Kreatinin

Kreatinin (auch Creatinin geschrieben) ist eine harnpflichtige Substanz, die eine Aussage über die Leistungsfähigkeit der Nieren, speziell die glomeruläre Filtrationsrate (GFR), erlaubt.


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Physiologie und Biochemie

Kreatin wird in der Leber aus Arginin und Glycin synthetisiert und über das Blut zur Muskulatur transportiert. Ihm kommt in Form des Kreatinphosphats eine Bedeutung für die Muskelkontraktionen zu. Kreatinin ist das Abbauprodukt von Kreatin. Es wird über die Nieren durch glomeruläre Filtration (über die Nierenkörperchen, Glomerula) eliminiert. In geringerem Maße wird es zudem tubulär sezerniert. Da die tubuläre Sekretion im Vergleich mit der Filtration vernachlässigbar ist, eignet sich Kreatinin zur Bestimmung der glomerulären Filtrationsrate. Allerdings kann die tubuläre Sekretion bei Einschränkung der glomerulären Filtration zu einem Interpretationsfehler führen.

Normbereiche

  • bei Frauen etwa 50 – 100 mg/dl (0,6 – 1,2 mmol/l),
  • bei Männern etwa 60 – 120 mg/dl (0,7 – 1,36 mmol/l)

Aussagekraft

Muskelmasse

Die Kreatinin-Konzentration im Plasma ist bei normaler Muskelmasse des Körpers ein guter Parameter zur Bestimmung der glomerulären Filtrationsrate der Nieren.

Da Kreatinin hauptsächlich im Muskel vorliegt, sind die Kreatininwerte bei sehr geringer Muskelmasse niedriger, bei sehr großer dagegen u. U. höher als normal.

Bei hoher Fleischzufuhr (Fleisch enthält viel Kreatin/Kreatinin) mit der Nahrung sind die Werte ebenfalls höher als normal.

Überschusskapazität der Nieren

Die Nieren haben eine funktionelle Überschusskapazität von 100%. Der menschliche Körper kann auf die Hälfte der Nierenfunktion, d. h. auf eine Niere verzichten, ohne dass der Kreatininwert ansteigt. Wenn der Kreatininwert die obere Normgrenze überschreitet, sind daher mindestens 50% der Nierenfunktion bereits ausgefallen. Die Kreatininwerte im Serum steigen wenn die GFR unter etwa 50 ml/min (normal ca. 100- 120 ml/min) sinkt.

Die Nierenfunktion wird daher im Bereich zwischen 50 und 100% der Nierenleistung durch den Kreatininwert nicht dargestellt. Dies leistet dagegen die Kreatinin-Clearance, die aus der Kreatininkonzentration im Serum und im Urin sowie dem Urinvolumen in der gemessenen Zeiteinheit berechenbar ist.

Nierenversagen

Bei einem akuten Nierenversagen können die Kreatininwerte pro Tag um das 2- bis maximal 3-fache ansteigen. Bei einer chronischen Nierenkrankheit steigen die Kreatininwerte dagegen in der Regel nur sehr langsam über Monate oder Jahre.

Leber

Bei einer Leberinsuffizienz kann es zu einer Verminderung der Kreatin-Synthese kommen, die sich in relativ niedrigen Kreatininwerten auswirkt.

Erhöhter Wert

Erhöhte Werte deuten meist auf einen Nierenschaden hin. Der Laborwert gibt aber keinen Hinweis auf die Ursache des Schadens. Erhöhte Werte des Kreatinins finden sich erst, wenn bereits über 50% der Niere geschädigt ist. Frühstadien des Nierenschadens werden daher mit Kreatinin nicht erkannt.

Krankheiten mit erhöhten Creatininwerten

  • Diabetes mellitus und Bluthochdruck als häufige Ursachen einer Niereninsuffizienz,
  • Nierenentzündung (Nephritis),
  • Medikamente (wie nichtsteroidale Antiphlogistika),
  • Harnstau durch ein Abflusshindernis (z. B. durch einen Stein oder Tumor),
  • Zystennieren und andere angeborene Nierenkrankheiten (z. B. Alport-Syndrom),
  • massive Muskelquetschung, Rhabdomyolyse, Myositis.
  • Exsikkose und hoher Fleischverzehr können den Creatinin-Spiegel leicht anheben, ohne dass ein Nierenschaden vorliegen muss.

Erniedrigter Wert

Niedrige Werte findet man bei geringer Muskelmasse; sie haben meist keine diagnostische Bedeutung.

Verweise

Patienteninfos