Jugularvenenpuls

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft

Jugularvenenpuls bedeutet erkennbarer Puls der äußerlich erkennbaren Halsvene (Vena jugularis externa). Er ist ist ein klinisches Zeichen, das auf eine Rechtsherzbelastung mit Undichtigkeit der inneren Herzklappe (Trikuspidalinsuffizienz) hinweist. Charakteristischerweise erfolgt er pulssynchron mit dem arteriellen Puls, der an der Arteria carotis (Halsschlagader) palpiert (getastet) werden kann. Die Ursache dieser Belastung ist zu diagnostizieren.


Untersuchung

Die V. jugularis externa liegt unter dem medialen Rand des M. sternocleidomastoideus. Am besten ist sie neben oder zwischen seinem klavikulären und sternalen Ansatz zugänglich. Wichtig ist die entspannte Haltung des Kopfs. Mit einer Lampe kann die Gefäß-Kontur tangential beleuchtet werden, so daß der Schlagschatten die Pulsationen besser sichtbar macht.

Unterscheidung zum Karotispuls: Palpation der A. carotis communis weiter kranial, lässt sich nicht komprimieren. Auskultation: Der Karotispuls ist synchron mit dem 1. Herzton.
Unterscheidung positiver und negativer Puls: Leichte Komprimierung der Vene submandibulär: Der positive Puls bleibt bestehen, der negative wegen fehlendem venösem Rückstrom nicht.

Pathophysiologie

Der physiologische zentrale Venenpuls ist ein Volumenpuls (keine Druckwelle) und daher bei der körperlichen Untersuchung nicht der Palpation, sondern nur der Inspektion zugänglich. Da er sich invers zum arteriellen Puls verhält, spricht man vom negativen Puls. Der Grund liegt darin, dass während der Systole eine Senkung der Klappenebene stattfindet, die die atriale Füllung fördert und einer venösen Stauung entgegenwirkt. Umgekehrt liegt die Vorhofkontraktion, die zum venösen Rückstau führt, in der ventrikulären Diastole und bedingt einen kurzzeitigen Rückstau.

Die Venenfüllung wird von vielen Faktoren beeinflusst, u. a. von der Körperhaltung, dem art. Blutdruck und dem intrathorakalem Druck. Bei Expiration erhöht sich der Druck, die Venen stauen sich (z. B. beim Reden/Singen), während es bei Inspiration durch erniedrigten Druck zu einem erleichterten venösen Rückfluß kommt.

a-Welle: Atriale Kontraktion zur aktiven Ventrikelfüllung, fehlt bei Vorhofflimmern
c-Kerbe: Ventrikelkontraktion mit Vorwölbung der Trikuspidalklappen in den Vorhof
x-Tal: Senkung der Herzebene. Saugwirkung unterstützt aktiv Vorhoffüllung
v-Welle: Passive diastolische Füllungsphase des Vorhofs
y-Tal: Passive Ventrikelfüllung
Bei der Inspektion sind nur a- und v-Welle erkennbar.

Der positive Jugularvenenpuls ist synchron mit dem Arterienpuls und immer pathologisch. Er weist auf eine Insuffizienz (Undichtigkeit) der Trikuspidalklappe (zwischen rechtem Vorhof und der rechten Herzkammer) hin (Trikuspidalklappeninsuffizienz ). Sie führt zu einem venösen Rückstrom bei Ventrikelkontraktion in der Systole. Ursache der Klappeninsuffizienz ist eine Gefügedilatation der Klappenebene durch Anstieg des Drucks im rechten Herzen oder durch Schwäche der Herzmuskulatur.

Diagnostische Bedeutung

Ein positiver Jugularvenenpuls ist daher ein klinisches Zeichen, dessen Ursachen vielfältig sein können. Sie reichen von einer chronischen Herzinsuffizienz über eine akute Herzmuskelentzündung (Myokarditis) und einen Rechtsherzinfarkt bis hin zu einer akuten oder chronischen Lungenkrankheit (z. B. Asthma, COPD, Emphysem) und pulmonalen Hypertonie (z. B. bei Lungenembolie). Dazu siehe hier.


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Verweise

 


Autor der Seite ist PD Dr. Konrad Buscher (siehe Impressum).