Anämie

Anämie bedeutet Blutarmut. Ihre Ursachen wie auch ihre Auswirkungen sind von erheblicher Bedeutung für Diagnostik, Verlauf und Therapie sehr vieler körperlicher Krankheiten wie auch für Leistungsfähigkeit, Aufmerksamkeit und manchem psychischem Befinden.

Das Wichtigste

Kurzgefasst
Anämie (Blutarmut) ist durch eine Verminderung der Konzentration der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) bzw. des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) im Blut definiert.

Ursachen können sein

  • eine Verminderung der Neubildung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) und ihres Blutfarbstoffs Hämoglobin,
  • ein beschleunigter Verlust bzw. Abbau der roten Blutkörperchen
  • eine Kombination der verschiedenen Ursachen.

Eine Blutarmut ohne offensichtliche Blutung als Ursache muss an eine verborgene Blutungsquelle, chronische Entzündung, Knochenmarkskrankheit und Krebs denken lassen.

Laborwerte können zur Erkennung der Ursache beitragen.

Die Auswirkungen einer Blutarmut hängen von ihrer Ausprägung ab. Mit der Ausprägung steigen Schlappheit, Konzentrationsfähigkeit, Herzschwäche und Atemnot.

Die Diagnostik folgt einer ausführlichen Anamnese und den Laborwerten und kann eine Suche nach einer okkulten Blutung oder einem Krebs beinhalten (siehe hier).

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache (siehe hier). Bei einer ausgeprägten Blutarmut werden Bluttransfusionen erforderlich.

Patienteninfos zur Blutarmut siehe hier.

 


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Definition

Die Blutarmut ist definiert über den verminderten Hämatokrit oder die verminderte Menge an Hämoglobin im Blut.

Untere Grenzwerte

  • Hämoglobingehalt
    • Männer 13 g/dl
    • Frauen 12 g/dl
  • Hämatokrit
    • Männer 42 %
    • Frauen 38 %

Werte unter diesen Grenzwerten begründen die Diagnose einer Blutarmut. Allerdings sollte eine vorübergehende Verdünnung des Bluts durch hohe Flüssigkeitszufuhr oder eingeschränkte Ausscheidung berücksichtigt werden und Kontrolluntersuchungen veranlassen.


→ Verstehen und verwalten Sie Ihre Laborwerte mit der Labor-App Blutwerte PRO!


Ursache

Ursache einer Blutarmut ist das Überwiegen von Abbau bzw. Verlust über die Bildung von Erythrozyten bzw. Hämoglobin. Normalerweise wird täglich soviel an roten Blutkörperchen nachgebildet, dass der normale Verlust durch Alterung und Sequestrierung ausgeglichen wird. Auch ein geringer überschießender Verlust kann in der Regel durch eine Überschusskapazität des Knochenmarks abgefangen werden.

Die Aktivität der Nachbildung erkennt man an der Zahl der Retikulozyten (jungen Erythrozyten mit Resten von Kernmaterial). Die Retikulozytenzahl beträgt bei normaler mittlerer Lebenszeit der Erythrozyten von 100-120 Tagen um 10-12 pro 1000 Erythrozyten.

Eine Bildungsstörung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) ist durch zwei Hauptursachen bedingt:

Eine verkürzte Lebenszeit der Erythrozyten fordert eine ständig erhöhte Nachproduktion, was die Kapazität des Knochenmarks erschöpft, so dass es zur Anämie kommt. Ursachen sind

  • eine Hämolyse), d.h. ein erhöhter Zerfall der Erythrozyten im Blut mit verkürzter Lebenszeit, und
  • ein akuter oder chronischer Blutverlust, gegen den das Knochenmark nicht ankommt. Ein wesentlicher Grund hierbei ist der blutungsbedingte Verlust von Eisen, das zur Nachproduktion des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin gebraucht wird. Mehr dazu siehe unter Blutungsanämie.

Einteilung nach Häufigkeit

Folgende Formen einer Blutarmut finden sich in der überwiegenden Mehrzahl:

Hyperchrome makrozytäre Anämie

Ursachen können sein

Mehr zur hyperchromen makrozytären Anämie siehe hier.

Hypochrome mikrozytäre Anämie

Ursachen können sein

  • ein Blutverlust (gastrointestinale Blutung, gynäkologische Blutung, sonstige Blutverluste, auch zu häufige Aderlässe),
  • ein Eisenmangel durch Eisenresorptionsstörung (Eisenmangelanämie beispielsweise bei einer Dünndarmkrankheit wie der Sprue, dem Morbus Whipple oder dem Kurzdarmsyndrom) oder
  • eine Eisenverwertungsstörung (beispielsweise bei einer Knochenmarkskrankheit oder einem Tumorleiden).

Mehr zur hypochromen mikrozytären Anämie siehe unter Blutungsanämie, Mikrozytäre Anämie und Eisenmangelanämie.

Normochrome normozytäre Anämie

Eine Blutarmut ohne Veränderung der Größe und des Hämoglobingehalts der Erythrozyten kommt kurz nach einer großen Blutung zustande, wenn Flüssigkeit in das Blutgefäßsystem einströmt und das Blut verdünnt oder nach einer Flüssigkeitsinfusion.

Eine Blutarmut mit normochromen normozytären Erythrozyten kann auch durch eine Kombination einer mikrozytären und hypochromen Eisenmangelanämie und einer makrozytären und hyperchromen perniziösen Anämie als Mischbild entstehen.

Zur Diagnostik und Therapie bitte weiterblättern.