Myokarditis

Myokarditis bedeutet Entzündung der Herzmuskulatur. Sie führt zu einer Abnahme der Leistungsfähigkeit des Herzens (Herzinsuffizienz) und zu Herzrhythmusstörungen. Das klinische Bild entspricht dem einer Kardiomyopathie.

Zur akuten Myokarditis siehe hier.


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Ätiopathogenese und Pathophysiologie

Die Ursachen einer Myokarditis sind vielfältig [1]. In Betracht kommen:

  • Virusinfektionen: Eine virale Genese tritt verhältnismäßig häufig auf. Häufige Virustypen: Parvovirus B19 (gehört zu den häufigsten cardiotropen Viren), humanes Herpesvirus 6 (HHV-6, häufig), EBV (Ebstein-Barr-Virus, relativ häufig), Enteroviren, Adenoviren, Coxsackie A und B, Echo, Influenza , Mumps, Varizellen, CMV (Cytomegalie-Virus),
  • Bakterielle Infektionen: im Rahmen einer Septikämie können auch bakterielle Absiedlungen zu einer Entzündung der Herzmuskulatur führen. Besondere bakterielle Erkrankungen mit gelegentlicher Myokarditis: Shigellose, Diphtherie, Tuberkulose, Legionellose, Borreliose, Chlamydia pneumoniae,
  • Parasitäre Krankheiten: Chagas Krankheit (Trypanosoma cruci, Südamerika), Trichinose, Toxoplasmose,
  • Systemische Erkrankungen: systemischer Lupus erythematodes (SLE), rheumatoide Arthritis (zusammen mit Perikarditis und Perikarderguss), Churg-Strauss-Syndrom, rheumatisches Fieber bei Jugendlichen,
  • Medikamente und Drogen: Chemotherapeutika, Adriamycin u. ä., Kokain,
  • Bestrahlung des Mediastinums (z. B. beim Morbus Hodgkin).

Natürlicher Verlauf

In der Mehrzahl der Fälle liegt einer akuten Myokarditis eine Virusinfektion zugrunde. Sie heilt meistens aus; bei einer Untergruppe (etwa 20% (siehe hier)) kommt es zu einem chronischen Verlauf im Sinne einer entzündlichen Cardiomyopathie mit Entwicklung einer dilatativen Cardiomyopathie.

Folgen

  • Eine Herzmuskelentzündung führt in der akuten Phase sowie bei Entwicklung einer dilatativen Cardiomyopathie zu einer Abnahme der Leistungsfähigkeit des Herzens (Herzinsuffizienz), insbesondere des linken Herzens (Linksherzinsuffizienz).
  • Es können z. T. lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten.

Symptomatik

  • Herzinsuffizienz: Im Vordergrund steht eine mehr oder weniger rasch eintretende Leistungsschwäche des Herzens (Herzinsuffizienz) mit Leistungsschwäche, Lungenstauung, Hypotonie,
  • Rhythmusstörungen: Unregelmäßigkeiten des Herzschlags bis hin zu einer absoluten Arrhythmie oder Blockbildern (Schenkelblöcke, auch av.-Block 1. – 3. Grades) können auftreten.
  • Arterielle Embolien: Sie können in der Folge von Herzwandthromben und bei einer absoluten Arrhythmie in der Folge von Vorhofthromben auftreten.

Diagnostik

  • Anamnese: Eine Myokarditis bei jungen Menschen, die keine Risikofaktoren einer koronaren Herzkrankheit haben, wird wahrscheinlich, wenn im Rahmen eines Infekts eine rasche Leistungsabnahme auftritt (z. B. wenn Treppensteigen ungewöhnlicherweise zu Luftnot führt). Bei älteren Menschen und solchen, die koronare Risikofaktoren haben, kommt oft eine koronare Herzkrankheit mit akutem Koronarsyndrom differenzialdiagnostisch in Betracht.
  • EKG: es ist nicht oder nur unspezifisch verändert; es gibt keine eindeutig auf eine Myokarditis hindeutenden Veränderungen.
  • Echokardiographie (Herzecho): es lässt eine Abnahme der Kontraktionskraft erkennen (Abnahme der Ejektionsfraktion). Die Echokardiographie, die unter Belastung (körperlich oder medikamentös) eine reversible Wandbewegungsstörung erkennen lässt. Ein solcher Befund ist in der Regel eine Indikation zur Herzkatheteruntersuchung, dem Goldstandard in der Diagnostik einer koronaren Herzkrankheit. Bei einer Myokarditis findet sich gelegentlich begleitend eine Perikarditis mit Herzbeutelerguss, der echokardiographisch sichtbar ist.
  • Laborwerte: es können die CK (Creatinkinase) und das Troponin erhöht sein, so dass eine koronare Herzkrankheit mit Ischämiereaktion (akutes Koronarsyndrom) bzw. ein Herzinfarkt differenzialdiagnostisch zu erwägen sind. Hinsichtlich der Ursache sind ebenfalls Untersuchungen indiziert. Dazu gehören: die Virusserologie kardiotroper Viren, Untersuchungen auf Bakterien (Borrelien, Legionellen u. a.) und immunologische Untersuchungen (z. B. ANA, Rheumafaktor-Latextest).
  • Herzkatheteruntersuchung: Sie ist dann erforderlich, wenn die Differenzialdiagnose einer koronaren Ischämie im Raum steht und ausgeschlossen werden soll, und wenn eine Myokardbiopsie ansteht.
  • Myokardbiopsie: sie ist oft entscheidend. Durch die histologische Untersuchung kann die Myokarditis als Ursache einer Kardiomyopathie erkannt werden. Eine PCR im histologischen Schnitt zeigt an, ob eine und welche Virusinfektion (s.o.) vorliegt.

Therapie

Wichtig zur Behandlung sind: körperliche Ruhe und Symptombeherrschung. Wenn möglich ursächliche Behandlung (ggf. Antibiotika bei bakterieller Ursache, Kortikoide und Immunsuppressiva bei autoimmuner Ursache). Behandlung der Herzinsuffizienz (z. B. ACE-Hemmer, Diuretika) und der Rhythmusstörungen, Thromboembolie-Prophylaxe bei niedriger Ejektionsfraktion (EF).

Mehr dazu auch unter Akute Myokarditis.

Verweise

Patienetninfos

Literatur

  1. ? Internist 2010; 51: 836-843