Pankreatitis – Neues

Die Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) ist eine schwerwiegende Erkrankung mit dem Risiko akuter Komplikationen und Langzeitfolgen. Unter “Pankreatitis – Neues” wird auf wichtige und neue Arbeiten hierzu hingewiesen.

Siehe auch Diabetes – Kompendium


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Auszüge aus ausgewählten Veröffentlichungen

DFPP zur Behandlung der Pankreatitis durch Hypertriglyceridämie

Eine schwere Hypertriglyceridämie kann eine akute Pankreatitis auslösen. Eine spezielle Apherese-Technik, die “double filtration plasma apheresis” (DFPP), kann die Besserung beschleunigen. Siehe hier.

Indometacin vor der ERCP schützt besser vor der Post-ERCP-Pankreatitis

Rektales Indometacin reduziert das Pankreatitisrisiko einer ERCP. Wird es vor dem Eingriff verabreicht, so ist es sogar wirkungsvoller als danach – ohne das Blutungsrisiko zu erhöhen (siehe hier)!

Eosinophile Pankreatitis, extrem selten – aber wichtig

Sie wird häufig als Pankreaskarzinom diagnostiziert. Und sie wird anders behandelt, als andere Pankreatitisformen (siehe hier).

IgG4-assoziierte Pankreatitis, eine neue Entität!

Siehe hier.

Autoimmunpankreatitis: 2 Typen!

Die Autoimmunpankreatitis tritt in zwei Formen auf. Der Typ 1 wird nun als Manifestation einer systemischen Erkrankung, die viele Organe und Gewebe betreffen kann, angesehen. Das ist für die Prognose, die Umfelddiagnostik und die Therapie von Bedeutung (siehe hier).

Operative Behandlung

Die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung kann sehr schmerzhaft verlaufen und stellt ein erhöhtes Krebsrisiko dar. Es gibt neue Erfahrungen mit der totalen Pankreatektomie plus Inselzelltransplantation (siehe hier).

Schwere Hypertriglyceridämie: Risikofaktor für eine akute Pankreatitis

Eine schwere Hypertriglyceridämie (über 1000 mg/dl) ist nicht nur mit Komplikationen einer koronaren Herzkrankheit sondern auch mit einem deutlich erhöhten Risiko einer akuten Pankreatitis assoziiert, wie wieder festgestellt wurde (siehe hier).

Warum Alkohol so leicht eine Pankreatitis auslöst

Es gibt Menschen, die besonders leicht und nach nur geringem Alkoholgenuss eine Bauchspeicheldrüsenentzündung bekommen. Viele von ihnen haben eine genetische Prädisosition (siehe hier).

Medikamente müssen als Ursache einer Pankreatitis in Betracht gezogen werden

Die Medikamenten-bedingte Pankreatitis wird möglicherweise zu selten diagnostiziert. Schlüssel zur Therapie ist das Absetzen des angeschuldigten Medikaments. Die Liste der in Frage kommenden Medikamente wird immer länger (siehe hier).

Octreotid verhindert schwere Verlaufsform bei akuter Pankreatitis

Adipositas ist ein Risikofaktor für die Entwicklung einer schweren Verlaufsform einer akuten Pankreatitis [1]. Octreotid, im Anfangsstadium verabreicht, vermag bei diesen Patienten die Progredienz zu einer schweren Verlaufsform wirkungsvoll zu verhindern [2].

Pankreatitis-Risiko bei Coeliakie (Sprue)

Die Coeliakie (einheimische Sprue) weist ein dreifach erhöhtes Risiko für eine Pankreatitis auf [3].

Autoimmunpankreatitis: 2 Typen

Die bisher undifferenziert betrachtete Autoimmunpankreatitis (AIP) besteht aus zwei Typen, der AIP Typ1 und der AIP Typ 2. Die traditionelle AIP entspricht der AIP Typ 1; sie wird auch als lymphoplasmazytisch sklerosierende Pankreatitis (LPSP) bezeichnet und ist durch eine geschwollene Duodenalpapille (Papilla Vateri) mit deutlich erhöhter Zahl von IgG4-positiven Plasmazellen gekennzeichnet [4]. Der Typ 1 tritt beim männlichen Geschlecht häufiger auf als beim weiblichen. Er gehört zu den IgG4-assoziierten Erkrankungen. Der Typ 2 überwiegt im ostasiatischen Bereich. In Europa ist er seltener und tritt eher bei jüngeren Menschen und etwa bei den Geschlechtern gleich verteilt auf. Bei ihm kommen häufiger eine akute Pankreatitis und eine Colitis ulcerosa vor. Die Therapie besteht aus oral verabreichtem Prednisolon (0,6 mg / kg / Tag) für 2-4 Wochen, dann Reduktion auf eine Erhaltungsdosis von 2,5 bis 5 mg / Tag über einen Zeitraum von 2-3 Monaten, danach Reduktion auf eine niedrige Dosis (unter Laborwertkontrollen) für 1-3 Jahre zur Prophylaxe eines Wiederaufflammens (Relaps) [5].

