Bradykardie

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Bradykardie bedeutet zu langsamer Herzschlag. Was als zu langsam gelten muss, ist individuell unterschiedlich. Sportler beispielsweise haben gelegentlich einen so langsamen Herzschlag, dass er bei Nichtsportlern als krankhaft und schrittmacherpflichtig angesehen werden würde. Üblicherweise werden Herzfrequenzen unter 60/Minute als gering bradykard und unter 40/Minute als stark bradykard angesehen.

Bradykarde Phasen des Herzschlags können mit tachykarden Phasen abwechseln; dies wird als Bradykardie-Tachykardie-Syndrom bezeichnet. Es stellt eine besondere therapeutische Herausforderung dar.

Eine Bradykardie von unter 30/Minute wird oft als Indikation für eine Schrittmacher-Therapie angesehen, da das Risiko für eine Bewusstlosigkeit (siehe MAS-Anfall) stark erhöht ist.

Siehe auch unter Herzrhythmusstörungen.


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Ursache

Ursache ist i. d. R. eine Erkrankung des Sinusknotens und/oder des Reizleitungssystems. Wenn eine familiäre Häufung zu eruieren ist, muss von einer genetischen Prädisposition ausgegangen werden. Eines der in Frage kommenden Gene ist das Ryanodinerezeptor-2 (RyR2)-Gene, das auch beim plötzlichen Herztod eine Rolle spielt. Eine Mutation dieses Gens bewirkt im Hirnstamm eine Veränderung der Neurotransmitterfreisetzung und damit der kardiorespiratorischen Kontrolle mit Risiko von Sinusbradykardie, Apnoe (Atemstillstand), Kollaps und plötzlichem Tod. 1)Proc Natl Acad Sci U S A. 2016 Aug 16;113(33):E4895-903. DOI: 10.1073/pnas.1605216113. Epub 2016 … Continue reading

Symptomatik

Eine zu langsame Herzfrequenz kann – vor allem bei Belastung – zu Schwindel, „Schwarz-werden vor den Augen“, einem Gefühl der Kraftlosigkeit und der Atemnot und zu Bewusstlosigkeit führen.

Meist besteht beim bradykarden Herzen eine mangelhafte Bereitschaft, auf Belastung mit einer Pulserhöhung zu reagieren. Das Gefühl der Blutleere im Kopf und einer Schwäche in den Beinen zwingen zum Anhalten der körperlichen Bewegung, Hinsetzen, Hinhocken oder Hinlegen, sofern es nicht bereits zu einer plötzlichen Synkope gekommen ist. Oft führt solch eine Synkope durch Sturz zu Verletzungen, so dass eine chirurgische Versorgung notwendig wird. Die Dauer der Synkopen ist in der Regel kurz.

Die langsame Herzfrequenz führt wegen der langen Diastole zu einer erhöhten Blutfüllung der Ventrikel und damit zu einem erhöhten Schlagvolumen. Dies kann zur systolischen Blutdruckerhöhung (Hypertonie) und dem Gefühl eines starken Herzklopfens führen. Auch kann es in solchen Phasen zu ventrikulären Extrasystolen (Ersatzschlägen) kommen, die ebenfalls wegen des besonders hohen Volumens unangenehm gespürt werden.

Bei anhaltender Bradykardie ohne belastungsabhängige Frequenzsteigerung kommt es zu einer Herzinsuffizienz, die schon geringe körperliche Tätigkeiten einschränken kann. Es kommt bei geringer Anstrengung bereits zu Luftnot, Schwindel und Versagen der Beine.

Diagnostik

Die Diagnostik richtet sich auf den Nachweis der Bradykardie und auf die ihr zugrunde liegende Ursache.

Eine Bradykardie lässt sich durch Untersuchung des peripheren Pulses, durch Auskultation des Herzens und durch ein EKG nachweisen. Werden bradykarde Phasen vermutet, die nur gelegentlich oder nur in besonderen Situationen, beispielsweise im Schlaf, auftreten, ist ein Speicher-EKG für einen oder mehrere Tage indiziert.

→ Mehr zum Puls siehe hier.

Ursachen

Als Ursachen kommen in Betracht (Auswahl):

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Ursache.

Oft reicht es, ein verantwortliches Medikament, z. B. einen Beta-Blocker, ein Digitalispräparat oder Verapamil (kritisch können Kombinationen solcher Medikamente sein) vorübergehend auszusetzen und anschließend geringer zu dosieren oder ganz abzusetzen.

Bei einer vorübergehenden Bradykardie (z. B. im Rahmen eines überschießenden Vagus-Reflexes) kann ein Sympathicomimeticum (z. B. Adrenalin) oder ein Anticholinergicum (z. B. Atropin, Ipratropiumbromid (Itrop®) oder Butylscopolamin (Buscopan®)) zu einer Beschleunigung der Herzfrequenz führen.

Bei einer anhaltenden symptomatischen Bradykardie kann die Implantation eines passageren oder dauerhaften Schrittmachers indiziert sein.

Verweise

Patienteninfos

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur

Literatur
1 Proc Natl Acad Sci U S A. 2016 Aug 16;113(33):E4895-903. DOI: 10.1073/pnas.1605216113. Epub 2016 Aug 1. PMID: 27482086; PMCID: PMC4995941.