Myokarditis

Myokarditis bedeutet Entzündung der Herzmuskulatur. Sie führt zu einer Abnahme der Leistungsfähigkeit des Herzens (Herzinsuffizienz) und zu Herzrhythmusstörungen. Das klinische Bild entspricht dem einer Kardiomyopathie.

Zur akuten Myokarditis siehe hier.


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Ätiopathogenese und Pathophysiologie

Die Ursachen einer Myokarditis sind vielfältig. 1)Internist 2010; 51: 836-843 In Betracht kommen:

  • Virusinfektionen: Am häufigsten wird eine Herzmuskelentzündung durch Viren ausgelöst. Häufige Virustypen: Parvovirus B19 (gehört zu den häufigsten cardiotropen Viren), humanes Herpesvirus 6 (HHV-6, häufig), EBV (Ebstein-Barr-Virus, relativ häufig), Enteroviren, Adenoviren, Coxsackie A und B, Echo, Influenza , Mumps, Varizellen, CMV (Cytomegalie-Virus), Hepatitis-E-Virus, H1N1-Influenza-Virus 2) 2019 May 14;11(5):e4665. doi: 10.7759/cureus.4665. 3) 2008;3:127-55.
  • Bakterielle Infektionen: im Rahmen einer bakteriellen Blutvergiftung (Sepsis, Septikämie) können auch bakterielle Absiedlungen im Herzen zu einer Entzündung der Herzmuskulatur führen. Bakterielle Erkrankungen mit gelegentlicher Myokarditis sind: Shigellose, Diphtherie, Tuberkulose, Legionellose, Borreliose, Chlamydia pneumoniae,
  • Parasitäre Krankheiten: Sie verlaufen nicht zu selten mit Herzbeteiligung: Chagas Krankheit (Trypanosoma cruci, Südamerika), Trichinose, Toxoplasmose,
  • Systemische Erkrankungen:
  • Medikamente und Drogen: Chemotherapeutika, Adriamycin u. ä., Kokain,
  • Bestrahlung des Mediastinums (z. B. beim Morbus Hodgkin): sie können eine entzündliche Reaktion des Herzens hervorrufen.

Natürlicher Verlauf

In der Mehrzahl der Fälle liegt einer akuten Myokarditis eine Virusinfektion zugrunde. Sie heilt meistens aus; bei einer Untergruppe (etwa 20%, siehe hier) kommt es zu einem chronischen Verlauf im Sinne einer entzündlichen Kardiomyopathie mit Entwicklung einer dilatativen Kardiomyopathie.

Folgen

Symptomatik

  • Herzinsuffizienz: Im Vordergrund steht eine mehr oder weniger rasch eintretende Leistungsschwäche des Herzens (Herzinsuffizienz) mit Leistungsschwäche, Lungenstauung, Hypotonie,
  • Rhythmusstörungen: Unregelmäßigkeiten des Herzschlags bis hin zu einer absoluten Arrhythmie oder Blockbildern (Schenkelblöcke, auch av.-Block 1. – 3. Grades) können auftreten.
  • Arterielle Embolien: Bei einer Herzwandentzündung können Herzwandthromben auftreten, die durch Abriss kleiner Fragmente zu arteriellen Embolien führen. Auch kann es bei einer absoluten Arrhythmie zu Vorhofthromben kommen, von denen aus ebenfalls kleine oder größere arterielle Embolien ausgehen können. Die abschwimmenden Gerinnsel können sich in verschiedenen Organen festsetzen und dort Symptome hervorrufen, so z. B. im Gehirn, was einen Schlaganfall zur Folge hat.

