Gastritis – einfach erklärt

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft

Gastritis bedeutet Magenschleimhautentzündung. Sie kann akut mit heftigen Magenschmerzen beginnen oder aber ohne besondere Beschwerden schleichend verlaufen. Ein heftiger (akuter) Beginn kann in einen langwierigen (chronischen) Verlauf münden. Bei Entstehung und Verlauf spielt der Magenkeim Helicobacter pylori meist eine entscheidende Rolle. Weil er das Risiko für Magenkrebs erhöht, sollte er diagnostiziert und bekämpft (eradiziert) werden. Die Seite „Gastritis – einfach erklärt“ macht die Krankheit mit ihren Ursachen, Verlaufsformen, Risiken und Therapiemöglichkeiten verständlich.

Gastritis-Fachinfos.
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Verschiedene Ursachen

Die Auslöser einer Magenschleimhautentzündung sind vielfältig:

  • Infektionserreger
    • Helicobacter pylori, (Hp, der „Magenkeim“, siehe auch unter Hp-Gastritis), eine Hp-Gastritis verläuft unbehandelt meist lebenslang,
    • andere Bakterien, die über verunreinigte Nahrung aufgenommen werden,
    • Viren: eine virale Entzündung heilt meist von selbst folgenlos aus,
  • ständiger Reiz von Galle, die aus dem Dünndarm in den Magen zurück fließt („galliger Reflux„),
  • bestimmte Medikamente, wie beispielsweise einige Rheumamittel (NSAR wie z. B. Diclofenac, Ibuprofen, ASS),
  • Genussgifte, wie Alkohol und Nikotin,
  • eine Überaktivität des eigenen Immunsystems, welches die Magenschleimhaut angreift und zu einer chronischen Gastritis führt (Autoimmungastritis),
  • physikalische Reize wie energiereiche Strahlen (z. B. einer Strahlentherapie) oder thermische Einflüsse (z. B. heiße Getränke).

Stress gilt als ein Faktor, der eine entzündliche Reaktion der Magenschleimhaut fördert. 1)Megha R, Farooq U, Lopez PP. Stress-Induced Gastritis. 2022 May 1. In: StatPearls [Internet]. … Continue reading

Verschiedene Typen

Es werden 3 Gastritis-Typen unterschieden, die sich in ihren Ursachen und in ihren Behandlungsweisen grundsätzlich unterscheiden. Die Haupttypen sind die Typ-A-, Typ-B- und Typ-C-Gastritis. Die Typ-A-Gastritis ist selten und kann nicht geheilt werden; die beiden anderen Typen sind prinzipiell heilbar.

Typ-A-Gastritis

Fundus des Magens bei Typ-A-Gastritis
Bei der Typ-A-Gastritis liegt ein Selbstangriff des Immunsystems auf die Schleimhaut des Magens vor. Die wird dünn und durchscheinend. Hier ein Bild von einer Magenspiegelung.

Die Typ-A-Gastritis ist selten und verläuft von Anfang an chronisch. Sie löst keine besonderen Beschwerden aus und kann viele Jahre unerkannt bleiben. Ihre Ursache ist ein fehlgeleitetes Immunsystem, welches die eigene Magenschleimhaut angreift, und zwar speziell im oberen Magenanteil, wo die Verdauungssäfte produziert werden. Sie ist eine Autoimmunkrankheit. Folge ist ein Mangel an Magensäure und Pepsin (Verdauungsenzym des Magens). In einer späteren Phase der Krankheit kann dies zu unspezifischen Oberbauchbeschwerden (Dyspepsie) führen. Eine besonders bedeutsame Folge ist die Entwicklung einer Blutarmut (Anämie). Sie beruht auf einem Vitamin-B12-Mangel, der mit der Typ-A-Gastritis verbunden ist. Denn für die Resorption von Vitamin B12 aus dem Darm ist die Bereitstellung eines Faktors aus dem Magen erforderlich (Intrinsicfaktor), der aber bei dieser Art der Entzündung auch nicht mehr gebildet werden kann. Typisch für die Blutarmut aus Mangel an Vitamin B12 ist, dass die roten Blutkörperchen übergroß (makrozytär) sind. Diese Blutarmut wird als „perniziöse Anämie“ bezeichnet. Umkehrschluss: Wird sie diagnostiziert, wäre nach einer Typ-A-Gastritis zu suchen. Auch wenn sie nicht heilbar ist, ist die Diagnosebestätigung von Bedeutung, weil bei diesem Typ häufig andere Erkrankungen vorkommen, die behandlungswürdig sind:

→ Fachinfos dazu siehe hier.

Typ-B-Gastritis

Akute Hp-Gastritis
Akute Magenschleimhautentzündung im Bereich des Magenausgangs (Gastroskopie). In der Mitte der Magenausgang (Pylorus). Im Schnelltest ließ sich der Magenkeim Helicobacter pylori nachweisen.

Diese Form ist die häufigste und wird durch den Magenkeim Helicobacter pylori (Hp) ausgelöst. Oft beginnt die Erkrankung mit  akuten Magenschmerzen und Übelkeit, geht dann aber in eine chronische Entzündung über. Die akute Phase wird meist als vorübergehende „Magenverstimmung“ missdeutet. Wenn nach Jahren eine Helicobacterinfektion diagnostiziert wird, kann man sich meist nicht mehr erinnert an den Beginn erinnern. Es ist wichtig, die Keimbesiedlung zu erkennen, da eine chronische Hp-Gastritis ein erhöhtes Risiko für einen bösartigen Tumor, insbesondere für Magenkrebs und ein Magenlymphom, bedeutet. Durch eine kombinierte Behandlung mit Antibiotika und Säureblockern kann der Keimbefall eliminiert werden (Hp-Eradikation).

→ Fachinfos dazu siehe hier.

Typ-C-Gastritis

Typ-C-Gastritis
Typ-C-Gastritis bei galligem Reflux

Diese Form kommt durch chemische Einwirkungen auf die Magenschleimhaut zustande. Häufigste Ursachen sind Medikamente, wie Aspirin und ähnlich wirkende Gerinnungshemmer (z. B. Clopidogrel), Schmerzmittel, Rheumamittel, Antibiotika und Mittel zur Krebsbekämpfung (Chemotherapeutika). Auch Galle, die im Rahmen einer Refluxkrankheit aus dem Dünndarm in den Magen zurückfließt, ist häufig Ursache. Wenn Medikamente infrage kommen, sollte versucht werden, sie durch besser verträgliche zu ersetzen. Wenn galliger Reflux vorliegt, helfen oft Medikamente, die die Magen- und Darmbewegungen koordinieren (Prokinetika). Auch kann Urso (UDCA) symptomlindernd wirken, da es solche Gallensäuren aus der Galle verdrängt, die toxisch auf die Magenschleimhaut wirken.

Diagnostik

Akute Entzündung: Typische Beschwerden einer akuten Entzündung sind Schmerzen im mittleren und linken Oberbauch, verbunden mit Übelkeit und Brechreiz. Diese Symptome sind jedoch vieldeutig und können auch durch ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür oder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) zustande kommen.

Magenspiegelung: Der Nachweis einer Schleimhautentzündung erfolgt durch eine Magenspiegelung (Gastroskopie) und Untersuchung von Gewebeproben aus der Magenschleimhaut (Histologie). Eine Spiegelung lässt direkt erkennen, ob eine Entzündung vorliegt, oder ob der Magensaft gallig aussieht (Galle reizt die Magenschleimhaut, s.o.) und ob sich ein Geschwür (Ulkus) entwickelt.

Eine Schleimhautprobe, die bei der Untersuchung entnommen wird, lässt unter dem Mikroskop erkennen,

  • ob die Schleimhaut mit Magenkeimen (Helicobacter pylori) besiedelt ist (ein Helicobacter-Schnelltest lässt einen Hp-Befall sofort erkennen) und
  • ob eine akute oder eine chronische Entzündung vorliegt,
  • ob die seltene Typ A-Gastritis,
  • ob eine Komplikation (ein Geschwür oder bösartige Geschwulst) vorliegt.

