Exenatid

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft

Exenatid (engl. exenatide, Byetta®) ist ein Medikament zur Behandlung des frühen Typ-2-Diabetes. Es ist ein Inkretinmimetikum und regeneriert die Wirkung von Glucagon-like Peptid-1 (GLP-1), einem Zucker regulierenden Darmhormon (Inkretin), das bei Patienten mit Typ-2-Diabetes in seiner Wirkung gestört ist.

Weitere Inkretinmimetika sind Liraglutid, Exenatid, Lixisenatid und Semaglutid.


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Das Wichtigste verständlich

Kurzgefasst
Exenatid ist ein Medikament zur Behandlung der Zuckerkrankheit, insbesondere des Typ-2-Diabetes. Es wirkt über eine Stimulierung der körpereigenen Insulinproduktion, was nur funktioniert, solange die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse eine Restfunktion aufweisen. Meist wird Exenatid zusammen mit Metformin angewendet. Es wird gut vertragen; ein Risiko zur Unterzuckerung besteht kaum.

Exenatid kann zusammen mit anderen oralen Antidiabetika wie Metformin und Sulfonylharnstoffen angewendet werden, wenn deren maximale Dosierung ausgereizt ist.

Exenatid wirkt offenbar auch beim Morbus Parkinson günstig und wird in dieser Beziehung weiter untersucht.

Wirkungsweise

Exenatide ist ein synthetisches Exendin-4, ein Peptid, welches die Zucker-abhängige Insulin-Sekretion steigert. Es fördert die ß-Zell-Proliferation und Neubildung im Tiermodell. 1)Diabetes Care. 2003 Aug;26(8):2370-7. DOI: 10.2337/diacare.26.8.2370 Seine Wirkung entfaltet es über Rezeptoren, die GLP-1 erkennen.

GLP-1 (Glucagon-like Peptid-1) wird in Abhängigkeit von der Kohlenhydratzufuhr (nach Nahrungsaufnahme) aus der Darmschleimhaut ins Blut abgegeben und bewirkt an den Inselzellen des Pankreas eine Freisetzung von Insulin. Zudem hemmt es die Sekretion von Glukagon und damit die Glukosebildung und -freisetzung aus der Leber. Es gehört zusammen mit dem Glukose-abhängigen insulinotropen Polypeptid zu den Inkretinen (intestinale Hormone, die den Zuckerstoffwechsel regulieren). 2)Endocr Rev. 1995;16:390–410

Exenatide ist als GLP-1-Agonist (Wirkstoff mit gleicher Wirkung wie GLP-1) auf eine gute Restfunktion der Inselzellen angewiesen; zerstörte Inseln (bei Typ-1-Diabetes oder im insulinabhängigen Stadium des Typ-2-Diabetes) können auf Exenatid nicht mehr reagieren.

Klinische Wirkungen

Diabetes mellitus

In einer frühen Studie bewirkte Exenatide eine signifikante Reduktion von HbA1c bei Patienten, die nicht mehr ausreichend auf Metformin und Sulfonylharnstoffe reagierten. Die verbesserte glykämische Kontrolle war nicht mit einer Gewichtszunahme verbunden. 3)Diabetes Care. 2005 May;28(5):1083-91. DOI: 10.2337/diacare.28.5.1083

In einer großen Studie wurden Erwachsene mit suboptimaler glykämischer Kontrolle (HbA1c 7,1% – 11%) unter oraler Medikation (Metformin, Sulfonylharnstoffe) mit Exenatide (einmal wöchentich) oder mit Glargin (täglich) behandelt. Nach 3 Jahren hatte sich HbA1c unter Exenatid um -1,01% und unter Glagin um -0,81% unter Glargin verbessert. An Nebenwirkungen traten in der Exenatid-Gruppe vor allem Übelkeit (15%), Erbrechen (6%) und Diarrhoe (14%) auf. Sie zwangen meist nicht zum Absetzen und reduzierten sich nach Woche 26 deutlich. Eine Hypoglykämie wurde sehr viel seltener registriert als in der Glargin-Gruppe (0,3 vs. 0,9 Ereignisse pro Patient und Jahr). 4) 2014 Jun;2(6):464-73. doi: 10.1016/S2213-8587(14)70029-4.

In einer Studie wird festgestellt, dass Exenatid in frühen Diabetesstadien (bei neu diagnostizierten übergewichtigen Typ-2-Diabetikern) eine bessere glykämische Kontrolle ermöglicht als Metformin. 5) 2017;2017:9401606. doi: 10.1155/2017/9401606.

