Koronarinsuffizienz

Artikel aktualisiert am 30. Dezember 2022

Als Koronarinsuffizienz wird eine unzureichende Versorgung der Herzmuskulatur (Myokard) mit Blut wegen zu enger oder teilweise verschlossener Koronargefäße bezeichnet. In der Regel ist sie durch eine Arteriosklerose der Herzkranzgefäße bedingt (Koronarsklerose), durch die es zu einer oder mehreren Verengungen (Stenosen) der Herzkranzgefäße kommt, welche die Herzmuskulatur versorgen (meist als Koronarien abgekürzt). Folge ist eine Herzinsuffizienz, die zunächst während einer Belastung und bei fortgeschrittener Verengung der Koronarien auch in Ruhe auftritt. Sie macht sich durch Atemnot (Belastungsdyspnoe bzw. Ruhedyspnoe) und Herzschmerzen (Angina pectoris) bemerkbar. (1)Basic Res Cardiol. 2022 Jan 13;117(1):1. DOI: 10.1007/s00395-022-00909-8 In selteneren Fällen ist eine Arteriosklerose nicht für eine Koronarinsuffizienz verantwortlich, sondern eine Entzündung der Herzkranzgefäße oder eine spastische Verengung (Verkrampfung der Arterienmuskulatur), die z. B.  durch adrenergen Stress ausgelöst wird. (Dazu siehe unter MINOCA.)

→ Siehe auch unter koronare Herzkrankheit.
→ Zur Anatomie und Funktion des Herzens siehe hier.


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Symptomatik

Die Symptomatik ist geprägt durch Herzschmerzen (Angina pectoris) und durch Zeichen einer Leistungsschwäche (Herzinsuffizienz) bei Belastung (Belastungsinsuffizienz), in ausgeprägten Fällen bereits in Ruhe (Ruheinsuffizienz). Herzschmerzen, die sich bei Belastung ergeben oder verschlimmern, bedeuten ein hohes Risiko für einen Herzinfarkt. Eine rasche Verschlechterung führt zu einer instabilen Angina / Crescendo-Angina, die einer umgehenden Katheterdiagnostik bzw. -intervention bedarf..

Die Anamnese richtet sich auf die Prädispositionen (Anfälligkeit, Vorbedingungen): Rauchen, fette Speisen, jahrelanger erhöhter Blutdruck (Hypertonie), ggf. auch schon ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall in der Vergangenheit.

Diagnostik

Koronare Herzkrankheit (Koronarangiographie)
Koronarangiogramm: Durch Kathetertechnik wurden hier Verengungen in den Ästen einer großen Koronararterie sichtbar gemacht. Die Indikation für die Untersuchung waren zunehmende erhebliche Herzbeschwerden und Atemnot bei kleinen Belastungen. Die Untersuchung wurde gleich zur Erweiterung der Engstellen und Implantation von Stents genutzt.

Die Diagnostik beinhaltet im Wesentlichen

  • das EKG (Elektrokardiogramm, Darstellung der elektrischen Erregungsabläufe): es zeigt bei einer Koronarinsuffizienz Veränderungen in der Stromverlaufskurve),
  • ein Belastungs-EKG: es zeigt diese Veränderungen unter Bedingungen erhöhter Belastung und damit eines erhöhten Sauerstoffbedarfs. Hierbei werden Veränderungen erkennbar, die in Ruhe noch nicht auftreten.
  • ein Herzecho (Echokardiographie, Ultraschalluntersuchung des Herzens): es zeigt Bewegungsstörungen der Muskulatur der Herzkammern, speziell der linken Herzkammer (linker Ventrikel),
    • ein Stressecho (Kombination der 2D-Echokardiographie mit einer körperlichen, pharmakologischen oder elektrischen Belastung) wird bei Verdacht auf eine Koronarinsuffizienz, aber normalen Untersuchungsbefunden in Ruhe durchgeführt. Es zeigt unter Bedingungen einer erhöhten Sauerstoffanforderung Wandbewegungsstörungen vor allem der linken Herzkammer, die in Ruhe noch nicht auftreten,
  • eine Herzkatheteruntersuchung mit Darstellung der Herzkranzgefäße oder ein Kardio-MRT zur bildlichen Darstellung der Herzkranzgefäße. Das Kardio-MRT kann wie auch die Koronarangiographie durch Herzkathetertechnik Verengungen darstellen und genau lokalisieren. Eine sich ergebende Indikation zu einer Erweiterung einer Verengung (Angioplastie) ist jedoch nur bei einer Herzkatheteruntersuchung möglich, so dass diese im Fall einer vermuteten koronaren Herzkrankheit bevorzugt wird.

Welche der diagnostischen Maßnahmen übersprungen werden kann, ist im Einzelfall zu entscheiden. Bei einer sehr heftigen Schmerzattacke (Crescendo-Angina) beispielsweise hat eine sofortige Herzkatheteruntersuchung wegen der Möglichkeit einer Therapie (Stentimplantation) einen hohen Stellenwert.

Therapie

Die Therapie beinhaltet eine Reihe von Maßnahmen:

  • medikamentöse Maßnahmen, z. B. Nitropräparate, Blutdrucksenker, Blut verdünnende Maßnahmen (Thrombozytenaggregationshemmer wie ASS, Clopidogrel), Senkung erhöhter Blutfettwerte,
  • Herzsport (Koronarsport) unter Anleitung und Überwachung,
  • je nach Schweregrad der Koronarverengung eine Koronarangioplastie mit Stentimplantation zur Offenhaltung der erweiterten Stellen der Herzkranzgefäße (siehe hier).

Neue Therapiemöglichkeiten scheinen sich durch Erkenntnisse zu den Reparaturmechanismen des Herzens und zum Aussprießen neuer Äste von Herzkranzgefäßen (Neovaskularisation) ergeben zu können. (2)Proc Natl Acad Sci U S A. 2016 Oct 4;113(40):11237-11242. DOI: 10.1073/pnas.1605431113. Epub 2016 … Continue reading (3)Dev Cell. 2019 Nov 18;51(4):503-515.e4. DOI: 10.1016/j.devcel.2019.10.019. PMID: 31743664; PMCID: … Continue reading Im Tierexperiment bewirkt das Cytokin METRNL (meteorin-like) eine starke Anregung einer Reparatur von ischämisch bedingten Narben in der Herzmuskulatur durch Neubildung von Blutgefäßen (Angiogenese). (4)Science. 2022 Jun 17;376(6599):1343-1347. DOI: 10.1126/science.abn3027.

Dazu siehe hier.

Verweise

Literatur

Literatur
1Basic Res Cardiol. 2022 Jan 13;117(1):1. DOI: 10.1007/s00395-022-00909-8
2Proc Natl Acad Sci U S A. 2016 Oct 4;113(40):11237-11242. DOI: 10.1073/pnas.1605431113. Epub 2016 Sep 19. PMID: 27647901; PMCID: PMC5056108.
3Dev Cell. 2019 Nov 18;51(4):503-515.e4. DOI: 10.1016/j.devcel.2019.10.019. PMID: 31743664; PMCID: PMC6982407.
4Science. 2022 Jun 17;376(6599):1343-1347. DOI: 10.1126/science.abn3027.