eruierbar sind :

  • Familiäre Belastung mit Diabetes Typ II,
  • Mütter von Kindern mit erhöhtem Geburtsgewicht.

Verbreitung, Epidemiologie

Die Häufigkeit des metabolischen Syndroms in der Bevölkerung nimmt stetig zu. Vermutet wird, dass es weltweit bei etwa 1/4 der erwachsenen Bevölkerung vorliegt. Der Anteil in Ländern mit höherem sozioökonomischem Status, zu kalorieenreicher Ernährung und zunehmender Bewegungsarmut wird deutlich höher sein [11][12].

Pathomechanismen

Biochemische Mechanismen

Biochemisch ist das metabolische Syndrom charakterisiert durch eine (unterschiedlich ausgeprägte) periphere Insulinresistenz mit peripherer Hyperinsulinämie und einer Fettstoffwechselstörung mit erhöhten Triglyzeriden und erniedrigtem HDL-Cholesterin [13].

Bezüglich des erhöhten Entzündungsstatus des Körpers werden die im Fettgewebe von Adipozyten produzierten Entzündungsmediatoren (TNF-alpha, Interleukin-6 (IL-6) und CRP) verantwortlich gemacht [14].

Mit dem erhöhten Entzündungsstatus verbunden ist eine erhöhte Gerinnungsneigung mit erhöhtem Risiko für thromboembolische Ereignisse. Biochemisch beruht dies auf der gleichzeitig erhöhten Bildung prokoagulatorischer Faktoren wie Fibrinogen, Faktor VII und Faktor VIII [15].

Glukokortikoide sind Stressmediatoren und führen bei chronischem Stress zu einer Erhöhung der Fettsynthese, einer erhöhten Fettmasse des Körpers, einer erhöhten Glukoneogenese und einer peripheren Insulinresistenz und einer Hypertonie [16][17]. Damit können chronischer Stress und Glukokortikoide die Entwicklung eines metabolischen Syndroms fördern [18].

Rolle der Ernährung

Bezüglich der Fettstoffwechselstörung wird als einer der wesentlichen auslösenden Faktoren ein erhöhter Fettkonsum angesehen. Er führt zu einer nachweisbar erhöhten entzündungsfördernden Stoffwechselveränderung (über nuclear factor kappaB) [19].

Ein vermehrter Konsum von Fruktose in der Nahrung und in Soft-Drinks führt auf Dauer zu einer Leberverfettung, zu einem VLDL-Anstieg und zu einer Gewichtszunahme. Grund ist, dass aus vermehrt aufgenommener Fruktose Triglyceride aufgebaut werden(dazu siehe hier).

Rolle der Gene

Inzwischen sind viele verschiedene genetische Polymorphismen bekannt, die zu einer Verschlecherung der Fettstoffwechselstörung bei Menschen mit Adipositas führen [20][21]. Auch können genetische Varianten zu einer defekten Insulinsekretion führen [22]. Eine Hypothese besagt, dass es eine “sparsame” Genkonstellation gibt, die in Hungrszeiten den Stoffwechsel bremst. Solch eine Konstellation würde jedoch in Zeiten von Nahrungsüberfluss (in heutigen Industrieländern) zu einem Übschuss an Fett im Körper führen und damit zu einem metabolischen Syndrom und zur Zuckerkrankheit prädisponieren [23].


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