Diagnostik

  • Anamnese: Eine Myokarditis bei jungen Menschen, die keine Risikofaktoren einer koronaren Herzkrankheit haben, wird dann wahrscheinlich, wenn im Rahmen eines Infekts eine rasche Leistungsabnahme auftritt (z. B. wenn Treppensteigen ungewöhnlicherweise zu Luftnot führt). Bei älteren Menschen und solchen, die koronare Risikofaktoren haben, kommt oft eine koronare Herzkrankheit mit akutem Koronarsyndrom differenzialdiagnostisch in Betracht.
  • EKG: Die Herzstromkurve (Elektrokardiogramm, EKG) ist nicht oder nur unspezifisch verändert; es gibt keine eindeutig auf eine Myokarditis hindeutenden Veränderungen.
  • Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens, “Herzecho”): sie lässt unter Belastung eine diffuse, nach Erholung reversible Wandbewegungsstörung erkennen. Ein solcher Befund ist in der Regel eine Indikation zur Herzkatheteruntersuchung, da eine koronare Herzkrankheit ein ähnliches Bild hervorrufen kann. Bei einer Myokarditis findet sich gelegentlich begleitend eine Entzündung der Außenhaut des Herzens (Perikarditis) mit Herzbeutelerguss, der echokardiographisch sichtbar ist.
  • Laborwerte: es können die CK (Creatinkinase) und das Troponin erhöht sein, so dass eine koronare Herzkrankheit mit Ischämiereaktion (akutes Koronarsyndrom) bzw. ein Herzinfarkt differenzialdiagnostisch zu erwägen sind. Hinsichtlich der Ursache sind ebenfalls Untersuchungen indiziert. Dazu gehören: die Virusserologie kardiotroper Viren (oft Coxsackievirus B3 4) 2013 Sep 9;8(9):e74569. doi: 10.1371/journal.pone.0074569. ), Untersuchungen auf Bakterien (Borrelien, Legionellen u. a.) und immunologische Untersuchungen (z. B. ANA, Rheumafaktor-Latextest). 5) 2004 May;193(2-3):65-9.
  • Herzkatheteruntersuchung: Sie ist dann erforderlich, wenn die Differenzialdiagnose einer koronaren Ischämie im Raum steht und ausgeschlossen werden soll, und wenn eine Myokardbiopsie ansteht.
  • Myokardbiopsie: Die Untersuchung einer Gewebeprobe aus dem Herzen (gewonnen durch Herzkathetereingriff) ist oft entscheidend. Durch die histologische Untersuchung kann die Myokarditis als Ursache einer Kardiomyopathie erkannt werden. Eine PCR im histologischen Schnitt zeigt an, ob eine und welche Virusinfektion (s. o.) vorliegt. 6) 2018 May;33(3):325-333. doi: 10.1097/HCO.0000000000000515.

Therapie

Körperliche Ruhe zur Schonung bei Abnahme der Leistungsfähigkeit des Herzens.

Behandlung der Ursache: ggf. Antibiotika bei bakterieller Ursache, Kortikoide und Immunsuppressiva bei autoimmuner Ursache.

Symptomatische Therapie:

Therapie einer viralen Myokarditis

Eine der Hauptursachen einer viralen Myokarditis ist eine Coxsackie-B3-Infektion. Der Verlauf kann durch den Apoptosehemmer Astragaloside IV (AST-IV) günstig beeinflusst werden. 7) 2015 Apr;19(4):850-64. doi: 10.1111/jcmm.12459. 8). 2019; 68(4): 549–558. Published online 2019 Jun 26. doi: 10.1538/expanim.19-0037 Ob eine antivirale Therapie den Verlauf einer Virusmyokarditis günstig beeinflussen kann, ist bisher nicht gesichert. 9) 2013 Mar;15(3):180-5.

Schwere Verlaufsform einer Myokarditis

Eine immunsuppressive und immunmodulatorische Behandlung vermag schwere Verläufe einer Myokarditis günsig zu beeinflussen. 10) 2015 Nov;12(11):670-80. doi: 10.1038/nrcardio.2015.108. Kortikosteroide reduzieren die Mortalität nicht. 11) 2013 Oct 18;(10):CD004471. doi: 10.1002/14651858.CD004471.pub3. Eine intravenöse Immunglobulingabe jedoch verbessert den Krankheitsverlauf und reduziert die Sterberate bei Kindern und Erwachsenen mit akuter fulminanter Myokarditis. 12) 2019 Mar 20;60(2):359-365. doi: 10.1536/ihj.18-299.

Dazu siehe auch unter Akute Myokarditis.

Verweise

Patienetninfos


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).



Literatur   [ + ]

1. Internist 2010; 51: 836-843
2. 2019 May 14;11(5):e4665. doi: 10.7759/cureus.4665.
3. 2008;3:127-55.
4. 2013 Sep 9;8(9):e74569. doi: 10.1371/journal.pone.0074569.
5. 2004 May;193(2-3):65-9.
6. 2018 May;33(3):325-333. doi: 10.1097/HCO.0000000000000515.
7. 2015 Apr;19(4):850-64. doi: 10.1111/jcmm.12459.
8. . 2019; 68(4): 549–558. Published online 2019 Jun 26. doi: 10.1538/expanim.19-0037
9. 2013 Mar;15(3):180-5.
10. 2015 Nov;12(11):670-80. doi: 10.1038/nrcardio.2015.108.
11. 2013 Oct 18;(10):CD004471. doi: 10.1002/14651858.CD004471.pub3.
12. 2019 Mar 20;60(2):359-365. doi: 10.1536/ihj.18-299.