NAFLD

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NAFLD ist das Akronym von nonalcoholic fatty liver disease. Der Begriff bedeutet damit nichtalkoholische Fettlebererkrankung. In ihm sind die Fettleber und die Fettleberhepatitis zusammengefasst.

Die nichtalkoholische Fettleberkrankheit (NAFLD) wird zunehmend als eine eigene Stoffwechselkrankheit verstanden. Für sie wird eine neue Bezeichnung vorgeschlagen: „metabolic-associated fatty liver disease (MAFLD)“. Sie soll die Überbetonung von „non alcoholic“ vermeiden, eine Nähe zum „metabolischen Syndrom“ aufzeigen und eine holistische (ganzheitliche) Betrachtung der Krankheit fördern. Den Betroffenen und den Behandelnden soll sie das Verständnis der Krankheit und der Notwendigkeit einer umfassenden Behandlung erleichtern. 1)World J Hepatol. 2021 Oct 27;13(10):1203-1207. DOI: 10.4254/wjh.v13.i10.1203. PMID: 34786161; … Continue reading


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Ursachen

Die wesentlichsten Ursachen einer NAFLD sind:

Genetische Prädisposition

Für die Bereitschaft, auf Auslöser (s. o.) mit einer deutlich vermehrten Verfettung der Leber zu reagieren, sind genetische Faktoren als verantwortlich identifiziert worden: Varianten der Gene PNPLA3 p.I148M, TM6SF2 p.E167K und MBOAT7 rs641738 prädisponieren für eine NAFLD. Der TM6SF2-Polymorphismus moduliert vor allem die Fetteinlagerung; der MBOAT7-Polymorphismus dagegen ist für eine vermehrte Fibrosierung (Narbenbildung) verantwortlich 2)J Lipid Res. 2017 Jan;58(1):247-255. doi: 10.1194/jlr.P067454. Die genetischen Varianten PNPLA3 und TM6SF2 verhindern jedoch nicht den Erfolg einer Reduktionsdiät 3)Digestion. 2016;93(2):139-48. doi: 10.1159/000441185.

Spektrum und Prognose

Jede Fettleber birgt die Tendenz einer mehr oder weniger ausgeprägten Leberentzündung (Hepatitis) in sich. In etwa 10% entwickelt sich eine nichtalkoholische Fettleberhepatitis (NASH: nonalcoholic steatohepatitis]), aus der sich in 8-26% über sie eine Leberfibrose (Narbenleber) eine Leberzirrhose entwickelt.

Die NAFLD wird abgegrenzt von der relativ häufigen alkoholischen Fettleber, die durch erhöhten Alkoholkonsum zustande kommt und ebenfalls über eine Fettleberhepatitis, der alkoholischen Fettleberhepatitis (ASH: alcoholic steatohepatitis) in eine Leberzirrhose münden kann.

Die NAFLD ist einem metabolisches Syndrom assoziiert; sie wird als seine Manifestation an der Leber aufgefasst. Entsprechend finden sich bei der NAFLD gehäuft kardiovaskuläre Komplikationen, wie eine koronare Herzkrankheit und eine Arteriosklerose.

Entwicklung, Pathogenese

Die NAFLD beginnt als Leberverfettung und entwickelt sich langsam – individuell mit unterschiedlicher Geschwindigkeit – weiter zu einer Narbenleber (Leberzirrhose).

Es wird von einer 2-Hit-Hypothese ausgegangen 4)Curr Vasc Pharmacol. 2014;12(5):741-4:

  • Der erste Hit führt zu einer Fettleber. Er besteht in einer Insulinresistenz, die eine vermehrten Fettspeicherung in der Leber bedingt. Dabei gelangen vermehrt freie Fettsäuren in die Hepatozyten (Leberzellen), die zur Bildung von Mediatoren führen, die den zweiten Hit auslösen. (Siehe Fettleber.)
  • Der zweite Hit führt zu einer Entzündung in der Fettleber. Er besteht in einer Fehlfunktion der Mitochondrien der Leberzellen verbunden mit oxidativen Stress, der Bildung von Entzündungsmediatoren sowie einer Anregung der Apoptose (programmierter Zelltod) der Leberzellen und Anregung einer Kollagenbildung, die schließlich über eine Leberfibrose zur Leberzirrhose führt. (Siehe Fettleberhepatitis.)

Therapie

Grundlagen der Behandlung der NAFLD sowie der Vorbeugung ihres Fortschreitens sind fettarme gesunde Kost, Gewichtsabnahme und vermehrte körperliche Bewegung. Auch Medikamente können in Betracht kommen. Im Wesentlichen gelten die gleichen Maßnahmen wie beim metabolischen Syndrom (siehe hier).

In jedem Fall sollten Substanzen vermieden werden, die selbst eine Leberverfettung fördern können, wie bestimmte Medikamente und Alkohol.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur

Literatur
1 World J Hepatol. 2021 Oct 27;13(10):1203-1207. DOI: 10.4254/wjh.v13.i10.1203. PMID: 34786161; PMCID: PMC8568582.
2 J Lipid Res. 2017 Jan;58(1):247-255. doi: 10.1194/jlr.P067454
3 Digestion. 2016;93(2):139-48. doi: 10.1159/000441185
4 Curr Vasc Pharmacol. 2014;12(5):741-4