Parkinson und Alzheimer Erkrankung

Eine offenbar bedeutende Wirkung betrifft die Neuroprotektion. Bei Parkinsonpatienten bewirkte in einer kleinen Studie eine Behandlung mit dem Medikament eine Verbesserung (laut spezieller Bewertungsskala), wohingegen die Kontrollgruppe im gleichen Zeitraum eine Verschlechterung erfuhr. 6) 2013 Jun;123(6):2730-6. Die Wirkung hielt in einer anderen Untersuchung über 12 Monate an. 7) 2014;4(3):337-44. doi: 10.3233/JPD-140364. 8) 2014 Feb;10(1 Suppl):S38-46. doi: 10.1016/j.jalz.2013.12.005. In Tiermodellen der Alzheimerkrankheit wurde eine günstige Beeinflussung der BDNF-Signalwege (BDNF = brain-derived neurotrophic factor) festgestellt. 9)J Alzheimers Dis. 2019;70(3):793-810. DOI: 10.3233/JAD-190237 Wesentliche Mechanismen beinhalten eine Reduktion von mitochondrialem und endoplasmatischem oxidativem Stress. Im Gehirn senken GLP-1-Rezeptoragonisten entzündliche Mediatorsubstanzen. Im Tierexperiment zeigte sich eine Verbesserung der mitochondrialen Morphologie im Hippocampus. 10)Behav Brain Res. 2019;370:111932. doi: 10.1016/j.bbr.2019.111932 11)Drug Des Devel Ther. 2022 Mar 14;16:665-684. DOI: 10.2147/DDDT.S348055.

Nebenwirkungen

Hypoglykämien traten in Studien sehr selten auf 12)Ann Pharmacother. 2016 Aug;50(8):656-65. doi: 10.1177/1060028016651279. Seltene Nebenwirkungen sind, wie bei allen Inkretinmimetika, Übelkeit und Erbrechen. 13)Diabetol Metab Syndr. 2021 Sep 15;13(1):99. DOI: 10.1186/s13098-021-00713-9

Pankreatitis: Es wurden anfangs sehr wenige, auch schwere Komplikationen und Todesfälle durch eine Bauchspeicheldrüsenentzündung berichtet. Eine große gepoolte Analyse zeigte jedoch keine Assoziation einer Pankreatitis mit einer Exenatid-Einnahme. 14)Diabetes Ther. 2019 Aug;10(4):1249-1270. DOI: 10.1007/s13300-019-0627-1

Krebs als Langzeitnebenwirkung nicht belegt

Eine Assoziation von Exenatid mit Krebs wurde statistisch nicht belegt. [1] 15) 2012 Nov;98(2):271-84. doi: 10.1016/j.diabres.2012.09.008. 16) 2017 Aug;34(8):1791-1814. doi: 10.1007/s12325-017-0499-6. Dies wurde speziell für das Schilddrüsenkarzinom und das Pankreaskarzinom festgestellt. 17)Diabetes Obes Metab. 2019 Apr;21(4):1037-1042. DOI: 10.1111/dom.13597 Im Tiermodell unterdrückte es das Wachstum von inokulierten Endometriumkarzinom-Metastasen. 18)Oncol Rep. 2016 Mar;35(3):1340-8. DOI: 10.3892/or.2015.4476.


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Verweise

Patienteninfos

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 

 


Literatur

Literatur
1 Diabetes Care. 2003 Aug;26(8):2370-7. DOI: 10.2337/diacare.26.8.2370
2 Endocr Rev. 1995;16:390–410
3 Diabetes Care. 2005 May;28(5):1083-91. DOI: 10.2337/diacare.28.5.1083
4 2014 Jun;2(6):464-73. doi: 10.1016/S2213-8587(14)70029-4.
5 2017;2017:9401606. doi: 10.1155/2017/9401606.
6 2013 Jun;123(6):2730-6.
7 2014;4(3):337-44. doi: 10.3233/JPD-140364.
8 2014 Feb;10(1 Suppl):S38-46. doi: 10.1016/j.jalz.2013.12.005.
9 J Alzheimers Dis. 2019;70(3):793-810. DOI: 10.3233/JAD-190237
10 Behav Brain Res. 2019;370:111932. doi: 10.1016/j.bbr.2019.111932
11 Drug Des Devel Ther. 2022 Mar 14;16:665-684. DOI: 10.2147/DDDT.S348055.
12 Ann Pharmacother. 2016 Aug;50(8):656-65. doi: 10.1177/1060028016651279.
13 Diabetol Metab Syndr. 2021 Sep 15;13(1):99. DOI: 10.1186/s13098-021-00713-9
14 Diabetes Ther. 2019 Aug;10(4):1249-1270. DOI: 10.1007/s13300-019-0627-1
15 2012 Nov;98(2):271-84. doi: 10.1016/j.diabres.2012.09.008.
16 2017 Aug;34(8):1791-1814. doi: 10.1007/s12325-017-0499-6.
17 Diabetes Obes Metab. 2019 Apr;21(4):1037-1042. DOI: 10.1111/dom.13597
18 Oncol Rep. 2016 Mar;35(3):1340-8. DOI: 10.3892/or.2015.4476.