Cholangiokarzinom

Cholangiokarzinom bedeutet Krebs der Gallenwege. Es wird auch als Gallenwegskarzinom, cholangioläres Karzinom oder cholangiozelluläres Karzinom (CCC) bezeichnet. Das Cholangiokarzinom entsteht durch maligne Transformation der biliären Epithelien und ist histologisch meist ein Adenokarzinom. Es kann auch aus gemeinsamen Vorläuferzellen von Hepatozyten (Leberzellen) und Cholangiozyten (Gallengangsepithelien) entstehen und liegt dann intrahepatisch (intrahepatisches Cholangiokarzinom).

Eine Sonderform des Cholangiokarzinoms ist der Klatskin-Tumor (Definition: cholangioläres Karzinom in der Leberpforte, extrahepatisches Cholangiokarzinom, siehe dort). 1)Dtsch Med Wochenschr. 2009 May;134(19):985-8 2)Übersicht: Z Gastroenterol. 2008 Jan;46(1):58-68


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Häufigkeit

Intrahepatische periphere Cholangiokarzinome stellen 5-10% der primären malignen Lebertumoren dar. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Das Durchschnittsalter liegt bei 55 Jahren. Bei 20% besteht gleichzeitig eine Leberzirrhose, bei 60% eine Cholelithiasis.

Prädisposition

Verschiedene Prädispositionen für die Entwicklung eines Cholangiokarzinoms sind bekannt 3)Eur Rev Med Pharmacol Sci. 2010 Apr;14(4):363-7:

  • Leberparasiten (insbesondere Clonorchis sinensis),
  • Chronische Hepatitis B und chronische Hepatitis C. 4)BMC Cancer. 2012 Jul 16;12:289. doi: 10.1186/1471-2407-12-289

Exogen-toxische Ursachen sind nicht bekannt.

Pathologie

Makroskopisch ist das Cholangiokarzinom der intrahepatischen Gallenwege ein weißlich markiger Tumor. Histologisch handelt es sich um einen muzinbildendes Adenokarzinom. Der Differenzierungsgrad reicht von hoch über mäßig bis zu gering differenziert (Grad 1 bis Grad 3).

Symptomatik

Das intrahepatische Cholangiokarzinom ist lange Zeit klinisch stumm. Eine lokale Einengung und ein kompletter Verschluss kleinerer intrahepatischer Gallengangsäste durch den Tumor kann zu einer lokalen Cholangitis führen, die zu unbestimmtem Druckgefühl im rechten und mittleren Oberbauch beitragen kann. Aber erst bei der Obstruktion größerer Gallengänge beginnt meist eine Gelbsucht (Ikterus), die beunruhigt und zu einer Diagnostik führt. Im fortgeschrittenen Stadium macht sich das Cholangiokarzinom durch eine obstruktive Cholestase mit Ikterus, Juckreiz, Abgeschlagenheit, Übelkeit, Inappetenz und Gewichtsverlust bis hin zur Tumorkachexie bemerkbar.

Diagnostik

Sonographie

Die Sonographie ist meist die erste bildgebende Diagnostik. Sie zeigt den Tumor, die gestauten proximalen und die nicht gestauten distalen Gallenwege. Beim intrahepatischen Cholangiokarzinom kann der Tumor überall im Lebergewebe gefunden werden. Meist veranlasst er eine langwierige und erfolglose Primärtumorsuche, bis schließlich eine (z. B. Sonographie-gestützte) Punktion des Leberherdes und die histologische Untersuchung des Punktionszylinders die Diagnose ergibt.

Eine Lokalisation des Leberherds in der Leberpforte lässt an einen Klatskin-Tumor denken. Die Gallenblase ist dabei unauffällig und bei Galleabflusstörung meist nur sehr gering gefüllt.

Extrahepatisches cholangioläres Karzinom in der Leberpforte (gelb eingekreist) mit Galleabflussstörung und erheblich gestauten intrahepatischen Gallenwegen (gestauter Leberbezirk türkis markiert).

CT

Die Computertomographie (CT) hat einen ähnlichen Aussagewert und ergänzt die Sonographie.

MRT / MRCP

Die Magnetresonanztomographie (MRT) vermag zusammen mit der MR-Cholangiographie (MRCP) wichtige präoperative Informationen (Lokalisation, Stenosierung, Infiltration, Gefäßbeteiligung) zu geben. Zwischen den Befunden bildgebender Verfahren und dem operativen Befund bestehen manchmal Diskrepanzen, die auf einer mikroskopischen Ausbreitung des Tumors (entlang der Mukosa und in den Perineuralscheiden) beruht. Eine solche Ausbreitung kann makroskopisch und in der Bildgebung nicht erkennbar sein. 5)Manfredi R et al. Semin Liver Dis 2004; 24: 155-164

ERC

Die ERC (endoskopische retrograde Cholangiographie) ist die beste Methode, wenn es darum geht, ein Hindernis im Gallenwegsystem zu erkennen und zu lokalisieren und in diesem Fall auch gleich eine Galleableitung zu etablieren. Wenn es nur darum geht, eine Diagnostik und nicht auch gleich eine Therapie durchzuführen, reicht eine MRCP, die das invasive Risiko nicht trägt.  Eine ERC ermöglicht dagegen nicht nur eine Darstellung der Tumorobstruktion, sondern meist auch die Gewinnung einer Gewebeprobe und / oder einer Galleprobe (z. B. für eine bakteriologische Untersuchung). Und sie kann in geeigneten Fällen zur Einlage eines Stents an der Tumorverengung vorbei zum Zweck einer Galledrainage genutzt werden.

