Rechtsherzdekompensation

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft

Rechtsherzdekompensation bedeutet Versagen des rechten Herzkammer. Sie ist ihren Anforderungen, Blut aus dem venösen Stromgebiet in die Lungenarterien zu pumpen, nicht mehr gewachsen. Folge ist eine Dekompensation auch der linken Herzkammer und ein Zusammenbruch des Kreislaufs (kardiogener Schock). Eine Dekompensation des rechten Herzens ist immer akut lebensbedrohlich. 1)Cardiol Clin. 2020 May;38(2):149-160. DOI: 10.1016/j.ccl.2020.01.009. Epub 2020 Mar 5. PMID: … Continue reading 2)Cardiol Clin. 2020 May;38(2):243-255. DOI: 10.1016/j.ccl.2020.02.001. PMID: 32284101.


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Ursachen

Ursachen sind eine verminderte Kontraktilität des rechten Ventrikels durch Druck, Volumenüberlastung oder eine Herzmuskelerkrankung (intrinsische myokardiale kontraktile Dysfunktion).

  • Akute Dekompensation: Eine akute Rechtsherzdekompensation wird meist durch eine plötzliche Druckerhöhung im kleinen Kreislauf durch eine große Lungenembolie hervorgerufen. Weitere Ursachen sind eine plötzliche Herzrhythmusstörung, die gleichzeitig auch eine akute Linksherzdekompensation bewirkt, sowie selten ein Rechtsherzinfarkt.
  • Dekompensation auf dem Boden einer chronischen Druckbelastung: Eine Dekompensation im Rahmen einer chronischen und zunehmenden Druckbelastung kann durch verschiedene Ursachen bedingt sein. Dazu gehören multiple kleinere Lungenembolien, eine Lungenfibrose, eine chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD) und andere chronische Lungenkrankheiten und eine Verengung der Herzklappe zur Pulmonalarterie hin (Pulmonalstenose).
  • Dekompensation auf dem Boden einer Herzkrankheit: Eine Kardiomyopathie, eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis), ein Links-Rechts-Shunt durch einen Ventrikelseptumdefekt mit Volumenüberlastung des rechten Herzens sowie ein Klappenfehler im rechten Herzen (vor allem eine Pulmonalstenose) können zu einer Rechtsherzinsuffizienz und schließlich zu einer Dekompensation des rechten Herzens führen.

Folgen

Starke Halsvenenstauung bei beginnender Rechtsherzdekompensation infolge einer chronischen Lungenkrankheit. Der Schlauch um den Hals gehört zu einer Sauerstoffversorgung durch eine „Nasenbrille“.

Die wesentlichsten Folgen sind

  • eine Erweiterung der rechten Herzkammer und des Klappenrings mit Trikuspidalinsuffizienz (klinisch erkennbar an positivem Halsvenenpuls),
  • eine Blutstauung in den Venen des Körpers zurück bis in die Organe (venöse Kongestion, Blutstauung in den Nieren, im Darm, in der Leber, in den Extremitäten, Halsvenenstauung),
  • eine mangelhafte Durchblutung der Lungen mit entsprechend eingeschränktem Gasaustausch und der Folge eine akuten Sauerstoffunterversorgung des gesamten Köpers mit Zyanose und einer Funktionsstörung innerer Organe inklusive des Gehirns und des Herzens selbst. Die Sauerstoffunterversorgung des linken Ventrikels beschleunigt eine kardiale Dekompensation mit Zusammenbruch des Blutdrucks und kardialem Schock.

Die mangelhafte Sauerstoffaufnahme, die bei einer Rechtsherzinsuffizienz eintritt, verstärkt die Kraftlosigkeit des Herzens im Teufelskreis (Circulus vitiosus).

Diagnostik

Die Diagnostik stützt sich wesentlich auf eine nichtinvasive Bildgebung wie die Echokardiographie oder ein Kardio-MRT, sowie auf eine Rechtsherzkatheteruntersuchung. Sie dienen der genauen Diagnose und Risikobewertung.

Therapie

Die Therapie konzentriert sich darauf, die Belastung der Muskulatur des rechten Ventrikels (rechte Herzkammer) akut zu senken und die Durchblutung der Lungen und den Gasaustausch wieder herzustellen. Dazu können verschiedene Maßnahmen dienen. Wesentliche therapeutische Mittel sind eine Senkung der Vorlast und der Nachlast.

Vorlastsenkung: Eine Senkung der Vorlast kann durch Verminderung des venösen Zustroms von Blut aus dem großen Kreislauf erzielt werden. Dies wird durch einen blutigen oder unblutigen Aderlass erzielt. Diese Maßnahmen sind dann angezeigt, wenn eine erhebliche Volumenüberlastung erkennbar ist. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn gleichzeitig die Kraft des linken Ventrikels (z. B. durch eine Sauerstoffunterversorgung vermindert ist und der Körper beginnt, zur Hebung des erniedrigten Blutdrucks in den Nieren Flüssigkeit zurückzuhalten. Bei chronisch Lungenkranken (z. B. bei einer COPD) tritt dies im Stadium der Dekompensation auf. Die Patienten sind als „blue bloater“ klinisch erkennbar.

Nachlastsenkung: Auch eine Senkung der Nachlast, also eine Senkung des Drucks im kleinen Kreislauf (Lungenkreislauf) kann eine entscheidende Maßnahme sein. Dies ist bei einer großen Lungenembolie der Fall. Sie ist die häufigste Ursache von akutem Rechtsversagen, kann aber oft durch eine sofortige Auflösung (Lysetherapie) beherrscht werden (siehe hier).

Medikamente, welche die Herzmuskulatur stärken (Inotropika) und welche das venöse Strombett erweitern, können unterstützend helfen. Die Funktion des rechten Ventrikels kann mit Inotropika verbessert und der Blutdruck durch  Vasopressoren angehoben werden. 

Mechanische Kreislaufüberbrückung: Wenn es darum geht, bei einem kardiogenen Schock eine Kreislaufüberbrückung bis zu einer absehbaren Besserung oder einer Operation zu herzustellen, kann eine mechanische Unterstützung verwendet werden. 3)J Am Heart Assoc. 2017 Oct 20;6(10):e006670. DOI: 10.1161/JAHA.117.006670. PMID: 29054842; PMCID: … Continue reading 4)J Thorac Cardiovasc Surg. 2017 Apr;153(4):752-762.e5. DOI: 10.1016/j.jtcvs.2016.10.085. Epub 2016 … Continue reading 5)Eur J Heart Fail. 2016 Mar;18(3):226-41. DOI: 10.1002/ejhf.478. PMID: 26995592.

Zu Ursachen, Auswirkungen und Therapie siehe auch hier.

Verweise

Patienteninfos



Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


Literatur

Literatur
1 Cardiol Clin. 2020 May;38(2):149-160. DOI: 10.1016/j.ccl.2020.01.009. Epub 2020 Mar 5. PMID: 32284093.
2 Cardiol Clin. 2020 May;38(2):243-255. DOI: 10.1016/j.ccl.2020.02.001. PMID: 32284101.
3 J Am Heart Assoc. 2017 Oct 20;6(10):e006670. DOI: 10.1161/JAHA.117.006670. PMID: 29054842; PMCID: PMC5721869.
4 J Thorac Cardiovasc Surg. 2017 Apr;153(4):752-762.e5. DOI: 10.1016/j.jtcvs.2016.10.085. Epub 2016 Nov 16. PMID: 27988030.
5 Eur J Heart Fail. 2016 Mar;18(3):226-41. DOI: 10.1002/ejhf.478. PMID: 26995592.