Interleukin-6

Interleukin-6 (IL6) ist ein Entzündungsmediator, der von vielen Zelltypen produziert werden kann, besonders von Monozyten und Makrophagen, auch von Endothelien und Epithelien. IL-6 wird auf Intensivstationen zur Akutdiagnostik entzündlicher Prozesse und von Gefäßschädigungen bestimmt.


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Funktionen

IL6 übt eine Reihe von Funktionen aus:

  • Es fördert Entzündungsreaktionen im Körper. Es wird nach Stimulation durch TNF-alpha gebildet und verweilt nur kurz im Blut (Halbwertszeit im Minutenbereich). Durch IL6 wird die Bildung von CRP in der Leber angeregt, welches häufig als akuter Entzündungsparameter genutzt wird.
  • Es fördert Wundheilung. 1) 2001 Aug;21(8):603-9. 2) 2019 Nov 13;2019:2343867. doi: 10.1155/2019/2343867.
  • Es führt zu einer Vielzahl von Organveränderungen, am Herzen beispielsweise zu diffuser Narbenbildung im Sinne einer myokardialen Fibrose und konzentrische Hypertrophie der Herzmuskulatur mit diastolischer Dysfunktion in Versuchstieren. 3)Hypertension. 2010 Aug;56(2):225-31
  • Es stimuliert die Bildung von Glukokortikoiden (kortisonartige Hormone)
  • Die Bildung von IL6 wird durch Statine gehemmt, was beim akuten Koronarsyndrom therapeutisch ausgenutzt wird (siehe hier).
  • Der Il-6-Antagonist Tocilizumab kommt in der Rheumatologie zur Behandlung therapierefraktärer Verläufe bei der rheumatoiden Arthritis, dem Morbus Bechterew und der Polymyalgia rheumatica in Betracht (siehe hier).

Indikationen zur Il6-Bestimmung

Die IL-6-Bestimmung erfolgt meist auf Intensivstationen zur Diagnostik und Verlaufskontrolle akut entzündlicher, traumatischer und ischämischer Prozesse.

Da IL6 bereits innerhalb weniger Stunden und damit rascher als CRP und die Leukozytenzahl im Blut ansteigt, dient es als Parameter zur kurzzeitigen Kontrolle hochakuter Infektionen und Gewebsschädigungen. IL6 reagiert auf infektiöse Entzündungsprozesse wie Sepsis und SIRS sowie auch nicht-infektiöse Gewebsschädigungen, wie sie durch eine Ischämie hervorgerufen wird. IL6 hat keine wesentliche diagnostische Bedeutung bei chronischen Infektionen oder Entzündungen.

Referenzwert

Die obere Normgrenze von Interleukin-6 liegt bei 10 pg/ml.

Die Normwertangaben des Laborinstituts sind zu beachten.

Erhöhte Werte

Erhöhte Werte sind nicht diagnoseweisend. Sie können durch Bakterien, Bakterientoxine, Gewebsquetschungen, Operationen oder Gewebs- und Organischämien hervorgerufen werden.

Von Bedeutung ist die Verlaufskontrolle von IL6 unter Therapie, beispielsweise unter Antibiotika-Therapie bei nachgewiesener oder wahrscheinlicher bakterieller Infektion. Werte oberhalb 1000 pg/ml sind mit einer hohen Letalität verbunden.

Folgende Erkrankungen können besonders hohe Werte bewirken:

Bei Krebs können erhöhte IL6-Werte eine schlechtere Prognose bedeuten. 4) 2013 May;14(6):e218-28. doi: 10.1016/S1470-2045(12)70582-X. 5) 2019 Nov 5;9:1177. doi: 10.3389/fonc.2019.01177.

Erniedrigte Werte

Eine Untergrenze für IL6 gibt es nicht.

Verweise


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).



Literatur   [ + ]

1. 2001 Aug;21(8):603-9.
2. 2019 Nov 13;2019:2343867. doi: 10.1155/2019/2343867.
3. Hypertension. 2010 Aug;56(2):225-31
4. 2013 May;14(6):e218-28. doi: 10.1016/S1470-2045(12)70582-X.
5. 2019 Nov 5;9:1177. doi: 10.3389/fonc.2019.01177.