Rechtsherzdekompensation

Artikel aktualisiert am 29. Dezember 2022

Rechtsherzdekompensation bedeutet Versagen des rechten Herzkammer. Sie ist ihren Anforderungen, Blut aus dem venösen Stromgebiet in die Lungenarterien zu pumpen, nicht mehr gewachsen. Folge ist eine Dekompensation auch der linken Herzkammer und ein Zusammenbruch des Kreislaufs (kardiogener Schock). Eine Dekompensation des rechten Herzens ist immer akut lebensbedrohlich. (1)Cardiol Clin. 2020 May;38(2):149-160. DOI: 10.1016/j.ccl.2020.01.009. Epub 2020 Mar 5. PMID: … Continue reading (2)Cardiol Clin. 2020 May;38(2):243-255. DOI: 10.1016/j.ccl.2020.02.001. PMID: 32284101.


→ Auf facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!
→ Verstehen und verwalten Sie Ihre Laborwerte mit der
Labor-App Blutwerte PRO!


Ursachen


Ursachen sind eine verminderte Kontraktilität des rechten Ventrikels durch Druck, eine Volumenüberlastung oder eine Herzmuskelerkrankung (intrinsische myokardiale kontraktile Dysfunktion, Herzmuskelischämie, Myokarditis).

  • Akute Dekompensation: Eine akute Rechtsherzdekompensation wird meist durch eine plötzliche Druckerhöhung im kleinen Kreislauf durch eine große Lungenembolie hervorgerufen. Weitere Ursachen sind eine plötzliche Herzrhythmusstörung, die gleichzeitig auch eine akute Linksherzdekompensation bewirkt, sowie selten ein Rechtsherzinfarkt.
  • Dekompensation auf dem Boden einer chronischen Druckbelastung: Eine Dekompensation im Rahmen einer chronischen und zunehmenden Druckbelastung kann durch verschiedene Ursachen bedingt sein. Dazu gehören multiple kleinere Lungenembolien, eine Lungenfibrose, eine chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD) und andere chronische Lungenkrankheiten und eine Verengung der Herzklappe zur Pulmonalarterie hin (Pulmonalstenose).
  • Dekompensation auf dem Boden einer Herzkrankheit: Eine Kardiomyopathie, eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis), ein Links-Rechts-Shunt durch einen Ventrikelseptumdefekt mit Volumenüberlastung des rechten Herzens sowie ein Klappenfehler im rechten Herzen (vor allem eine Pulmonalstenose) können zu einer Rechtsherzinsuffizienz und schließlich zu einer Dekompensation des rechten Herzens führen.

Folgen

Halsvenenstauung
Starke Halsvenenstauung bei beginnender Rechtsherzdekompensation infolge einer chronischen Lungenkrankheit. Der Schlauch um den Hals gehört zu einer Sauerstoffversorgung durch eine „Nasenbrille“.

Die wesentlichsten Folgen sind

  • eine Erweiterung der rechten Herzkammer und des Klappenrings mit Trikuspidalinsuffizienz (klinisch erkennbar an positivem Halsvenenpuls),
  • eine Blutstauung in den Venen des Körpers zurück bis in die Organe (venöse Kongestion, Blutstauung in den Nieren, im Darm, in der Leber, in den Extremitäten, Halsvenenstauung),
  • eine mangelhafte Durchblutung der Lungen mit entsprechend eingeschränktem Gasaustausch und der Folge eine akuten Sauerstoffunterversorgung des gesamten Köpers mit Zyanose und einer Funktionsstörung innerer Organe inklusive des Gehirns und des Herzens selbst. Die Sauerstoffunterversorgung des linken Ventrikels beschleunigt eine kardiale Dekompensation mit Zusammenbruch des Blutdrucks und kardialem Schock.

Bei einer Rechtsherzinsuffizienz ist die Durchblutung und damit die Sauerstoffaufnahme in den Lungen vermindert, was die Kraftlosigkeit des Herzens im Teufelskreis verstärkt (Circulus vitiosus).

Diagnostik

Die Diagnostik stützt sich wesentlich auf eine nichtinvasive Bildgebung wie die Echokardiographie oder ein Kardio-MRT, sowie auf eine Rechtsherzkatheteruntersuchung. Die Untersuchungen dienen der genauen Diagnose und Risikobewertung. (3)Cardiol J. 2017;24(5):563-572. DOI: 10.5603/CJ.a2017.0051  (4)Cardiol Clin. 2020 May;38(2):243-255. doi: 10.1016/j.ccl.2020.02.001

Therapie

Die Therapie konzentriert sich darauf, die Belastung der Muskulatur des rechten Ventrikels (rechte Herzkammer) akut zu senken und die Durchblutung der Lungen und den Gasaustausch wieder herzustellen. Dazu können verschiedene Maßnahmen dienen. Sie werden von der zugrunde liegenden Ursache (z.B. Lungenembolie, sonstige Lungenkrankheit mit pulmonaler Hypertonie, Rechtsherzinfarkt, sonstige Herzmuskelkrankheit, Herzrhythmusstörung) mitbestimmt.

Wesentliche therapeutische Mittel sind eine Senkung der Vorlast und der Nachlast des rechten Ventrikels.

Vorlastsenkung: Eine Senkung der Vorlast kann durch einen blutigen oder unblutigen Aderlass zur Verminderung des venösen Zustroms von Blut aus dem großen Kreislauf erzielt werden. Diese Maßnahmen sind dann angezeigt, wenn eine erhebliche Volumenüberlastung erkennbar ist. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn gleichzeitig die Kraft des linken Ventrikels (z. B. durch eine Sauerstoffunterversorgung vermindert ist und der Körper beginnt, zur Hebung des erniedrigten Blutdrucks in den Nieren Flüssigkeit zurückzuhalten. Bei chronisch Lungenkranken (z. B. bei einer COPD) tritt dies im Stadium der Dekompensation auf. Die Patienten fallen klinisch als „blue bloater“ auf.

Nachlastsenkung: Auch eine Senkung der Nachlast, also eine Senkung des Drucks im kleinen Kreislauf (Lungenkreislauf) kann eine entscheidende Maßnahme sein. Bei einer großen Lungenembolie, der häufigsten Ursache von akutem Rechtsversagen, wird dies durch eine sofortige Auflösung (Lysetherapie) erreicht (siehe hier).

Medikamente, welche die Herzmuskulatur stärken (positiv inotrop wirkende Substanzen) und welche das venöse Strombett erweitern, können unterstützend helfen. Die Funktion des rechten Ventrikels kann mit Inotropika verbessert und der Blutdruck durch  Vasopressoren angehoben werden. 

Mechanische Kreislaufüberbrückung: Wenn es darum geht, bei einem kardiogenen Schock eine Kreislaufüberbrückung bis zu einer absehbaren Besserung oder einer Operation zu herzustellen, kann eine mechanische Unterstützung verwendet werden. (5)J Am Heart Assoc. 2017 Oct 20;6(10):e006670. DOI: 10.1161/JAHA.117.006670. PMID: 29054842; PMCID: … Continue reading (6)J Thorac Cardiovasc Surg. 2017 Apr;153(4):752-762.e5. DOI: 10.1016/j.jtcvs.2016.10.085. Epub 2016 … Continue reading (7)Eur J Heart Fail. 2016 Mar;18(3):226-41. DOI: 10.1002/ejhf.478. PMID: 26995592.

Zu Ursachen, Auswirkungen und Therapie siehe auch hier.

Verweise

Patienteninfos

Literatur[+]