Rituximab zur Therapie der Autoimmunpankreatitis Typ 1

Rituximab, ein Antikörper gegen Lymphozyten mit dem Oberflächenmarker CD20, hat bei über 83% der Patienten mit Autoimmunpankreatitis (AIP) Typ 1, die auf Steroide und Immunmodulatoren (z. B. Azathioprin) intolerant oder refraktär reagierten, wurden mit Rituximab behandelt. Von 17 Patienten reagierten 12 (83%) mit kompletter Remission [6]. Rituximab scheint daher eine Therapieoption bei schwer behandelbarer AIP darzustellen.

Pankreatitis bei Kindern

Bei Kindern hat eine Untersuchung einer Serie von 34 Kindern (Durchschnittsalter 11 Jahre) mit akuter Pankreatitis und 11 Kindern mit wiederholten (rekurrierende) Pankreatitis-Schüben ergeben, dass folgende Ursachen am häufigsten vorliegen und am ersten differenzialdiagnostisch zu bedenken sind [7]:

  • eine akute Pankreatitis wurde am häufigsten ausgelöst durch Medikamente (11/34) und Gallenwegserkrankungen (9/34); systemische Erkrankungen spielten eine untergeordnete Rolle.
  • einer rekurrierenden Pankreatitis lag eine Anomalie der Gallenwege am häufigsten zugrunde (6/11), seltener eine hereditäre Ursache (2/11).

Transgastrale endoskopische Behandlung der nekrotisierenden Pankreatitis

Die nekrotisierende Pankreatitis ist durch die Selbstverdauung mit dem hohen Risiko einer bakteriellen Infektion und einer von dort ausgehenden Sepsis eine lebensgefährliche Komplikation der Pankreatitis. Eine chirurgische Nekrosektomie (Ausräumung der Nekrosen) ist oft erforderlich. Eine Studie an 20 Patienten hat gezeigt, dass auch eine endoskopische transgastrale Nekrosektomie (Zugang durch die Magenwand in die Nekrosehöle)) zu einer Reduktion der Entzündungsaktivität (gemessen am IL-6-Spiegel) und zu etwa gleichen Ergebnissen führen kann wie eine chirurgische Therapie [8].

Alkohol und chronische Pankreatitis

Unklar war bisher, warum nur wenige Menschen auf Alkohol hin eine chronische Pankreatitis entwickeln, die meisten anderen Menschen jedoch nicht. Schon früher wurde eine Assoziation von alkoholischer Pankreatitis und einer Mutation auf dem SPINK1-Gene festgestellt [9]. Nun haben Untersuchungen erneut auf solch eine genetische Assoziation hingewiesen [10]. Sie scheint zusammen mit anderen Auslösern eine Voraussetzung für die intrazelluläre Aktivierung von Trypsin zu sein.

Pankreatitis-Prophylaxe bei ERCP

Nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR) wurden schon länger als Prophylaxe einer Post-ERCP-Pankreatitis propagiert. In einer großen Multicenter-Studie an 602 Patienten mit erhöhtem Pankreatitis-Risiko (bei der Mehrzahl wurde eine Sphincter-Oddi-Dysfunktion vermutet) wurde nun nachgewiesen, dass eine Einmaldosis von Indomethacin als Rektalsuppositorium zu einer Reduktion der Post-ERCP-Inzidenz von 16.9% (Placebo-Gruppe) auf 9,2% führte [11].

Sulindac zur Therapie der chronischen Pankreatitis

Sulindac ist ein nicht-steroidales Antiphlogisticum (NSAR), das unspezifisch gegen Entzündungen wirkt. In einem Mausmodell einer durch Caerulein induzierten Pankreatitis reduzierte Sulindac deutlich die Schwere der Entzündung über eine Reduktion von Entzündungsmediatoren wie TNF-alpha, den Verlust funktionsfähiger Acini, die Einwanderung von Entzündungszellen sowie die Fibrosierung der Bauchspeicheldrüse. Sulindac wird als erfolgversprechende Therapieoption bei der chronischen Pankreatitis angesehen [12].

Cannabidiol zur Therapie der akuten Pankreatitis?

