Hepatopathie

Artikel aktualisiert am 12. Januar 2024

Hepatopathie bedeutet krankhafte Störung der Leberstruktur und/oder -funktion. Verwendet wird der Begriff, wenn eine genauere Spezifizierung der Leberkrankheit noch nicht bekannt ist oder nicht benötigt wird, oft auch wenn der Leberschaden nicht sehr ausgeprägt zu sein scheint.

Allgemeines


Aufmerksam wird man häufig auf eine Affektion der Leber durch erhöhte Leberwerte oder eine Abnormität des Lebermusters im Ultraschallbild. Solch eine Auffälligkeit in Struktur und/oder Funktion der Leber kann sich erweisen als

  • eigene Leberkrankheit (z. B. eine Leberentzündung, eine Leberverfettung, ein Gallestau, eine Narbenleber),
  • Mitbeteiligung der Leber im Rahmen einer anderen Erkrankung, z. B. eines Virusinfekts (z. B. bei einer Durchfallkrankheit) oder einer allgemeinen Stoffwechselstörung (z. B. im Rahmen einer Alkoholintoxikation oder dekompensierten Zuckerkrankheit) oder als
  • Nebenwirkung von Medikamenten.

Die Ursache sollte in jedem Fall geklärt werden. Auch wenn manche zufällig entdeckte Auffälligkeiten  vorübergehend sind und wenig beeinträchtigend bleiben, so können sie doch auch eine ernsthafte Krankheit anzeigen und unbemerkt in einer Narbenleber (Leberzirrhose) münden.

Leberkrankheiten

Differenzialdiagnosen einer Hepatopathie


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Hepatische Ursache

Als Differenzialdiagnosen kommen definierte Leberkrankheiten in Betracht. Dazu gehören Krankheiten aus folgenden Bereichen:

  • Hepatitis: Transaminasen stärker erhöht als die Cholestaseenzyme; Unterscheidung zwischen akut und chronisch sowie in infektiös, autoimmun und metabolisch erforderlich,
  • Fettleber: meist mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Entzündung assoziiert,
  • Cholestase: Erkrankungen der Gallenwege (Cholangitis, PBC, PSC), Abflussstörung der Galle (obstruktive Cholestase)
  • Leberzirrhose (Narbenleber): verschiedene Stadien (siehe hier); im ersten Stadium noch kaum Symptome, aber schon deutliche Zeichen in der Ultraschalluntersuchung (Sonographie), später zunehmender Leberausfall und Komplikationen.
  • Angeborene Stoffwechselstörungen (Defekte im Galaktose-, Fruktose– und Tyrosin-Metabolismus), (1)Pediatr Clin North Am. 2018 Apr;65(2):337-352. DOI: 10.1016/j.pcl.2017.11.008
  • Mitochondriale Hepatopathie: sie ist eine neue Gruppe von leberbezogenen Stoffwechselkrankheiten, die durch eine primäre Fehlfunktion der Mitochondrien der Hepatozyten (Leberzellen) gekennzeichnet ist und in einer Zellschädigung, Leberverfettung und Leberversagen mündet. Sie betrifft Kinder und ist bis auf symptomatische Maßnahmen nicht therapierbar. (2)Clin Liver Dis. 2022 Aug;26(3):421-438. doi: 10.1016/j.cld.2022.03.006 Eine Lebertransplantation müsste heilend wirken.
    Die Zelle: Basics
  • Zoonotische Infektionen der Leber (z. B. Wurmerkrankungen)
    • Echinokokkose, (3)Clin Microbiol Rev. 2019;32(2):e00075-18. doi: 10.1128/CMR.00075-18
    • Schistosomiasis (Bilharziose), (4)Mem Inst Oswaldo Cruz. 2004;99(5 Suppl 1):51-7. doi: 10.1590/s0074-02762004000900009
    • Ascariasis (Spulwurmbefall), (5)World J Gastroenterol. 2016 Sep 7;22(33):7507-17. DOI: 10.3748/wjg.v22.i33.7507

Extrahepatische Ursache

Folgenden Grundkrankheiten können eine krankhafte Reaktion der Leber bewirken:

  • Suchtkrankheit: drogenbedingte und alkoholische Leberschädigung,
  • Fettleberhepatitis bei Überernährung und Adipositas
  • diabetisch bedingte Fettleber und glykogenische Hepatopathie, (6)Diabetes Care. 2013 Jan;36(1):e6-7. DOI: 10.2337/dc12-1134.
  • medikamenteninduzierte Leberschädigung,
  • Leberschädigung bei total parenteraler Ernährung,
  • Hepatopathie bei Eklampsie Präklampsie,
  • Mukoviszidose-Hepatopathie,
  • Stauungsleber (kongestive Hepatopathie) (7)Congestive Hepatopathy. Int J Mol Sci. 2020 Dec 10;21(24):9420. DOI: 10.3390/ijms21249420,
  • Malaria, (8)J Postgrad Med. 2006 Oct-Dec;52(4):315-20. PMID: 17102560.
  • Sichelzellanämie. (9)Clin Liver Dis. 2019 May;23(2):177-189. doi: 10.1016/j.cld.2018.12.002

Diagnostik

Jede ungeklärte Leberkrankheit sollte so weit wie möglich diagnostiziert werden.

Nach Anamnese und körperlichem Untersuchungsbefund (Symptome bei Leberkrankheiten) folgen i. d. R. spezielle Laborwerte (Leberwerte) und eine Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs (Sonographie). Je nach der ins Blickfeld gerückten Diagnose kommen weitere diagnostische Maßnahmen hinzu, wie radiologische, endoskopische und genetische Untersuchungen.
Bildgebende Untersuchungen

Diagnostik einzelner Leberkrankheiten


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Verweise

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