Medikamenten-induzierte Pankreatitis

Eine Medikamenten-induzierte Pankreatitis liegt verhältnismäßig häufig vor, wenn Alkohol und Gallensteine als Ursachen unwahrscheinlich sind. Medikamente werden als Auslöser einer akuten Pankreatitis jedoch gelegentlich übersehen.


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Häufigkeit

Etwa 3,4% der Fälle einer akuten Pankreatitis sind laut einer Studie auf Routinemedikamente zurückzuführen; betroffen waren überwiegend Frauen [1]. In einer anderen Zusammenstellung wurde die Auslösung einer akuten Pankreatitiden in 5,3% Medikamenten zugeschrieben [2], hier waren Männer und Frauen annähernd gleich häufig betroffen. Medikamente als auslösende Ursache sind nicht zu vernachlässigen. Dies ist wegen der therapeutischen Konsequenz, das verantwortliche Medikament frühestmöglich abzusetzen, unabdingbar.

Diagnosestellung

Die Diagnose einer Medikamenteninduzierte Pankreatitis wird gestellt, wenn

  • das Auftreten einer akuten Pankreatitis nicht mit Alkohol oder Gallensteinen bzw. Gallegries erklärt werden kann,
  • assoziiert ist mit der Verordnung eines neuen Medikaments,
  • die Aktivität der Pankreatitis nach Absetzen des angeschuldigten Medikaments nachlässt und wenn
  • die Pankreatitis bei einer Reexposition mit dem Medikament erneut auftritt.

Eine diagnostische Reexposition muss jedoch bezüglich Nutzen-Risiko-Abwägung gut bedacht sein.

Medikamente, die relativ häufig eine Pankreatitis auslösen

Klasse 1: Zu den laut einer Zusammenstellung [3] häufiger eine akute Pankreatitis auslösenden Medikamenten gehören:

  • Asparaginase,
  • Azathioprin,
  • Valproinsäure,
  • Pentamidin,
  • Mercaptopurin,
  • Mesalamine,
  • Östrogene,
  • Opiate,
  • Tetracycline,
  • Cytarabin,
  • Steroidhormone,
  • Trimethoprim/Sulfamethoxazol,
  • Sulfasalazin,
  • Furosemid,
  • Sulindac

Klasse 2: Seltener sind folgende Medikamente Auslöser einer akuten Pankreatitis:

Weitere Medikamente als mögliche Pankreatits-Auslöser

Zudem gibt es sporadische Mitteilungen über Medikamente, die eine Pankreatitis auslösen können, wie beispielsweise

  • Methimazol [4] (Medikament zur Therapie der Schilddrüsenüberfunktion),
  • Bortezomib [5] (Velcade® zur Therapie des multiplen Myeloms),
  • Calciumkarbonat-enthaltende Antazida [6] (Medikament zur Therapie der Übersäuerung des Magens),
  • Inkretine [7] wie
  • Vemurafenib [9], (BRAF-Kinase-Inhibitor zur Therapie des metastasierenden Melanoms),
  • Cannabis (?9Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD)) [10] (medizinisch verwendet bei Übelkeit und Kachexie),
  • Gadolinium (Gadobenatdimeglumin) [11]. (Medikament zur Kontrastierung beim MRT),
  • Telaprevir [12] (Medikament zur antiviralen Therapie der chronischen Hepatitis C),

Therapie

Die entscheidende Maßnahme liegt im Absetzen des angeschuldigten Medikaments. Ansonsten gelten die Therapieprinzipien der akuten Pankreatitis.

Verweise

Patienteninfos

Literatur

  1. ? JOP. 2011 Nov 9;12(6):581-5
  2. ? Dig Dis Sci. 2010 Oct;55(10):2977-81
  3. ? J Clin Gastroenterol. 2005 Sep;39(8):709-16
  4. ? Case Rep Gastroenterol. 2012 May;6(2):223-31
  5. ? Pancreatology. 2013 Mar-Apr;13(2):189-90
  6. ? Consult Pharm. 2013 Apr;28(4):247-51
  7. ? Intern Med. 2012;51(21):3045-9
  8. ? Clin Med Insights Case Rep. 2013;6:23-7
  9. ? Pharmacotherapy. 2013 Apr;33(4):e43-4. doi: 10.1002/phar.1208. Epub 2013 Feb 22
  10. ? Acta Gastroenterol Belg. 2012 Dec;75(4):446-7
  11. ? Pancreatology. 2013 Jan-Feb;13(1):88-9. doi: 10.1016/j.pan.2012.12.002
  12. ? Dig Dis Sci. 2013 Mar;58(3):887-8. doi: 10.1007/s10620-013-2576-2

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).