Procalcitonin

Procalcitonin (PCT) ist die Vorstufe von Calcitonin, einem Hormon der C-Zellen der Schilddrüse, das den Kalziumstoffwechsel beeinflusst. Es dient als Laborwert zur Differenzierung und Verlaufskontrolle von Infektionen und wird zur Verlaufskontrolle schwerer Infektionen, speziell der Sepsis, verwendet.

Diagnostische Bedeutung

Procalcitonin gehört zu den Entzündungsparametern, die besonders auf Intensivstationen Bedeutung erlangt haben. Es reagiert speziell auf eine bakterielle Infektion und wird in diesem Fall nicht nur in der Schilddrüse sondern wahrscheinlich in vielen Organen im Körper gebildet. Es hat eine Halbwertszeit von etwa 1 Tag.

Procalcitonin erlaubt die Differenzierung einer bakteriellen von einer viralen Infektion oder einer SIRS ohne Infektion. Dies ist besonders von Bedeutung, da die Leukozytenzahl in dieser Beziehung nicht immer verwertbar ist und andere Entzündungsparameter solch eine Differenzierung nicht zulassen.

Von Bedeutung ist Procalcitonin in der Frühdiagnose einer beginnenden Sepsis, bei der Verlaufskontrolle und zur Abschätzung der Prognose.

Referenzwerte

  • Grenze 0,5 µg/l,
  • Grenzbereich 0,5-2 µg/l,
  • erhöht >2 µg/l.

Erhöhte Werte

Erhöhte Werte für Procalcitonin finden sich bei Infektionen

  • durch Bakterien,
  • durch Parasiten,
  • durch Pilze.

Procalcitonin wird auch bei Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) und unter einer Chemotherapie maligner Tumore gebildet und kann daher auf eine bakterielle Infektion hinweisen, selbst wenn die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) nicht ansteigen.

Procalcitonin reagiert auf eine bakterielle Infektion innerhalb weniger Stunden und eignet sich für kurzfristige Verlaufskontrollen einer Sepsis (Blutvergiftung durch Bakterien) auf Intensivstationen.

Die Höhe des Procalcitonin-Spiegels gibt einen Hinweis auf die Schwere der Infektion; er ist bei einer Sepsis besonders hoch.

Fehlende Erhöhung

Procalcitonin reagiert nicht mit einer Erhöhung bei

  • Virusinfektionen und
  • Autoimmunkrankheiten (Krankheiten, bei denen sich der Körper durch sein eigenes Immunsystem angreift).

Differenzialdiagnostische Überlegungen

  • Fehlt eine Leukozytose und ist Procalcitonin nicht oder kaum erhöht, so weist dies auf eine Virusinfektion oder eine Autoimmunkrankheit hin.
  • Fehlt eine Leukozytose und ist Procalcitonin deutlich erhöht, so weist dies auf eine Infektion unter Immunsuppression oder Chemotherapie hin; auch muss eine generalisierte Pilzinfektion, die nicht immer mit einer Leukozytose einhergeht, bedacht werden.
  • Besteht eine Leukozytose und fehlt ein deutlicher Procalcitoninanstieg, so sollte ein Differenzialblutbild zur weiteren Abklärung (z. B. einer Leukämie) erfolgen.

Verweise