Lenalidomid

Lenalidomid (Revlimid®) ist ein dem Thalidomid verwandtes oral applizierbares Medikament, das immunmodulatorisch wirkt. Es hemmt die Proliferation hämatopoetischer Tumorzellen und die Produktion entzündungsfördernder (proinflammatorischer) Zytokine, so von TNF-alpha und der Interleukine IL6 und L12. Es stimuliert T-Lymphozyten und natürliche Killerzellen. Ein weiterer, stärker wirksamer Thalidomid-abkömmling ist Pomalidomid (Pomalyst ®).


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Das Wichtigste

Kurzgefasst
Lenalidomid ist ein oral verabreichbares Reservemedikament zur Behandlung des multiplen Myeloms. Es erhöht die Ansprechrate von Kortisonpräparaten und verlängert die Zeit, in der die Krankheit nicht fortschreitet, um jeweils etwa das Dreifache. Die mittlere Gesamtüberlebenszeit wird um etwa 6 Monate verlängert. Auch bei der chronisch lymphatischen Leukämie und der akuten myeloischen Leukämie führt Lenalidomid zu einer Verbesserung des progressionsfreien und des Gesamtüberlebens. Unter den Nebenwirkungen dominiert vor allem eine Verschlechterung des Blutbilds.

 

Indikationen

Lenalidomid wurde bisher hauptsächlich im Rahmen von Studien bei Erkrankungen des blutbildenden und lymphatischen Systems eingesetzt.

  • Multiples Myelom: Eingesetzt wird es als Reservemedikament zusammen mit Dexamethason zur Behandlung des Multiplen Myeloms. Die Zugabe von Lenalidomid zu Dexamethason erhöhte die Ansprechrate von 22 auf 61%, das progressionsfreie Überleben von 4,6 auf 13,4 Monate und das mittlere Überleben von 31,6 aud 38,0 Monate [1]. Häufige Nebenwirkungen von Lenalidomid [2] sind Abnahme der Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, Magendarmprobleme mit Übelkeit, Durchfall und Verstopfung, Muskelkrämpfe, Hautausschläge. Es wurden unter Lenalidomid vermehrt Thrombembolien (9% vs. 4% unter Placebo) inklusive Lungenembolien (bis 9% vs. 1% unter Placebo) beobachtet. Auch trat vermehrt Vorhofflimmern auf (18% vs. 11% unter Placebo). Ein wesentlicher Vorteil von Lenalidomid gegenüber den therapeutischen Alternativen Bortezomib oder Thalidomid wurde in Frage gestellt.
  • Akute myeloische Leukämie (AML): Lenalidomid wurde bei 33 älteren Menschen (über 60 Jahre, mittleres Alter 71 Jahre) als Erstlinientherapie einer akuten myeloischen Leukämie (AML) mit meist mittlerer und ungünstigem cytogenetischen Risiko eingesetzt [4]. Die CR/Cri-Raten (CR=komplette Remission, Cri=inkomplette Remission) lag bei 30%, bei Patienten, die die Lenalidomid-Therapie über 12 Zyklen zu Ende führten, bei 53%. Patienten mit niedriger Blastenzahl profitierten am meisten. Unter den schwerwiegenden Grad-3-Nebenwirkungen dominierten Thrombozytopenie, Anämie und Infektionen unter Neutropenie. Die Lenalidomid-Behandlung wird als eine aussichtsreiche Alternative angesehen.

Nebenwirkungen

Übereinstimmend wird über einige zum Teil schwerwiegende Nebenwirkungen berichtet (s.o.).

  • Eine Suppression des Knochenmarks kann zu einer vorübergehenden Verschlechterung des Blutbilds mit Neutropenie (35% vs. 3% unter Placebo) mit Infektionsgefahr und Thrombozytopenie (13% vs. 6% unter Placebo) führen (Blutbildkontrollen!).
  • Wegen Gefahr der Entstehung fetaler Missbildungen, wie sie für Thalidomid bekannt sind, sind strenge Sicherheitsvorschriften einzuhalten, um Kontakt mit Schwangeren auszuschließen (Schwangerschaftstest! Verhütung!).

Bei Niereninsuffizienz (Kontrollen des Kreatinins!) muss die Dosis reduziert werden.

Verweise

Literatur

  1. ? Leukemia. 2009 Nov;23(11):2147-52
  2. ? Prescrire Int. 2008 Dec;17(98):230-2
  3. ? Blood. 2011 Sep 29;118(13):3489-98
  4. ? Blood. 2011 Feb 10;117(6):1828-33