Cannabidiol ist ein psychoaktives Alkaloid aus weiblichem Hanf. Es wirkt antiinflammatorisch. Im Maus-Modell der Cerulein-induzierten Pankreatitis führt es nach intraperitonealer Applikation zu einer deutlichen Verbesserung durch Abfall der Enzymaktivitäten und der Spiegel von TNF-alpha und IL-6 [13]. Es scheint als Behandlungsoption vielversprechend zu sein. Eine ähnlich positive Wirkung wurde zuvor auch für Curcuma longa (siehe auch Curcumin) Int J Mol Med. 2011 Jan;27(1):53-61 und Nardostachys jatamansi, eine Pflanze, die in Korea als Naturheilmittel verwendet wird Pancreas. 2010 May;39(4):520-9, festgestellt.

Pflanzliche Kost und Pankreatitis

Eine schwedische Kohorten-Studie über die Zeit von 1998 bis 2009 an 80019 Menschen weist darauf hin, dass Gemüse, nicht jedoch Obst, das Risiko einer Pankreatitis senkt Oskarsson V, et al. Gut. 2012 Jun 27. [Epub ahead of print].

KRAS-Mutationen beim Pankreaskarzinom

Das duktale Adenokarzinom des Pankreas ist die häufigste Form des Pankreaskarzinoms. Der erste Entwicklungsschritt ist die pankreatische intraepitheliale Neoplasie (PanIN). Da nicht nur in praktisch allen duktalen Adenokarzinomen sondern auch schon im PanIN-Stadium Mutationen im KRAS-Onkogen nachweisbar sind, werden diese Mutationen als wesentlich für die Auslösung des Pankreaskarzinoms angesehen [14]. Das onkogene KRAS reguliert die endogene EGFR (endogener growth factor receptor) hoch. Eine pharmakologische Hemmung des EGFR verhindert die KRAS-abhängige Tumorbildung im Tierexperiment [15]. Dies könnte ein neuer Ansatz zu Prophylaxe und Therapie der Pankreaskarzinoms werden.

“Stellate Cells” des Pankreas und Pankreasfibrose

In der Leber sind „stellate cells” als Ito-Zellen bekannt, die unter chronisch entzündlichen Bedingungen zu Myofibroblasten werden und über Bildung von Gewebskollagen zur Leberfibrose und schließlich zur Leberzirrhose führen. Solche Zellen sind seit einigen Jahren auch in der Bauchspeicheldrüse gefunden worden und sind als „pancreatic stellate cells“ (PSC) bekannt. Sie spielen auch hier eine zentrale Rolle bei der Fibrosierung des Organs im Rahmen einer chronischen Pankreatitis. Sie interagieren zudem mit pankreatischen Krebszellen und fördern deren Ausbreitung. Es steht die Hoffnung im Raum, durch Hemmung der PSC-Progression zu Myofibroblasten die Entwicklung einer Chronifizierung und Fibrosierung der Bauchspeicheldrüse sowie die Tumorentwicklung und -ausbreitung medikamentös beeinflussen zu können [16].

Therapie der akuten Gallenstein-Pankreatitis

Nach einer Cochrane-Zusammenstellung gibt es in der Literatur keine Evidenz dafür, dass – unabhängig vom Schweregrad der Pankreatitis – eine routinemäßig durchgeführte frühzeitige ERCP die lokalen oder systemischen Komplikationsraten oder die Mortalität signifikant beeinflusst. Die Untersuchung unterstützt die Empfehlung einer frühzeitigen ERCP bei akuter Pankreatitis mit begleitender Cholangitis und biliärer Obstruktion (Cholestase) [17].


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Verweise

Patienteninfos

Literatur

  1. ? Pancreatology. 2006;6(4):279-85
  2. ? Pancreas. 2012 Nov;41(8):1206-12
  3. ? Clin Gastroenterol Hepatol. 2012 Oct;10(10):1136-1142
  4. ? Am J Surg Pathol. 2008 Dec;32(12):1770-9
  5. ? Front Physiol. 2012;3:374. doi: 10.3389/fphys.2012.00374. Epub 2012 Oct 2.
  6. ? Hart PA et al. Gut. 2012 Sep 16. [Epub ahead of print]
  7. ? Minen F et al. Scand J Gastroenterol. 2012 Sep 28. [Epub ahead of print]
  8. ? JAMA. 2012 Mar 14;307(10):1053-61
  9. ? Gut. 2002 May;50(5):687-92
  10. ? Pol Arch Med Wewn. 2012;122(6):277-8
  11. ? N Engl J Med. 2012 Apr 12;366(15):1414-22
  12. ? Bai H et al. BMC Gastroenterol. 2012 Aug 24;12(1):115. [Epub ahead of print]
  13. ? Li K et al. Pancreas. 2012 Jul 30. [Epub ahead of print]
  14. ? Biochim Biophys Acta. 2005 Nov 25;1756(2):97-101
  15. ? Cancer Cell. 2012 Sep 11;22(3):304-17
  16. ? Front Physiol. 2012;3:344. Epub 2012 Aug 28
  17. ? Cochrane Database Syst Rev. 2012 May 16;5:CD009779.