Nichtsteroidale Antiphlogistika

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Nichtsteroidale Antiphlogistika (engl.: non-steroidal anti-inflammatory drugs, NSAIDs) sind Medikamente, die Entzündungen unterdrücken und nicht zu den Glukokortikoiden (Steroidhormonen) gehören. Wegen ihrer Wirkung bei schmerzhaften Gelenkerkrankungen werden NSAIDs auch als nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) bezeichnet. Zu den NSAID gehören beispielsweise Aspirin (ASS), Ibuprofen, Diclofenac, Piroxicam, Naproxen oder Phenylbutazon.


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Wirkmechanismen

Die meisten NSAIDs sind unselektive Hemmer der Cyclooxigenasen (COX-Hemmer, Hemmstoffe der Prostaglandin- und Thromboxansynthese). Zu den unselektiven COX1/2-Hemmern gehören die „alten“ Antirheumatika, wie Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin), Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac, Indometacin und Piroxicam.

Wirkungen

Nichtsteroidale Antiphlogistika haben nicht nur antientzündliche (antiinflammatorische), sondern auch schmerzstillende (analgetische) und Fieber senkende (antipyretische) Wirkungen. Nicht selektive NSAIDs hemmen COX-1 und COX-2. Die Hemmung von COX-1 bewirkt einem Herz- und Nierenschutz. 1)Am J Physiol Renal Physiol. 2015 Aug 15;309(4):F332-40. DOI: 10.1152/ajprenal.00567.2014

NSAIDs wirken gegen Krebs, indem sie die Mikroumgebung (Microenvironment) von Tumoren beeinflussen. Sie reduzieren die Zellmigration und die Apoptose von Tumorzellen und erhöhen ihre Chemosensitivität. Auf Basis dieser Ergebnisse wird die Entwicklung von neuen Krebsmitteln erwartet. 2)Int J Mol Sci. 2020 Apr 9;21(7):2605. DOI: 10.3390/ijms21072605.

Indikationen

NSAID, wie Acetylsalicylsäure (Aspirin) oder Ibuprofen, werden vielfach als Hausmittel bei verschiedenen Entzündungen und Schmerzen, wie bei Kopfschmerzen und degenerativen oder entzündlichen Gliederschmerzen, bei grippalen Infekten, sowie zur Fiebersenkung verwendet.

Nebenwirkungen und Komplikationen

Zu den nicht erwünschten Wirkungen zählen gastrointestinale (den Magendarmtrakt betreffende), kardiale (das Herz betreffende) und renale (die Nieren betreffende) Nebenwirkungen, sowie eine erhöhte Blutungsneigung. Sie können zum Absetzen oder Umsetzen der Medikation veranlassen.

Insbesondere bei Langzeitgebrauch sind NSAID mit einem erhöhten Risiko für eine Magendarmblutung und Niereninsuffizienz assoziiert. Selektive COX-2-Inhibitoren (Coxibe, wie Celecoxib) weisen weniger gastrointestinale Blutungen auf. 3)Bioorg Chem. 2017 Feb; 70():173-183 Sie sind jedoch mit kardiovaskulären Nebenwirkungen wie Bluthochdruck und einem erhöhten Risiko für Herzattacken inkl. einem Herzinfarkt sowie mit Nierenfunktionsstörungen verbunden. Dies wird zum Teil der Tatsache zugeschrieben, dass COX-2 in der Niere die Renin-Angiotensin-Sekretion reguliert und die Niere vor hypertonem Stress schützt. Fällt dieser Schutz weg, so steigt das Risiko für hypertone Fehlregulationen. 4)Curr Opin Nephrol Hypertens. 2001 Sep;10(5):603-10. doi: 10.1097/00041552-200109000-00009. PMID: … Continue reading Das gilt insbesondere für Patienten mit einer Herzerkrankung, Leberzirrhose und chronischer Nierenkrankheit, sowie bei einer Co-Medikation mit RAAS-Hemmern (wie ACE-Hemmern und AT1-Rezeptorenblockern) und Diuretika. 5)Pharmaceuticals (Basel). 2010 Jul 21;3(7):2291-2321. DOI: 10.3390/ph3072291 . PMID: 27713354; … Continue reading Auch wird unter COX-2-Hemmung mehr Thromboxan A2 gebildet, was die Gerinnselbildung fördert.

Zu den Coxiben und ihren Nebenwirkungen siehe hier.

Verweise


Literatur

Literatur
1 Am J Physiol Renal Physiol. 2015 Aug 15;309(4):F332-40. DOI: 10.1152/ajprenal.00567.2014
2 Int J Mol Sci. 2020 Apr 9;21(7):2605. DOI: 10.3390/ijms21072605.
3 Bioorg Chem. 2017 Feb; 70():173-183
4 Curr Opin Nephrol Hypertens. 2001 Sep;10(5):603-10. doi: 10.1097/00041552-200109000-00009. PMID: 11496053.
5 Pharmaceuticals (Basel). 2010 Jul 21;3(7):2291-2321. DOI: 10.3390/ph3072291 . PMID: 27713354; PMCID: PMC4036662.