Akute myeloische Leukämie

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist charakterisiert durch eine unkontrollierte Bildung von Vorstufen der Granulozyten, einer großen Gruppe weißer Blutkörperchen im Knochenmark, mit rasch progredientem Verlauf.


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Entstehung

Ursprung der akuten myeloischen Leukämie ist ein von einer entarteten myeloischen Stammzelle (Knochenmarksstammzelle) ausgehender Zellklon. Je nach Differenzierungsgrad lassen sich verschiedene Formen der AML unterscheiden. Zu ihnen gehören :

  • Myeloblastenleukämie ohne Reifung
  • Myeloblastenleukämie mit Reifung
  • Promyelozytenleukämie
  • monozytäre Leukämie
  • Erythroleukämie
  • Megakaryozytenleukämie

Folgende Ursachen für die Entstehung akuter Leukämien werden angenommen :

  • genetische Prädisposition (familiäre Häufung, Down Syndrom)
  • Virusinfektion (z.B. HTLV1)
  • Chemikalien (z.B. Benzpyren, Benzol, auch Zytostatika)
  • myelodysplastisches Syndrom
  • maligne Lymphome

Die Akute myeloische Leukämie tritt überwiegend im Erwachsenenalter auf im Gegensatz zur akuten lymphatischen Leukämie (ALL), die überwiegend im Kindesalter auf tritt. Im Knochenmark findet man >30% Blasten, die bei Fortschreiten der Erkrankung erheblich zunehmen und die Erythropoese und Thrombopoese verdrängen kann. Folgen sind eine Anämie und eine Thrombozytopenie mit Blutungsneigung (typischerweise Petechien und Ekchymosen). Die sich rapide vermehrenden Blasten werden auch ins periphere Blut ausgeschwemmt und lassen sich dort (Blutbild) nachweisen. Eine Blastenkrise führt häufig zum Tod.

Der Beginn einer Entwicklung in Richtung einer de novo  (durch Spontanmutation entstandenen) AML ist die Bildung von präleukämischen hämatopoetischen Stammzellen und Progenitorzellen (HSPCs), die beginnen sich auszubreiten.

Solche AML-Mutationen findet man auch in HSPCs von Menschen, die gesund bleiben. Dies wird als altersabhängige clonale Hämatopoese bezeichnet (age-related clonal haematopoiesis, ARCH). Prä-AML und ARCH zu unterscheiden, war bisher nicht möglich. Jetzt können sie durch tiefe Genanalyse unterschieden werden. Es erkannt werden, wer gefährdet ist, eine AML (akute myeloische Leukämie) zu bekommen, und zwar schon viele Jahre zuvor. Und es ist möglich geworden, solch eine Prä-AML von ARCH zu unterscheiden. Ziel der Entwicklung ist es, die AML-Gefährdeten schon früh einer besonderen Überwachung zuführen zu können. 1) 2018 Jul 9. doi: 10.1038/s41586-018-0317-6.

Klinik

Symptomatik: Sie ist bestimmt von Abgeschlagenheit und Müdigkeit, wobei diese Symptome zum großen Teil auch als Folge der entstehenden Anämie zu deuten sind. Auffällig ist oft eine ausgeprägte Blässe.

Bei der körperlichen Untersuchung ist auf Petechien und andere Blutungszeichen (z.B. Zahnfleischblutung, Nasenbluten, gastrointestinale Blutung) zu achten. Manchmal ist die Milz tastbar vergrößert. Eine Vergrößerung von Lymphknoten kann fehlen. Hin und wieder findet sich eine Gingivahyperplasie und eine Facies leontina (durch Hautinfiltrationen im Gesicht).

Diagnostik

Wenn folgende Bedingungen zusammen kommen

sollte an die Möglichkeit einer akuten Leukämie gedacht werden.

Beweisend sind Blutbild und Differenzialblutbild (auch im Bereitschaftsdienst und nachts anfertigen!), in dem Blasten erkennbar sind; sind Auerstäbchen (längliche, sich blau anfärbende Plasmaeinschlüsse) in ihnen erkennbar, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine AML.

Die Differenzierung erfolgt durch Knochenmarkpunktion: Es finden sich >30% Blasten und eine erhebliche Verringerung der 3 Blutbildungsreihen bis hin zur Panzytopenie. Zwischen den überwiegenden Blasten und den physiologischen Blutbildungsreihen existiert eine Reifungslücke, der Hiatus leucaemicus.

Histochemisch färben sich Blasten einer Akuten myeloischen Leukämie an (Peroxidase-positiv), die einer ALL nicht (Peroxidase-negativ). Bei der AML finden sich Auer-Stäbchen (basophile Stäbchen im Zytoplasma der Blasten).

Therapie

Als wichtigste Therapieoptionen steht die Chemotherapie zur Verfügung. Die ersten 1-3 Zyklen lassen das primär kurative Ziel oft schon erreichen. Weitere Zyklen werden zur Remissionserhaltung angeschlossen.

In der kompletten Remission wird oft eine Knochenmarktransplantation durchgeführt. Zuvor wird das körpereigene Knochenmark durch Bestrahlung und Chemotherapie zerstört. Die in einer ´Blutkonserve´ übertragenen neuen Knochenmarkstammzellen suchen sich im Körper ihren Einnistungsort wieder im Knochenmark und bilden innerhalb der nächsten 2 Wochen erneut die 3 Blutbildungsreihen.

Lenalidomid (Revlimid®), ein Thalidomid-Analogon mit immunmodulatorischer Wirksamkeit scheint eine gewisse Wirksamkeit bei der akuten myeloischen Leukämie zu entfalten.

Bei der akuten Promyelozytenleukämie hat das Vitamin-A-Derivat Retinsäure (“all-trans retinoic acid, ATRA) eine Positive Wende herbeigebracht. In Kombination mit Anthracyclinen, oder Arsentrioxid sind komplette Remissionsraten von 90% und Heilungsraten von ?80% erzielt worden. 2)Blood Cancer J. 2015 Apr 17;5:e304. doi: 10.1038/bcj.2015.25


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Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur   [ + ]

1. 2018 Jul 9. doi: 10.1038/s41586-018-0317-6.
2. Blood Cancer J. 2015 Apr 17;5:e304. doi: 10.1038/bcj.2015.25