Cholangioskopie

Die Cholangioskopie ist eine Methode zur direkten Besichtigung der größeren Gallengänge mit Hilfe eines dünnen Endoskops. Wenn der Gallengangstumor durch das Endoskop erreichbar ist, kann eine gezielte Biopsie für eine histologische Untersuchung entnommen werden.

Gewebeprobe (Punktion)

Die Entnahme einer Gewebeprobe sollte nur bei geplanter palliativer Therapie entnommen werden. Eine routinemäßige Entnahme einer Gewebeprobe vor einer kurativ geplanten Operation wird wegen möglicher Zellverschleppung möglichst vermieden!

→ Mehr zur Leberpunktion

Laborwerte

Da das Gallenwegskarzinom i.d.R. durch Ikterus und entfärbten Stuhl auffällt, sind meist die Cholestaseparameter (Bilirubin, alkalische Phosphatase, Gamma-GT) erhöht. Sie sinken nach Drainage der gestauten Gallenwege.

Bei einer sekundär entstandenen Cholangitis sind die Entzündungsparameter und die Leukozytenzahl im Blut erhöht.

Als Verlaufsparameter der Krebsausbreitung kann in den meisten Fällen der Tumormarker CA 19-9 dienen.

Differentialdiagnosen

Differenzialdiagnosen des intrahepatischen Cholangiokarzinoms

Das intrahepatische Cholangiokarzinom ist histologisch von anderen Leberherden abzugrenzen.

  • Hepatozelluläres Karzinom (HCC). In Zweifelsfällen kann eine Zytokeratinfärbung die Abgrenzung zu hepatozellulären Karzinomen ermöglichen.
  • FNH (bei Frauen)
  • Leberadenom
  • Metastasen von intestinalen Adenokarzinomen. Eine positive Färbung mit Antizytokeratin 20 spricht gegen ein Gallengangskarzinom und eher für eine Metastase.

Differentialdiagnosen des extrahepatischen Cholangiokarzinoms

Der Klatskin-Tumor der Leberpforte kann zu folgenden differenzialdiagnostischen Überlegungen führen:

Mehr zum Klatskin-Tumor siehe hier.

Therapie

Operation bei günstiger Lage, bei zentraler Obstruktion der Gallenwege Stenteinlage durch ERCP oder perkutan transhepatisch, Drainage durch PTD (perkutane transhepatische Drainage).

Chemotherapie und Strahlentherapie

Das intrahepatische Chonagiokarzinom spricht schlecht auf Chemotherapie an. Regime, die ein Ansprechen erwarten lassen, beinhalten 5-Fluorouracil, Doxorubicin, Adriamycin und cis-Platin. Allerdings werden die Regime meist im Rahmen einer multimodalen Therapie zusammen mit einer Strahlentherapie angewandt. In einer Studie wurde eine Remissionsrate von 33,3% berichtet; die Patienten, die ansprachen, hatten ein mittleres Überleben von 15,2 Monaten 6)Int J Radiat Oncol Biol Phys. 1987 May;13(5):687-95.

Durch Bestrahlung oder Chemotherapieregime (FAM, EMFL) ist bisher keine entscheidende Lebensverlängerung erzielt worden. Eine Sondersituation besteht beim Klatskin-Tumor. In Einzelfällen kann Gemcitabin bzw. eine Gemcitabin-basierte Chemotherapie zur Lebensverlängerung beitragen. 7)World J Gastroenterol. 2008 Nov 28;14(44):6876-80 8)Expert Opin Pharmacother. 2005 Feb;6(2):211-23 Dabei kann mit einer Ansprechrate bis zu 30% und ein mittleren Überleben von ca. 15 Monaten gerechnet werden.

Hochenergetische Strahlen können von außen mit Hilfe von “CyberKnife (TM)” stereotaktisch sehr gezielt appliziert werden. In einer Studie an 34 Patienten mit intrahepatischen und hilären Chonangiokarzinomen lag die mittlere progressionfreie Zeit unter dieser Therapie bei 10 Monaten und die mittlere Überlebensrate bei 17 Monaten 9)J Cancer. 2015 Aug 1;6(11):1099-104.

Eine Gegenüberstellung einer Radiochemotherapie (RCT) und einer reinen Chemotherapie an einer großen Fallzahl (n=2842) ergab einen leichten Vorteil für die RCT (Überlebenszeit 13,6 vs. 10,5 Monate). 10) 2018 Jun;9(3):527-535. doi: 10.21037/jgo.2018.01.15.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur   [ + ]

1. Dtsch Med Wochenschr. 2009 May;134(19):985-8
2. Übersicht: Z Gastroenterol. 2008 Jan;46(1):58-68
3. Eur Rev Med Pharmacol Sci. 2010 Apr;14(4):363-7
4. BMC Cancer. 2012 Jul 16;12:289. doi: 10.1186/1471-2407-12-289
5. Manfredi R et al. Semin Liver Dis 2004; 24: 155-164
6. Int J Radiat Oncol Biol Phys. 1987 May;13(5):687-95
7. World J Gastroenterol. 2008 Nov 28;14(44):6876-80
8. Expert Opin Pharmacother. 2005 Feb;6(2):211-23
9. J Cancer. 2015 Aug 1;6(11):1099-104
10. 2018 Jun;9(3):527-535. doi: 10.21037/jgo.2018.01.15.