Abirateron

Artikel aktualisiert am 22. Januar 2024

Abirateron ist ein Hemmstoff der körpereigenen Synthese von Androgenen (männliche Geschlechtshormone) und wird zur Therapie des Prostatakarzinoms eingesetzt (1)Drug Des Devel Ther. 2012;6:13-8. doi: 10.2147/DDDT.S15850 .


Das Wichtigste verständlich

Kurzgefasst

Abirateron ist eine Substanz, die entwickelt wurde, um die Bildung von männlichen Geschlechtshormonen (Androgenen) auch außerhalb der Hoden / Gonaden zu vermindern. Es ist ein neues Therapieprinzip, welches beim Prostatakarzinom, das trotz Androgenreduktion durch Kastration fortschreitet, zu

  • einem deutlichen PSA-Abfall,
  • einer Verminderung zirkulierender Tumorzellen im Blut und
  • einer signifikanten Verminderung der Todesrate innerhalb von mindestens 3 Jahren und damit einer Verbesserung der Prognose

führt. Die Ergebnisse einer Behandlung mit Abirateronacetat plus Prednisolon scheinen jedoch nicht besser als die einer Kombination von Docetaxel plus Prednisolon.

Zum Prostatakarzinom siehe hier.


→ Auf facebook informieren wir Sie über Neues und Interessantes!
→ Verwalten Sie Ihre Laborwerte mit der
Labor-App Blutwerte PRO – mit Lexikonfunktion


Wirkungsweise

Abirateron hemmt die Bildung männlicher und weiblicher Geschlechtshormone: Es bindet an CYP17, das Schlüsselenzym der körpereigenen Bildung von Androgenen und Östrogenen (männlichen und weiblichen Geschlechtshormonen) und hemmt es irreversibel (2)J Med Chem. 1995 Jun 23; 38(13):2463-71 . Durch die Unterdrückung der Hormone, die auch in der Nebennierenrinde stattfindet, kommt es reaktiv zu einer vermehrten Produktion von ACTH (adrenocortikotropes Hormon) in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse). Erhöhtes ACTH stimuliert wiederum die Bildung der Mineralokortikoide in der Nebennierenrinde (der dortigen Produktion von Steroidhormonen oberhalb von CYP17), so auch von Corticosteron und Aldosteron. Dies wiederum führt zu  Bluthochdruck und Hypokaliämie.

Bei der Behandlung mit Abirateron können solche Nebenwirkungen auftreten. Sie können durch Antagonisten (wie Spironolacton) oder niedrig dosierte Glukokortikoide gemildert werden. (3)J Clin Oncol. 2009 Aug 10; 27(23): 3742–3748. doi: 10.1200/JCO.2008.20.0642 

Studien

Eine Phase-I/II-Studie an bisher nicht weiter behandelten kastrationsresistenten Patienten mit Prostatakarzinom (CRPC: castration-resistant prostate cancer) zeigte, dass unter Abirateron sowohl der PSA-Wert (PSA: Prostata-spezifisches Antigen) signifikant (> 50% in 67%) sinkt. Auch die Zahl der im Blut zirkulierenden Tumorzellen (CTC) nahm signifikant ab. Die mittlere Zeit bis zum erneuten PSA-Anstieg lag bei 225 Tagen. Eine Zugabe von Dexamethason verminderte die Resistenz bei Patienten mit Krankheitsprogression. Die Ergebnisse sprechen nach Ansicht der Autoren dafür, dass das CRPC (trotz Kastration) hormonabhängig wächst (4)J Clin Oncol. 2009 Aug 10; 27(23): 3742–3748. doi: 10.1200/JCO.2008.20.0642  .

Eine Studie an 1917 CRPC-Patienten (mittleres Alter 67 Jahre, 52% mit Metastasen) mit einem mittleren PSA-Wert von 53 ng/ml zeigte, dass der Zusatz von Abirateron plus Prednisolon zu einer Adrogenverminderungstherapie (androgen-deprivation therapy, ADT) eine deutliche Reduktion der Todesrate zur Folge hatte. Nebenwirkungen der Schweregrade 3 bis 5 fanden sich bei 47 % der Gruppe mit ADT + Abirateron + Prednisolon gegenüber 33 % der ADT-Gruppe (184 vs. 262) (5)N Engl J Med 2017; 377:338-351 July 27, 2017 DOI: 10.1056/NEJMoa1702900. Eine Vergleichsstudie zwischen Abirateronacetat plus Prednisolon und Docetaxel plus Prednisolon erbrachte keinen Unterschied im Gesamt- oder Prostatakrebs-spezifischen Überleben. (6)Ann Oncol. 2018 May 1;29(5):1235-1248

Verweise

Zum Seitenanfang und Inhaltsverzeichnis

Literatur

Literatur
1Drug Des Devel Ther. 2012;6:13-8. doi: 10.2147/DDDT.S15850
2J Med Chem. 1995 Jun 23; 38(13):2463-71
3J Clin Oncol. 2009 Aug 10; 27(23): 3742–3748. doi: 10.1200/JCO.2008.20.0642 
4J Clin Oncol. 2009 Aug 10; 27(23): 3742–3748. doi: 10.1200/JCO.2008.20.0642 
5N Engl J Med 2017; 377:338-351 July 27, 2017 DOI: 10.1056/NEJMoa1702900
6Ann Oncol. 2018 May 1;29(5):1235-1248