Chronische Entzündung: Sie ist oft weitgehend symptomlos. Unspezifische Oberbauchbeschwerden können eine Magenspiegelung veranlassen, durch die sie entdeckt werden kann. Ansonsten wird sie zufällig bei einer Magenspiegelung aus einer anderen Ursache, z. B. wegen der Suche nach der Ursache einer Anämie, entdeckt.

Behandlung

Eine akute Gastritis mit Oberbauchbeschwerden, Völlegefühl, Übelkeit und Brechreiz reagiert meist gut auf Medikamente gegen Säurebildung. Säureblocker (Protonenpumpenblocker, wie beispielsweise Omeprazol oder Pantoprazol) gehören zu den am häufigsten eingenommenen Medikamenten überhaupt.

Typ A: Bei einer Typ A-Gastritis steht die Behandlung eines dabei vorkommenden Vitamin B12-Mangels im Vordergrund. Die B12-Substitution erfolgt in der Regel durch monatliche Injektionen des Vitamins in die Muskulatur. Die Schleimhautentzündung selbst lässt sich nicht behandeln. Säureblocker sind nicht indiziert.

Typ B: Wenn der Magenkeim Helicobacter nachweisbar ist, sollte er mit einer Kombination von Antibiotika und Säureblockern bekämpft werden. Die Entwicklung von Resistenzen gegen einzelne Antibiotika führte immer wieder zu einer Anpassung der Empfehlungen (siehe unter Helicobacter-Eradikation). Die Behandlung restauriert in frühen Stadien die Magenschleimhaut vollständig. Chronische Veränderungen, die mit einer Schleimhautverdünnung (Atrophie) einhergehen, werden jedoch kaum noch wesentlich gebessert. Wenn bereits eine chronisch atrophische Gastritis eingetreten ist, ist immer noch eine Bekämpfung des Magenkeims Helicobacter zur Vorbeugung von Magenkrebs sinnvoll. Eine Dauertherapie mit Säureblockern ist nicht mehr angezeigt, da im Spätstadium von einer atrophen (verdünnten) Schleimhaut keine Säure mehr gebildet wird.

Typ C: Wenn ein Rückfluss galliger Flüssigkeit aus dem Zwölffingerdarm in den Magen (galliger Reflux) besteht, sollte versucht werden, die gestörten Magendarmbewegungen durch „Prokinetika“ (Medikamente wie Metoclopramid oder Domperidon) zu koordinieren und den galligen Rückfluss zu verhindern. Hilft das nicht, wäre die Behandlung mit Ursodesoxycholsäure (kurz: Urso oder UDCA) für 2-3 Wochen testweise sinnvoll; sie macht die Galle weniger aggressiv.

Risiken und Prognose

Eine akute Gastritis sollte zur Ausheilung gebracht werden. Sie braucht nach erfolgreicher Therapie mit völligem Beschwerderückgang in der Regel nicht durch eine Spiegelung (Gastroskopie) kontrolliert zu werden.

Eine chronische Gastritis bedeutet ein etwas erhöhtes Risiko für die langfristige Entwicklung von Magenkrebs sowie für ein Magenlymphom (eine bösartige Wucherung von Lymphzellen). Bei Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme sollte der Magen durch Spiegelung (Gastroskopie) kontrolliert werden.

Die Typ A-Gastritis sollte nach Empfehlungen in der Literatur in Abständen routinemäßig endoskopisch kontrolliert werden, auch wenn keine Beschwerden vorliegen, denn sie birgt ein etwas erhöhtes Risiko für Magenkrebs.

Verweise

Patienteninfos

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur

Literatur
1 Megha R, Farooq U, Lopez PP. Stress-Induced Gastritis. 2022 May 1. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2022 Jan–. PMID: 29763101.